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28.06.2009
 

Logbuch al-Qaida

Experten-Mekka Norwegen

Von Yassin Musharbash

Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, warum - aber einige der besten Ansätze zur Terrorforschung kommen ausgerechnet aus Norwegen. Als kleine Kostprobe heute ein Überblick über das Verhältnis von al-Qaida und den Taliban, Dschihadisten in Europa und die IJU.

Klar, auch Norwegen ist nach 9/11 von Anschlagsplanungen islamistisch motivierter Terroristen nicht völlig verschont geblieben. Und die Armee des Landes ist in Afghanistan Teil des Nato-Aufgebots.

Talib-Freund, Talib-Feind: Qaida-Chef Bin Laden
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DDP

Talib-Freund, Talib-Feind: Qaida-Chef Bin Laden

Vielleicht liegt es also daran, dass am FFI, dem Think Tank des norwegischen Verteidigungsministeriums, so ausgiebig zum Thema Dschihadismus geforscht wird.

Aber sicher bin ich nicht. Vielleicht gibt es ja auch eine norwegische Tradition, sich intensiv mit Terrorismus zu beschäftigen.

In jedem Fall sind die FFI-Studien, die in allen möglichen Formaten daherkommen - mal lang, mal kurz, heute mit historischem Schwerpunkt und dann wieder brandaktuell -, sehr oft wirklich interessant. Normalerweise empfiehlt sich eine gewisse Skepsis bei staatsnahen und insbesondere militärnahen Instituten. Aber die FFI-Leute sind schlicht gut.

Als kleine Illustration stelle ich hier mal drei aktuelle FFI-Studien vor, die sich mit wirklich spannenden Fragen beschäftigen.

Anne Stenerson geht in einem Paper zum Beispiel der Frage nach, wie es eigentlich um die Beziehungen zwischen al-Qaida und den Taliban bestellt ist. Meistens, auch in der Berichterstattung, werden die beiden Gruppen oft schon fast als Allianz betrachtet. Stenerson verneint denn auch nicht, dass insbesondere nach 9/11 eine deutliche Annäherung stattgefunden hat. Aber sie kann auch überzeugend erklären, warum sie bei der These bleibt, dass es "noch immer fundamentale Unterschiede zwischen ihnen gibt, wenn es darum geht, warum sie kämpfen und was sie zu tun planen, wenn der gegenwärtige Kampf gegen die ausländischen Truppen in Afghanistan gewonnen sein wird."

Taliban und al-Qaida: Eine "Vernunftehe"

Stenerson beschreibt dabei auch die verzwickte Vorgeschichte dieser "Vernunftehe", in der Taliban und al-Qaida sich jahrelang zunächst skeptisch beäugten, bevor sie - dank der US-Luftangriffe 1998 und dann der Nato-Invasion 2001 - plötzlich denselben Feind vor der Nase hatten. Der Hauptunterschied zwischen den Gruppierungen, so zeigt Stenerson, ist dabei, dass die Taliban eigentlich gar keine Ambitionen hegen, die über Afghanistan hinausgehen - ganz im Gegensatz zu Bin Ladens Leuten.

Peter Nesser beschäftigt sich derweil mit "der Suche nach einer dschihadistischen Identität in Europa" - ein Papier, das deswegen interessant ist, weil der Autor einem ideologischen Dilemma nachsteigt, dass den meisten Beobachtern gar nicht geläufig ist - dass nämlich Dschihadisten in Europa zunächst einmal eine religiöse Rechtfertigung finden müssen.

Erratische Ideologie

Er zeichnet etwa nach, wie einige der einflussreichsten Qaida-nahen Prediger in Europa lange Zeit erklärten, Terror gegen die Bürger des Landes, in dem sie lebten, sei nicht erlaubt. Ein Hebel, den Ideologen gefunden haben, um einige der entsprechenden Argumente zu entkräften, sind Vorfälle wie der Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen.

Einar Wigen schließlich wirft einen Blick auf die Islamische Dschihad (IJU) - jene ursprünglich usbekische Organisationen, in deren Auftrag die "Sauerland-Zelle", deren Mitglieder gerade Geständnisse ablegen, Bombenanschläge in Deutschland geplant haben sollen.

Das meiste, was Wigen zusammengetragen hat, ist nicht neu - aber seine Diskussion der Frage, ob die IJU eine Art Rekrutierungswerkzeug des Globalen Dschihadismus für türkische und turksprachige Militante werden könnte, verdient Aufmerksamkeit, ebenso wie seine Auswertung des ideologisch höchst erratischen Inhalts der IJU-nahen Websites. (Das einzige, was stört: Wigen spricht durchgehend von der "Saarland-Zelle". Aber diesen Fehler machen auch einige andere Terroranalysten.)

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