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Offener Brief an Ajatollah Chamenei "Ihre Herrschaft ist vorbei"

2. Teil: Südafrika als Modell für einen Wandel in Iran

Exzellenz, die aktuellen Demonstrationen sind ein Signal des iranischen Volks, der Kinder der Revolution, dass man Ihre Herrschaft nicht länger ertragen will. Ihr Regime wird nicht mehr dazu in der Lage sein, Entscheidungen durchzusetzen, wenn es nicht Gewalt anwenden will. Ich beschwöre Sie: Sehen Sie ein, dass Iran an einen Wendepunkt gelangt ist. Entweder akzeptieren Sie den Willen der Menschen und machen einen friedlichen demokratischen Wandel möglich - oder Sie bekämpfen den Protest der Menschen und richten ein Blutbad an, das Iran ins Chaos stürzen wird. Fragen Sie sich bitte selbst: Kann ein Regime, das von der Mehrheit der Bevölkerung gehasst und abgelehnt wird, den Übergang zu einer demokratischen Gesellschaftsform schaffen, in der Recht und Gesetz gelten? Hat es einen solchen Wandel in der Geschichte jemals gegeben, ohne dass dabei Blut vergossen worden ist?

Die überraschende Antwort ist ja, es kann gelingen. Das Apartheid-Regime in Südafrika wurde ebenfalls von der Mehrheit der Menschen gehasst, und es war ein extrem gewalttätiges System. Trotzdem gelang es Südafrika unter der genialen Führung Nelson Mandelas, den Weg eines friedlichen Wandels einzuschlagen. Dort hat man der regierenden Minderheit Garantien eingeräumt (was ihr Eigentum und ihre Sicherheit betrifft). Gleichzeitig hat man über eine provisorische Verfassung verhandelt. Dieses Modell einer verhandelten Gerechtigkeit entspricht den Menschenrechten und den demokratischen Prinzipien. Was in Südafrika gelang, in einem Land, das von Hass und Gewalt gespalten war, kann auch in Iran Wirklichkeit werden.

Exzellenz, es hängt jetzt von Ihrem Willen, Ihrer Entscheidung ab. Sie können sich dafür entscheiden, wie es der damalige Präsident Südafrikas, De Klerk, getan hat, den Weg für den Wandel freizumachen - oder den Willen des Volks mit Gewalt unterdrücken, wie Sie es in der Vergangenheit praktiziert haben. Aber ich beschwöre Sie: Nehmen Sie zur Kenntnis, dass Millionen von Iranern Mussawi vertrauen. Er war es, der die jüngsten Wahlen gewonnen hat, nicht Ahmadinedschad. Er könnte die Rolle einnehmen, die Mandela bei der friedlichen Machtübergabe in Südafrika gespielt hat. Sofern Sie ihm die Chance dazu geben.

Natürlich werden die Menschen fragen, was mit den Leuten geschehen soll, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben - wie die Massenexekutionen, die im Namen des Islamischen Staates angeordnet wurden. Aber auch hier könnte Südafrika mit seinen Wahrheitskommissionen das Vorbild liefern. Der Wille der Bevölkerung muss nicht dazu führen, dass Blut vergossen wird. Auch könnten die Vereinten Nation eine wichtige Rolle spielen. Die Organisation hat große Erfahrung mit solchen Gesellschaften im Übergang. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sollte mit dem Sicherheitsrat darüber sprechen. Handelt es sich dabei um eine Verletzung iranischer Souveränität? Ich denke nein.

