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17.06.2009
 

Proteste in Teheran

Iran droht ausländischen Reportern

Der Machtkampf in Iran verschärft sich: Man werde die Feinde der nationalen Einheit "schachmatt" setzen, droht die Regierung in Teheran. Gemeint sind auch die internationalen Medien. Unverhohlen kritisiert das Regime die Berichterstatter als Antreiber der oppositionellen Kräfte.

Teheran - Das iranische Regime nimmt die Berichterstatter ins Visier, droht ausländischen Journalisten unverhohlen und bezeichnet sie als Staatsfeinde. Einige Medien heizten die Stimmung in Iran an, polterte die Regierung. Gleichzeitig behauptete das Außenministerium in Teheran, die Anwesenheit "Hunderter ausländischer Medienvertreter" während der Präsidentschaftswahlen in Iran sei ein "Symbol äußerster Transparenz im Wahlprozess".

Einige Länder seien hingegen mit ihrer "unkalkulierten, voreiligen und groben Reaktion auf die illegalen Demonstrationen" zu einem "Sprachrohr für die Bewegung der Krawallmacher" geworden, hieß es mit Blick auf Demonstrationen gegen den Wahlausgang. Damit schadeten sie dem Ansehen des Landes.

Die iranische Führung forderte die ausländischen Medien auf, ihre "unsachgemäße Einmischung in iranische Angelegenheiten" zu ändern. Die "Feinde der iranischen nationalen Einheit" würden "schachmatt" gesetzt, zitierte die Nachrichtenagentur Isna aus der Erklärung des Außenministeriums.

Die Behörden hatten die Berichterstattung über die Demonstrationen von Anhängern des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Hossein Mussawi stark eingeschränkt. Betroffen waren auch ARD und ZDF. Das iranische Kultusministerium hatte ausländischen Korrespondenten am Dienstag verboten, über nicht genehmigte Proteste zu berichten.

Der Zorn der Teheraner Führung richtet sich aber auch gegen die Betreiber regierungskritischer Internet-Seiten. Die Revolutionsgarden warnten die Web-Medien, sie könnten Ziel von Strafverfolgungen werden. Die Garden, die hinter Präsident Mahmud Ahmadinedschad stehen, erklärten, "Informationen, die zu Spannungen führen", müssten aus dem Internet genommen werden. Ansonsten drohten rechtliche Schritte, hieß es am Mittwoch in der offensichtlich an die Adresse der Anhänger Mussawis gerichteten Warnung weiter.

Mussawis Anhänger haben den Kurzmitteilungsdienst Twitter und das soziale Netzwerk Facebook im Internet als Foren genutzt, um die Unterstützung für ihren Kandidaten und Demonstrationen zu organisieren. Die Seiten seien zwar mittlerweile gefiltert und der Zugang verlangsamt, er sei aber noch möglich.

Twitter hatte Wartungsarbeiten, die ursprünglich zeitgleich mit der großen Demonstration am Dienstag geplant waren, wegen der hohen Nutzungsrate in die späten Abendstunden verschoben. Meldungen, wonach die US-Regierung den Anbieter gebeten hatte, die Maßnahme zu verschieben, wies das Unternehmen zurück. Das habe man aus freien Stücken entschieden. "Twitter spielt derzeit eine wichtige Kommunikationsrolle in Iran", teilte ein Sprecher mit.

Präsident Ahmadinedschad erklärte am Mittwoch, der Ausgang der Präsidentenwahl zeige die Unterstützung für die Regierungsarbeit, berichtete die Nachrichtenagentur Fars. "De facto war die Wahl eine Volksabstimmung über das islamische System in Iran", sagte er bei einer Kabinettssitzung.

Dessen ungeachtet sollen die Proteste der Opposition in Teheran weitergehen. Für Donnerstag ist eine weitere Großdemonstration in der Hauptstadt geplant. Das kündigte Mussawi am Mittwoch auf seiner Internet-Seite an. "Wir demonstrieren friedlich gegen Wahlbetrug, und alles, was wir wollen, ist die Annullierung der Wahl und Neuwahlen ohne Schwindel", fügte er hinzu.

Gleichzeitig rief Mussawi seine Anhänger erneut dazu auf, friedlich zu demonstrieren. Er verurteilte den Einsatz von Gewalt gegen seine Anhänger bei der Großkundgebung am Montag und die Welle von Festnahmen. Die Demonstranten versuchten nur, ihr rechtmäßiges Ziel mit friedlichen Mitteln zu erreichen. Mit Blick auf die Pressezensur warf Mussawi der Regierung Intoleranz vor.

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