Teheran - Die Neuauszählung der Stimmen in Iran endet so, wie es die Opposition befürchtet hat. Das iranische Staatsfernsehen hat den Sieg von Mahmud Ahmadinedschad bei den umstrittenen Präsidentschaftswahlen unverändert bestätigt. In einem Schreiben an das Innenministerium erklärte der Sprecher des Wächterrats, Ajatollah Ahmed Dschannati, dass bei der Neuauszählung "keine größeren Unregelmäßigkeiten" der Abstimmung sowie der Stimmauswertung festgestellt worden seien. Daher sei das Wahlergebnis offiziell.
Der Wächterrat hatte am Morgen mit der erneuten Auszählung der Stimmen aus zehn Prozent der Wahlurnen begonnen. Die unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Hossein Mussawi und Mahdi Karrubi lehnten die Prozedur ab. Mussawi fordert stattdessen Neuwahlen, was der Wächterrat aber bereits ablehnte. Auch letzte Einigungsbemühungen zwischen Mussawi und dem Wächterrat blieben am Montagmorgen ohne Ergebnis. Nach offiziellen Angaben war Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei der Wahl am 12. Juni mit einer deutlichen Mehrheit von 63 Prozent im Amt bestätigt worden.
Im Streit mit Großbritannien bemühte sich Iran nach der Eskalation vom Wochenende um versöhnlichere Gesten. Fünf einheimische Botschaftsmitarbeiter wurden freigelassen, vier weitere blieben zunächst in Haft, wie Teheran und London übereinstimmend mitteilten. Der britische Premierminister Gordon Brown forderte die Freilassung aller festgenommenen Botschaftsmitarbeiter. Das iranische Verhalten sei nicht hinnehmbar, sagte Brown in London. "Irans Vorgehen, zuerst die Ausweisung von zwei Diplomaten und jetzt die Festnahme mehrerer örtlicher Mitarbeiter, ist inakzeptabel, ungerechtfertigt und unbegründet."
Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin sagte, Deutschland stehe wegen des Vorfalls in beinahe stündlichem Kontakt mit London. Es sei vereinbart, sich in EU-Kreisen eng abzustimmen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte in London, die EU werde auf "Einschüchterung und Schikane" eine "starke gemeinsame Antwort" geben. Die Beziehungen zwischen Iran und Großbritannien haben sich seit Beginn der Demonstrationen erheblich verschlechtert. Teheran wirft Großbritannien vor, die Proteste gegen die Wahlergebnisse anzuheizen.
Im Fall der getöteten Studentin Neda will Ahmadinedschad nun eine eigene Untersuchung. In einem Brief bat er Irans Justizchef Ajatollah Mahmud Haschemi Schahrudi, den Mord zu untersuchen und die Verantwortlichen zu finden und zu verurteilen. Ahmadinedschad verwies zur Begründung auf die "vielen erfundenen Berichte und die weitverbreitete Propaganda ausländischer Medien" über diesen "herzzerreißenden Zwischenfall".

beb/AFP/dpa
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