Rom - Die Aufforderung an Unternehmer, keine Anzeigen mehr in der "La Repubblica" zu schalten, hat ein juristisches Nachspiel. Der Mutterkonzern L'Espresso will Berlusconi deswegen gerichtlich belangen. Die Anwälte des Konzerns seien bereits eingeschaltet, teilte L'Espresso am Mittwoch mit. Daraufhin legte die Aktie des Medienkonzerns an der Mailänder Börse um fast neun Prozent zu.
Silvio Berlusconi: Wachsender Unmut bei den Konservativen
Auf die drohende Klage des Mutterhauses reagierte der 72-jährige Regierungschef gelassen. "Sie haben keine Angst sich lächerlich zu machen", sagte er der Nachrichtenagentur Ansa. Er bekräftigte, "man muss schon masochistisch veranlagt sein, um seine Werbung Medien anzuvertrauen, die solange von Krise reden, bis sie selbst zum Krisenfaktor werden."
In seinem Amt als Ministerpräsident ist Berlusconi Dank eines neuen Gesetzes vor strafrechtlicher Verfolgung geschützt.
Die Serie von Schmuddelgeschichten über den Ministerpräsidenten stößt in konservativen Kreisen auf wachsenden Unwillen. "Es muss Grenzen geben", schrieb jetzt das einflussreiche katholische Magazin "Famiglia Cristiana", das in Kirchen im ganzen Land verteilt wird. "Diese Grenzen des Anstands sind überschritten worden." Die Inhaber politischer Macht könnten nicht beanspruchen, "sich in einem ethikfreien Territorium zu befinden".
Der Skandal setzte bereits Ende Januar ein, als Berlusconis Frau Veronica Lario öffentlich eine Entschuldigung von ihrem Mann verlangte und danach auch ihre Absicht ankündigte, sich scheiden zu lassen. Damals ging es vor allem um die Teilnahme Berlusconis an einer Geburtstagsparty für ein 18-jähriges Mädchen.
ler/AFP/AP
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