Exzellenz, Sie haben offensichtlich Zweifel am Ergebnis der jüngsten Präsidentschaftswahlen, sonst hätten Sie nicht eine Überprüfung der Auszählung angeordnet. Die Massendemonstrationen in den iranischen Städten zeigen sehr deutlich, dass sich das Volk den politischen Wandel wünscht. Warum sich nun der Uno-Sicherheitsrat mit der Situation in Iran befassen sollte? Weil ein Iran, das von interner politischer Gewalt gezeichnet ist, eine Gefahr für die gesamte Region wäre - wie natürlich auch für das iranische Volk selbst. Außerdem stellen die modernen Waffensysteme und das angereicherte Uranmaterial im Besitz Irans eine Gefahr für den Weltfrieden und die internationale Sicherheit dar, solange dieser Konflikt nicht gelöst ist. Es ist Aufgabe der Vereinten Nationen, Sie davon zu überzeugen, dass ein friedlicher Übergang möglich ist, sofern Sie dies nicht selbst erkennen. Letzten Endes ist es aber an den Iranern selbst, einschließlich derer im Exil, diesen Wandel voranzutreiben.

Exzellenz Chamenei - Sie wissen wie ich, dass es noch keiner Tyrannei gelungen ist, ein politisches System zu schaffen, dass von Dauer ist. Ihre Berater haben Sie in den vergangenen Jahren nicht richtig informiert; Sie sind blind gewesen und konnten nicht erkennen, was wirklich vorgeht in diesem Land. Die Wahrheit ist doch, dass die herrschende Klasse von den Menschen verachtet wird. Ihre Puppe, Ahmadinedschad, versucht, seine einfachen Botschaften unter das iranische Volk zu bringen; auch er wird verachtet. Wenn Sie auch weiterhin mit Gewalt gegen Ihr eigenes Volk regieren, dann haben Sie ganz offensichtlich nichts aus dem tragischen Ende des letzten Schahs von Persien gelernt.

Die Mütter meiner Verwandten, die Sie haben hinrichten lassen, werden Ihnen nie vergeben. Aber sie werden es Ihnen erlauben, sich friedlich zurückzuziehen - der Freiheit und dem Frieden ihrer Enkelkinder zuliebe. Die Zeit drängt jetzt für die Menschen im Iran - und auch für die internationale Gemeinschaft.

Ich wünsche Ihnen Weisheit und Frieden,

Gezeichnet

Afshin Ellian

Chronik
AFP
Im Zweiten Weltkrieg gilt der monarchische Staat Iran als Freund der Achsenmächte. Britische und sowjetische Truppen besetzen daher 1941 das Land. Resa Schah muss abdanken. Die Alliierten inthronisieren seinen Sohn Mohammed Resa . Wegen seiner proamerikanischen Reformpolitik gerät der Schah erstmals 1963 in die Kritik von Ajatollah Ruhollah Chomeini, einem damals hochrangigen religiösen Führer, den die Regierung ein Jahr später in die Türkei abschiebt. Chomeini geht schließlich in den Irak. Dort bleibt er 13 Jahre und entwickelt er das Staatsmodell des islamischen Staates. Mit seiner repressiven Politik und seinem dekadenten Herrschaftsstil bringt der Schah eine wachsende Opposition aus sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Schichten gegen sich auf.

