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17.06.2009
 

Proteste in Iran

Mussawi-Anhänger rüsten für neue Demonstrationen

Sie wollen weitermachen, bis Mahmud Ahmadinedschad abtritt: Die Anhänger des iranischen Oppositionsführers Mussawi haben neue Demonstrationen angekündigt. Die Regierung müht sich mit allen Mitteln, die Proteste unter Kontrolle zu bekommen, bisher vergeblich.

Hamburg/Teheran - Es sind die massivsten Proteste in Iran seit der Islamischen Revolution vor 30 Jahren - und ein Ende ist nicht in Sicht: Anhänger des iranischen Oppositionsführers Hossein Mussawi wollen ihre Proteste gegen das Ergebnis der Präsidentenwahl auch am Mittwoch fortsetzen. Erneut kündigten sie Kundgebungen im Zentrum der iranischen Hauptstadt an, um gegen die nach ihrer Meinung manipulierte Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad zu demonstrieren. In SMS-Kurzmitteilungen riefen sie dazu auf, sich zu einer Kundgebung auf dem zentralen Haft-e-Tir-Platz zu versammeln.

Trotz Polizeigewalt und Unterdrückung einer unabhängigen Berichterstattung waren auch am Dienstag wieder Zehntausende im Norden Teherans friedlich gegen Ahmadinedschad auf die Straße gegangen. Am Montag hatte sich die Protestwelle bereits auf andere Städte des Landes ausgeweitet. Mindestens sieben Menschen sollen bei Protesten getötet worden sein. Der mächtige Wächterrat kündigte an, die Wahlergebnisse teilweise neu auszuzählen. Eine Annullierung der Wahl schloss er aber aus. Mussawi fordert eine Wiederholung der Abstimmung.

Aus Sorge um das Leben seiner Anhänger hatte der 67-jährige Mussawi am Dienstag dazu aufgerufen, die Proteste zu beenden. Trotzdem gingen im Norden Teherans wieder Zehntausende auf die Straße. Die Menschen drängten sich auf einer Strecke von zwei Kilometern, für Autos war kein Durchkommen mehr. Ziel war das Gebäude des staatlichen Fernsehsenders IRIB, der als wichtiger Propagandakanal Ahmadinedschads gilt. Mussawi forderte von dem Sender Redezeit. Die Proteste verliefen friedlich und ohne besondere Vorkommnisse.

Die Teilnehmer kündigten an, sie würden weitermachen, solange Ahmadinedschad an der Macht sei. Das staatliche Fernsehen strahlte Sondersendungen aus, in denen die Proteste kritisiert wurden. Zuvor hatten sich in der iranischen Hauptstadt erneut auch wieder Zehntausende Anhänger Ahmadinedschads versammelt. Sie hielten Bilder ihres Präsidenten und des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei in die Höhe und riefen Slogans wie "Wir sind unserem Führer treu ergeben" und "Wir sind bereit, Märtyrer zu werden".

Angesichts anhaltender Oppositionsproteste schränkten die iranischen Behörden die Berichterstattung weiter ein. Mitarbeitern ausländischer Medien wurde untersagt, über nicht autorisierte Demonstrationen zu berichten. Das Mobilfunknetz war am Dienstagabend wieder gestört. Beobachter vermuteten, dass die Kommunikation zwischen den Demonstranten mit einer Abschaltung des Netzes gestoppt werden sollte.

Eine wichtige Rolle spielt bei der Verbreitung von Informationen der Kurzmitteilungsdienst Twitter. Ursprünglich hatte das Angebot am Dienstag wegen Wartungsarbeiten für eine Stunde abgestellt werden sollen - doch die Maßnahme wäre ausgerechnet zeitlich mit der großen Demonstration am Dienstag auf den Straßen von Teheran zusammengefallen. Daher entschied sich die Unternehmensleitung, die Wartung auf den späten Dienstagabend zu verschieben. Meldungen, wonach Twitter auf eine Bitte der US-Regierung reagierte, wies Mitbegründer Biz Stone zurück. Die Verschiebung habe man selbst entschieden, weil es sinnvoll gewesen sei, die Dienste während der von aller Welt verfolgten Demo aufrechtzuerhalten.

Die Reaktion aus den USA zu den Geschehnissen in Iran bleibt zurückhaltend. Präsident Barack Obama vermied es, in dem Konflikt Partei zu ergreifen. Für ihn sei der Unterschied zwischen Ahmadinedschad und Mussawi nicht so groß wie von vielen dargestellt, sagte er dem US-Sender CNBC. Unabhängig vom tatsächlichen Ausgang der Präsidentenwahl hätte man "in beiden Fällen mit einem Regime umgehen müssen, das den Vereinigten Staaten historisch feindlich gesinnt gewesen wäre, das einige Probleme in seiner Nachbarschaft verursacht hat und das hinter Nuklearwaffen her ist", sagte Obama.

Die USA hätten ein langfristiges Interesse daran, dass Iran keine Atomwaffen entwickelt und die Finanzierung von Organisationen wie der radikal-islamischen Hamas und der Hisbollah einstellt, sagte Obama. "Und das hätte für jeden gegolten, wer immer auch als Sieger aus der Wahl hervorgegangen wäre."

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