Mittwoch, 10. Februar 2010

Politik



Der Iran-Konflikt

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21.06.2009
 

Aufstand in Teheran

Tote und Verletzte bei Straßenschlachten - Iranische Führung attackiert Europäer

Die gewaltsamen Auseinandersetzungen in Teheran haben ihren Blutzoll gefordert. Nach Angaben des staatlichen Fernsehens starben mindestens zehn Menschen, mehr als hundert wurden verletzt. Die Regierung in Teheran geht auf Konfrontationskurs mit dem Westen.

Teheran - Die iranische Führung verschärft ihre Tonlage gegen die Europäer. Außenminister Manutschehr Mottaki sagte am Sonntag während eines Treffens von Diplomaten, Frankreich sei eine große Nation, die derzeit von "Zwergen" regiert werde. Die Politik Deutschlands, Großbritannien und der USA in der Region sei falsch. "Hier im Raum sitzen viele Vertreter von Staaten, die einst Giftgas [an den Irak, d. Red.] geliefert hatten, unter dessen Folgen Iraner seit 20 Jahre leiden."

Die britische Regierung habe überdies seit Jahren immer wieder versucht, Wahlen in Iran zu beeinflussen, erklärte Mottaki weiter. Auch im Vorfeld der gerade abgeschlossenen Wahl hätten Personen das Land bereist, die Verbindungen zum britischen Geheimdienst hätten, behauptet er.

Auf die Forderungen der Demonstranten nach einer Wiederholung der Präsidentenwahl ging er nur indirekt ein. Mottaki sagte, die Iraner hätten seit der Islamischen Revolution 1979 viel geopfert. "Wir haben Hunderttausende von Märtyrern und Verletzte gehabt, dieses Volk kann seine revolutionären Erfolge nicht einfach aufgeben", fügte er hinzu.

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Fotos laif, action press, AFP, AP, Flickr. com/ HO/ DPA
Der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani drohte sogar indirekt mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Die Äußerungen der drei europäischen Länder sowie der USA zur iranischen Präsidentenwahl seien eine "Schande", sagte Laridschani einem Bericht des staatlichen Rundfunks vom Sonntag zufolge. Er habe daher den Ausschuss für Außen- und Sicherheitspolitik aufgefordert, die Beziehungen zu den drei EU-Ländern zu überprüfen. Die USA hatten ihre Beziehungen zum Iran nach der Islamischen Revolution 1979 abgebrochen.

Trotz der blutigen Auseinandersetzungen bei den Protesten am Samstag soll es auch am Sonntag weitere Demonstrationen in Teheran geben. Die Oppositionellen wollen sich ab dem Nachmittag an verschiedenen Orten der Stadt versammeln, wie einer der Teilnehmer an den Kundgebungen der Nachrichtenagentur AFP sagte. Die Lage in der iranischen Hauptstadt war am Sonntagmorgen zunächst ruhig.

Am Samstag war die iranische Staatsmacht erneut mit aller Härte gegen die Protestierenden vorgegangen. Nach offiziellen Angaben kamen dabei mindestens zehn Menschen ums Leben, mehr als hundert wurden verletzt. Die Menschen seien bei Auseinandersetzungen zwischen Polizei und "Terroristen" getötet worden, berichtete der staatliche Sender Press-TV am Sonntag. Zunächst hieß es, es habe auch beim Brand einer Moschee, die Demonstranten nach Angaben des staatlichen Fernsehens bei den Protesten angezündet hatten, Tote gegeben. Die Angabe wurde später wieder zurückgezogen.

Laut CNN gibt es mindestens 19 Tote. Der arabische TV-Sender al-Dschasira meldete, in den vergangenen 24 Stunden habe es nicht nur in Teheran, sondern auch in Shiras und Isfahan Proteste und Zusammenstöße mit der Polizei gegeben.

Die Sicherheitskräfte gingen außerdem gegen Mitglieder der wichtigsten Exil-Oppositionsgruppe vor. Das iranische Geheimdienstministerium habe eine nicht genauer genannte Zahl von Mitgliedern der Volksmudschahidin festgenommen, die in Iran eingereist seien, um dort "Terrorakte" zu verüben, meldete die offizielle iranische Nachrichtenagentur Irna am Sonntag ohne Nennung einer Quelle. Die Festgenommenen seien im Lager Aschraf im Irak ausgebildet worden.

CHRONIK

Aufstieg von Mohammed Resa

Im Zweiten Weltkrieg gilt der monarchische Staat Iran als Freund der Achsenmächte. Britische und sowjetische Truppen besetzen daher 1941 das Land. Resa Schah muss abdanken. Die Alliierten inthronisieren seinen Sohn Mohammed Resa . Wegen seiner proamerikanischen Reformpolitik gerät der Schah erstmals 1963 in die Kritik von Ajatollah Ruhollah Chomeini, einem damals hochrangigen religiösen Führer, den die Regierung ein Jahr später in die Türkei abschiebt. Chomeini geht in den Irak. Dort entwickelt er das Staatsmodell des islamischen Staates. Mit seiner repressiven Politik und seinem dekadenten Herrschaftsstil bringt der Schah eine wachsende Opposition aus sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Schichten gegen sich auf.

Ajatollah Chomeini und die islamische Revolution

Phase der Islamisierung

Vom Reformer Chatami zum Hardliner Ahmadinedschad

Die Demonstranten in Teheran fordern eine Annullierung der Präsidentschaftswahl vom 12. Juni. Oppositionsführer Hossein Mussawi hat das Ergebnis angezweifelt und den Behörden Manipulationen vorgeworfen. Irans geistliches Oberhaupt, Ajatollah Ali Chamenei, hatte die Wiederwahl von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad am Freitag für rechtens erklärt und die Opposition in scharfer Form vor weiteren Protesten gewarnt.

Unterstützt wurden sie dabei auch von Zehntausenden Demonstranten, die am Samstag in mehreren europäischen Städten auf die Straße gingen. Allein 90.000 Teilnehmer bekundeten nach Angaben der Veranstalter auf einer Kundgebung der iranischen Oppositionsgruppe Nationaler Widerstandsrat bei Paris ihre Solidarität mit der Opposition im Iran. Busse hatten Teilnehmer aus ganz Europa auf das Messegelände des Pariser Vororts Villepinte gebracht. Auch Abgeordnete mehrerer Länder waren nach Angaben der Veranstalter gekommen.

Die Teilnehmer wollten "ein Ende der klerikalen Diktatur in Iran und sie wollen eine säkulare Demokratie", sagte ein Sprecher des Nationalrats, Aliresa Dschafarsadeh.

In Hamburg demonstrierten am Samstag 4000 Menschen gegen das amtliche Ergebnis der Präsidentenwahl in Iran, nach Polizeiangaben überwiegend Exil-Iraner.

REPUBLIK IRAN

Land

DPA
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.

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mik/Reuters/dpa/AFP

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