Übersetzung: Olaf Kanter

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Ein schöner Brief, ja, sehr schön. Das Problem ist der Adressat - ein religiöser Fundamentalist. Wie soll so jemand mit Argumenten überzeugt werden? Jemand, der die ganze Wahrheit kennt und meint, mit Gottes Segen zu handeln. [...]
Ein schöner Brief, ja, sehr schön. Das Problem ist der Adressat - ein religiöser Fundamentalist. Wie soll so jemand mit Argumenten überzeugt werden? Jemand, der die ganze Wahrheit kennt und meint, mit Gottes Segen zu handeln. Chamenei gibt schließlich nicht nur vor, religiös zu sein. Er ist ein aufrechter Muslim. Er glaubt wirklich daran, das richtige zu tun. Die Erfahrung zeigt, dass religiösen Fanatiker für sachliche Argumente schlicht nicht zugänglich sind. Wieso sollten sie sich von irgendentwas überzeugen lassen? Sie kennen die Wahrheit doch bereits. Deshalb: Ein schöner Brief, der auch den Nutzen hat, den einen oder anderen Leser über historische Tatsachen aufzuklären. Mehr aber nicht.
G. Henning 18.06.2009
Hoffentlich erreicht der Brief den Adressaten.
Hoffentlich erreicht der Brief den Adressaten.
Hubert Rudnick 18.06.2009
---------------------------------------------------------- Man kann dazu nur sagen, beendet möglichst schnell die Diktaur der islamischen Religion und überlasst einen neugeschaffenen demokratischen Staat den Menschen. Über all [...]
Zitat von sysopEine Demokratie, in der Recht und Gesetz gelten - das muss die Zukunft Irans sein, schreibt Afshin Ellian in einem offenen Brief an Ajatollah Chamenei. Der Wissenschaftler appelliert an das religiöse Oberhaupt des Landes: Machen Sie den Weg frei für einen friedlichen Wandel nach dem Vorbild Südafrikas! http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,631232,00.html
---------------------------------------------------------- Man kann dazu nur sagen, beendet möglichst schnell die Diktaur der islamischen Religion und überlasst einen neugeschaffenen demokratischen Staat den Menschen. Über all in der Welt wo sich Religionen und Ideologien aufgemacht haben um über den Menschen zu stehen, da wird das Volk für unmündig gehalten und man beraubt ihnen ihre Menschenrechte. All diese Leute haben nur eines im Sinn und das ist jegliche bürgerliche und demokratische Spielregeln zu unterdrücken. Solche Leute suchen immer ihre Chance in Krisenzeiten und wollen so die Macht an sich reißen und zum Anfang geht auch ein sehr großer Teilö der Bevölkerung damit, denn man hatte gerade schreckliches mit anderen Diktatur durchmachen müssen und hofft nun, dass diese Führer es besser machen werden. Die Bevölkerung denkt nie gründlich dabei darüber nach, denn sie legen somit ihre Geschicke nur in den Händen anderer Diktatoren. Auch wenn sich nun in Iran ein anderer Mullahr auf macht und zum Schein offener erscheint, so ist er doch auch nur einer diser religiösen Leute und solche kann man nicht wieder das Volk anvertrauen. Hubert Rudnick
praise 18.06.2009
Und dann sollte er ihn auch lesen und verstehen. Und in sich gehen und Veränderungen wollen und durchziehen. Ich glaube es aber nicht.
Zitat von G. HenningHoffentlich erreicht der Brief den Adressaten.
Und dann sollte er ihn auch lesen und verstehen. Und in sich gehen und Veränderungen wollen und durchziehen. Ich glaube es aber nicht.
Salah ad-Din 18.06.2009
Die eigentlichen Adressaten solcher "offenen Briefe" sind doch gar nicht die offiziellen Empfänger, sondern diejenigen, welche im BCC-Feld stehen.
Zitat von Desmond Manchester II.Ein schöner Brief, ja, sehr schön. Das Problem ist der Adressat - ein religiöser Fundamentalist. Wie soll so jemand mit Argumenten überzeugt werden? Jemand, der die ganze Wahrheit kennt und meint, mit Gottes Segen zu handeln. Chamenei gibt schließlich nicht nur vor, religiös zu sein. Er ist ein aufrechter Muslim. Er glaubt wirklich daran, das richtige zu tun. Die Erfahrung zeigt, dass religiösen Fanatiker für sachliche Argumente schlicht nicht zugänglich sind. Wieso sollten sie sich von irgendentwas überzeugen lassen? Sie kennen die Wahrheit doch bereits. Deshalb: Ein schöner Brief, der auch den Nutzen hat, den einen oder anderen Leser über historische Tatsachen aufzuklären. Mehr aber nicht.
Die eigentlichen Adressaten solcher "offenen Briefe" sind doch gar nicht die offiziellen Empfänger, sondern diejenigen, welche im BCC-Feld stehen.
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