Teheran - Die diplomatischen Spannungen zwischen Iran und dem Westen nehmen zu. Das geistliche Oberhaupt Irans, Ajatollah Ali Chamenei, hat in besonders scharfer Form die Äußerungen westlicher Politiker zu den Protesten in seinem Land zurückgewiesen. "Einige europäische und amerikanische Verantwortliche mit ihren idiotischen Bemerkungen über den Iran reden so, als seien all ihre eigenen Probleme bewältigt und als ob Iran für sie das einzige Thema wäre", sagte Chamenei.
Polizisten vor der britischen Botschaft in Teheran, Passantin
Die Außenminister der G-8-Staaten hatten bei ihrem Treffen im italienischen Triest ein Ende der Gewalt in Iran verlangt und die Führung in Teheran aufgefordert, bei den Protesten gegen die umstrittene Präsidentschaftswahl vom 12. Juni das Recht auf Meinungsfreiheit zu respektieren. Großbritanniens Außenminister David Miliband, dessen Land derzeit von Teheran besonders scharf angegriffen wird, hatte von einer "Krise der Glaubwürdigkeit" für die iranische Führung gesprochen.
Ungeachtet der scharfen Kritik Irans an vermeintlichen Einmischungen in innere Angelegenheiten des Landes hat die Europäische Union Teheran aufgefordert, die festgenommenen Mitarbeiter der britischen Botschaft sofort freizulassen. "Wir rufen die iranischen Behörden auf, die Festgenommenen zu schützen", sagte der tschechische Außenminister Jan Kohout vor Journalisten auf der griechischen Insel Korfu.
Die EU habe den iranischen Behörden klargemacht, dass eine Fortsetzung der Einschüchterung ausländischer und iranischer Botschaftsmitarbeiter zu einer harten Reaktion führen werde, hieß es weiter in der Erklärung der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft.
Nach unterschiedlichen Berichten wurden neun oder zehn einheimische Mitarbeiter der britischen Botschaft in Teheran verhaftet, weil sie angeblich in die Proteste der Opposition verwickelt gewesen sein sollen.
Erneute Proteste in Teheran
Die Vorwürfe Irans, die britische Botschaft in Teheran sei in die Proteste gegen den Wahlausgang verwickelt, "entbehren jeder Grundlage", sagte Miliband auf Korfu. Einige der verhafteten Botschaftsmitarbeiter seien kurz nach ihrer Festnahme wieder freigelassen worden, einige seien aber nach wie vor in Haft. Es sei unklar, um wie viele es sich dabei handle. Man wolle diese Mitarbeiter "in Freiheit, unversehrt und wieder bei der Arbeit" sehen, so Miliband. Er betonte zudem, es gebe einen europaweiten Konsens darüber, dass "alle europäischen Länder gemeinsam für die Aufrechterhaltung demokratischer Prinzipien überall auf der Welt eintreten".
Sowohl staatlich kontrollierte TV-Sender als auch die halb-offizielle Nachrichtenagentur Fars hatten zuvor berichtet, acht einheimische Botschaftsangehörige seien im Zusammenhang mit ihrer angeblichen Rolle bei den Protesten gegen den Wahlausgang verhaftet worden. Auch der englischsprachige staatliche Fernsehkanal "Press TV" berichtete, die Acht seien wegen ihrer "bedeutsamen Rolle" bei den Protesten verhaftet worden. Bei Fars hieß es, die Gruppe habe "eine aktive Rolle bei der Provokation von Unruhen" gespielt.
In Teheran haben sich unterdessen trotz eines Verbots am Sonntag nach Angaben von Augenzeugen rund dreitausend Menschen in Teheran zu einer Trauerfeier versammelt. Die Menschen seien zu einer Moschee im Zentrum der iranischen Hauptstadt gekommen, um dort der Opfer der Zusammenstöße bei den Protesten gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad zu gedenken.
Nach Augenzeugenberichten sei es dabei wieder zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Die Polizei setzte den Angaben zufolge Tränengas gegen die Anhänger von Oppositionsführer Hossein Mussawi ein. Mindestens 25 Menschen sind seit Beginn der Proteste ums Leben gekommen.
Menschenrechtler: 2000 Verhaftungen
Derweil werden immer grausamere Einzelheiten über Aktionen der berüchtigten Basidsch-Milizen bekannt, die als regimetreu und brutal gelten. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisationen Amnesty International verschleppen sie verletzte Teilnehmer von Protestkundgebungen aus Teheraner Krankenhäusern. Nach anderen Augenzeugenberichten terrorisieren sie die Menschen auch bei nächtlichen Razzien. Ziel seien Bewohner, die - wie in Zeiten der Islamischen Revolution vor 30 Jahren - nachts von den Dächern ihrer Häuser Slogans wie "Gott ist groß" und "Tod dem Diktator" rufen. Wie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch auf ihrer Webseite berichtete, verschaffen sich die Paramilitärs gewaltsam Zugang zu den Häusern, schlagen die Bewohner zusammen und feuern Schüsse in die Luft ab.
Nach Angaben von Menschenrechtlern sind derzeit in Iran zweitausend Menschen wegen der Proteste in Haft. Hunderte würden zudem vermisst, erklärte die Internationale Föderation der Menschenrechtsligen (FIDH) am Sonntag in Paris. Der Vize-Präsident der FIDH, Karim Lahidschi, der zugleich Präsident der iranischen Liga zur Verteidigung der Menschenrechte ist, berief sich dabei auf "unabhängige Informationen" vor allem aus den betroffenen Familien.
beb/AFP/dpa
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