Teheran - Der Wähleransturm war so immens, dass die Öffnungszeiten der Wahllokale mehrmals verlängert wurden - denn diese Entscheidung könnte Iran maßgeblich wandeln. Wird der nächste Präsident ein Reformer, also Hossein Mussawi? Oder wird Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Amt bestätigt, der populistische Hardliner, der für den Konfrontationskurs zum Westen steht?
Noch vor dem offiziellen Ende der Präsidentenwahl erklärten sich die beiden Top-Favoriten zum Sieger: Die amtliche Nachrichtenagentur IRNA meldete am Abend, Präsident Ahmadinedschad sei wiedergewählt worden.
Ahmadinedschads reformorientierter Herausforderer Mussawi erklärte dagegen auf einer Pressekonferenz, er habe "definitiv die Wahl gewonnen". Seine Siegeserklärung beruhe auf "allen Anzeichen aus dem ganzen Iran".
Erste Prognosen sehen Ahmadinedschad vorn
Nach den ersten Auszählungen liegt Ahmadinedschad mit 68 Prozent der Stimmen vorne, erklärte die Wahlkommission nach Auszählung von rund fünfzehn Millionen Stimmen und 47 Prozent der Wahlurnen. Mussawi vereinigte bei diesem ersten Zwischenstand den Angaben zufolge nur 30 Prozent auf sich. Allerdings kamen die ersten Ergebnisse fast ausschließlich aus ländlichen Stimmbezirken - und die Landbevölkerung unterstützt mehrheitlich Ahmadinedschad. Gut ausgebildete Städter sind dagegen eher für Mussawi, ebenso wie viele Frauen, die sich von dessen charismatischer Ehefrau Sahra Rahnaward feministischen Einfluss erhoffen.
Die Nacht der Auszählung wird also lang - offizielle Ergebnisse werden nicht vor Samstag erwartet.
Der Wahlkampf wurde von harten Auseinandersetzungen zwischen Mussawi und Ahmadinedschad geprägt. Der 67-jährige Mussawi, der in den achtziger Jahren Ministerpräsident war, warf Ahmadinedschad vor, er lenke das Land in eine Diktatur. Die Revolutionsgarde warnte das Reformlager, sie werde jede "Revolution" der "grünen Bewegung" Mussawis zerschlagen.
Das Innenministerium gab bekannt, dass alle Kundgebungen und politischen Versammlungen bis zur Bekanntgabe der Ergebnisse am Samstag verboten sind. Der geistliche Führer Ajatollah Ali Chamenei rief die Wähler zur Ruhe auf. Wenn einige Spannungen schaffen wollten, dann würde dies dem Volk nur schaden, mahnte Chamenei, der offiziell keine Präferenz für einen der vier Kandidaten erkennen ließ. Neben Ahmadinedschad und Mussawi sind das Parlamentspräsident Mahdi Karrubi und der ehemalige Kommandeur der Revolutionsgarden, Mohsen Resai.


jul/dpa/AP/AFP/Reuters
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