Prag - Der tschechische Präsident Vaclav Klaus hat die EU-Garantien an Irland als eine Veränderung des Reformvertrags von Lissabon kritisiert. Obwohl in dem Vertrag stehe, dass nicht alle EU-Länder einen eigenen Kommissarposten erhielten, werde ihnen plötzlich versprochen, dass sie nun doch einen bekommen sollten, zitierte der Online-Dienst "novinky.cz" den europakritischen Staatschef am Samstag. Jeder Erstklässler könne erkennen, dass dies eine Änderung sei. Klaus dürfte damit eine Debatte eröffnen, ob die Zusagen an Irland einen Neubeginn des Ratifizierungsprozesses bedeuten.
Erst kürzlich hatte Klaus erklärt, dass die EU-Garantien für Irland vom tschechischen Parlament gebilligt werden müssten. Dem hatte der tschechische Ministerpräsident und amtierende EU-Ratsvorsitzende Jan Fischer beim EU-Gipfel am Freitag in Brüssel widersprochen. Diese Garantien in Form eines Zusatzprotokolls änderten kein Komma an dem Vertrag, sagte Fischer. Mehrere EU-Länder wie Großbritannien und Schweden äußerten allerdings die Sorge, dass in einigen Staaten der bereits abgeschlossene Ratifizierungsprozess möglicherweise doch wieder aufgerollt werden müsse.
Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union hatten die Zusagen an Irland beschlossen, damit die Regierung in Dublin den vor einem Jahr in einem Referendum durchgefallenen Vertrag den Wählern im Herbst erneut zur Abstimmung vorlegen kann. Sie sicherten zu, dass der Vertrag nichts am Vetorecht eines Mitgliedslandes in der Steuerpolitik, der militärischen Neutralität Irlands und dem dort geltenden Abtreibungsverbot ändert. Auch wird jedes EU-Land einen Kommissarsposten behalten.
Klaus ist ein entschiedener Gegner des Lissabon-Vertrages, mit dem die EU ihre Arbeitsweise nach der Erweiterung auf inzwischen 27 Staaten verbessern will. Trotz der Zustimmung des tschechischen Parlaments weigerte er sich bislang, das Abkommen zu unterzeichnen.
Die Mehrheit der Bevölkerung teilt Klaus' euroskeptischen Kurs allerdings nicht. Bei den Wahlen zum Europaparlament hatten die Europa-Gegner Anfang Juni eine herbe Niederlage einstecken müssen. Die tschechische Gruppierung Libertas, die mit einem Trio bekannter Politiker angetreten war, erreichte weniger als ein Prozent der Wählerstimmen.
Gleichwohl versucht jetzt auch der Chef der tschechischen Demokratischen Bürgerpartei (ODS), Mirek Topolanek, der sich eben noch als tschechischer Regierungschef und Vorsitzender des EU-Rats als "Mann Brüssels" gegeben hat, seine Partei auf einen EU-skeptischen Kurs einzustimmen. Er will seine Partei auf der europapolitischen Ebene aus der Fraktion der Europäischen Volkspartei herauslösen und zusammen mit der polnischen Gruppierung Recht und Gerechtigkeit unter Führung von Jaroslaw Kaczynski sowie dem britischen Tory-Chef David Cameron eine neue, "eurorealistische" Fraktion im EU-Parlament gründen. Deren Ziel soll es sein, ein EU-Modell mit weniger weit gehender Integration zu präsentieren. Gespräche dazu sind bereits im Gang.
Am Samstag überreichte Tschechiens Europaminister Stefan Fule ein Fässchen Bier an eine Delegation der schwedischen Botschaft als symbolisches Zeichen für die Übergabe der EU-Ratspräsidentschaft. Man habe nach einem Symbol für die tschechische Präsidentschaft gesucht und halte das Bierfässchen für angemessen. Tschechien hat den weltweit höchsten Bierkonsum pro Kopf. Prag hat die EU-Ratspräsidentschaft noch bis Ende des Monats inne.
mik/Reuters/AFP
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Der Link funktioniert wieder, nur ist in dem betreffenden Text "European constitution" jetzt durchgestrichen(!). In dem unten stehenden YouTube Beitrag hat MEP Herr Farage (ab 8 Min. 30 Sek.) Bemerkenswertes über [...] mehr...
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