Mittwoch, 10. Februar 2010

Politik



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16.06.2009
 

Geiselkrise im Jemen

Spezialteam des BKA soll Opfer identifizieren

Aus Sanaa berichtet Matthias Gebauer

Aus verwirrenden Meldungen wird Gewissheit: Die Bundesregierung geht davon aus, dass zumindest zwei deutsche Krankenschwestern im Jemen getötet wurden. Was mit dem Rest der Entführten passierte, darunter ein elf Monate altes Baby, bleibt weiter unklar. Im Nordjemen beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.

Die Bundesregierung muss mittlerweile davon ausgehen, dass die beiden deutschen Krankenschwestern Anita G., 24, und ihre 26-jährige Kollegin Rita S. tot sind. Nach den vielen verwirrenden Meldungen von Montag telefonierte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit seinem Amtskollegen im Jemen und bekam die Information, dass die jemenitischen Behörden drei Frauenleichen gefunden hätten.

Sanaa: Die Leichen der getöteten Geiseln wurden zur Obduktion in Jemens Hauptstadt gebracht
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AP

Sanaa: Die Leichen der getöteten Geiseln wurden zur Obduktion in Jemens Hauptstadt gebracht

Darunter sollen die beiden deutschen Krankenschwestern sein, die wie der Vermisste Johannes H. in einem Krankenhaus in Sadaa im Nordwesten des Landes gearbeitet hatten. Die beiden Schwesternschülerinnen der Bibelschule Brake in Lemgo waren seit Anfang Juni im Jemen, absolvierten dort ein Praktikum in dem Krankenhaus, sie arbeiteten wie Johannes H. für die Hilfsorganisation Worldwide Services. Das Praktikum sollte drei Monate dauern.

Man müsse befürchten, sagte Außenminister Steinmeier am Dienstag in Berlin, dass sich die übrigen Vermissten "in den Händen von skrupellosen Gewalttätern" befänden. "Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten in dieser Stunde den Angehörigen, den Familien und den Freunden der Opfer. Wir sind in dieser schweren Stunde in der Trauer mit ihnen vereint."

Endgültig geklärt ist die Identität der Toten indes noch nicht. Am Vormittag ist ein Spezialteam aus sechs Experten des Bundeskriminalamts (BKA) im Jemen eingetroffen, um eine erste Obduktion vorzunehmen. Die Leichen der drei getöteten Frauen wurden dazu heute Mittag in die Hauptstadt Sanaa gebracht. Dort werden sie derzeit von deutschen und jemenitischen Experten untersucht. Die erste Obduktion dürfte auch Aufschluss darüber geben, wann die Frauen umgebracht worden waren.

Südkorea hat den Tod der dritten Frau bereits bestätigt, ein Arzt habe sie bereits in Sadaa eindeutig identifiziert. Die Regierung reagierte wie die Bundesregierung bestürzt auf die Tat.

Noch immer fehlt von den anderen Entführten, dem Familienvater Johannes H., seiner Frau Sabine, 36, und den drei Kindern Lydia, Anna und dem erst elf Monate alten Simon jede Spur. Mittlerweile ist der BKA-Verbindungsbeamte nach Sadaa gereist, um die Suche nach der Geiselgruppe zu koordinieren. Gerade wegen des Babys geraten die Recherchen immer mehr zu einem Wettlauf mit der Zeit.

Mit Helikoptern suchte das jemenitische Militär in der Nacht und am Tag nach der Geiselgruppe, die am vergangenen Freitag verschwunden war. Die Region gilt jedoch als sehr schwer zugänglich. Der Gouverneur von Sadaa lobte mittlerweile eine Belohnung von umgerechnet rund 20.000 Euro für Hinweise auf die Entführer aus.

Im Auswärtigen Amt muss man weiter das Schlimmste befürchten. Bis heute ist keine Forderung oder ein anderer Kontakt durch die Entführer eingegangen. Wenig spricht dafür, dass es sich um eine im Jemen normalerweise recht schnell lösbare Geiselkrise handelt.

In der Vergangenheit hatten jemenitische Stämme oft Touristen entführt, diese jedoch nach Zusicherung von Aufbauhilfen - Brunnen oder neue Straßen - recht schnell wieder freigelassen. Im aktuellen Fall jedoch spricht vieles dafür, dass es sich nicht um eine kriminelle Gruppe handelt.

Johannes H. ließ sich von Warnungen nicht abschrecken

Dass die Region Sadaa, wo die Deutschen gemeinsam mit einem Briten und einer Südkoreanerin entführt worden waren, gefährlich ist, war kein Geheimnis. Vor drei Monaten hatte die Botschaft in Sanaa Johannes H. eindringlich davor gewarnt, in die Region zu fahren. Dort kommt es seit Jahren immer wieder zu Kämpfen zwischen dem jemenitischen Militär und den schiitischen Rebellen unter der Führung des Predigers al-Huthi.

Die Auseinandersetzung hat mittlerweile dazu geführt, dass Ausländer das Gebiet weitgehend verlassen haben. Warum sich Johannes H. nicht von der Warnung abschrecken ließ, ist bisher unklar. Der 36-Jährige arbeitete seit Jahren im Jemen und kannte die Gefahren des Landes sehr gut.

Schon seit gestern wird von der Bundesregierung auch ein terroristischer Hintergrund nicht mehr ausgeschlossen. Die Aktivitäten der Terrorgruppe al-Qaida haben in der jüngsten Vergangenheit im Jemen massiv zugenommen, US-Geheimdienste warnen seit längerem, dass sich Kämpfer der Gruppe im Jemen ungestört bewegen und Zellen trainieren.

Im März waren vier südkoreanische Touristen unweit der Hauptstadt Sanaa von einem Selbstmordattentäter getötet worden. Dieser Anschlag wird mittlerweile fest al-Qaida zugeordnet. Bisher ist der Verdacht einer Beteiligung des Terrornetzwerks an dem aktuellen Geiselfall jedoch mehr eine Arbeitsthese denn durch Fakten gedeckt.

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