Teheran - Der Druck der Europäischen Union beeindruckt Iran nicht: Am Donnerstag drohte die EU mit diplomatischen Konsequenzen, sollte Teheran nicht alle festgenommenen Mitarbeiter der britischen Botschaft freilassen - doch die Reaktion der iranischen Führung deutet sogar auf eine Bereitschaft zur Eskalation hin. Ahmed Dschannati, Vorsitzender des einflussreichen Wächterrates, gab am Freitag bekannt: Einigen der festgenommenen Botschaftsmitarbeitern soll der Prozess gemacht werden. "Natürlich werden sie vor Gericht gestellt, sie haben gestanden", sagte Dschannati.
Teheran wirft ihnen eine "bedeutende Rolle" bei den Unruhen nach der umstrittenen Präsidentenwahl am 12. Juni vor. Dschannati sagte nicht, wie viele der einheimischen Botschaftsmitarbeiter vor Gericht gestellt werden. Nach Angaben der britischen Regierung wurden inzwischen sieben von zunächst neun am Wochenende festgenommenen Mitarbeitern wieder freigelassen.
Iranische Behördenvertreter hatten erklärt, bis auf einen seien alle acht Botschaftsmitarbeiter wieder auf freiem Fuß.
Beim Freitagsgebet sagte Dschannati, dass Feinde Irans eine "samtene Revolution" in der Iranischen Republik geplant hätten. So hätte das britische Außenministerium im März gesagt, dass bei der iranischen Präsidentschaftswahl Straßenkämpfe denkbar seien. Diejenigen, die in die Proteste der vergangenen Wochen verwickelt seien, müssten Buße üben und Gott um Vergebung bitten.
London weist die Vorwürfe Teherans gegen die einheimischen Mitarbeiter der britischen Botschaft als unbegründet zurück. Die britische Regierung zeigte sich zudem "sehr besorgt" über die Pläne Teherans und versuchte, von der iranischen Regierung eine Bestätigung zu bekommen, wie ein Downing-Street-Sprecher am Freitag sagte. Regierungsvertreter stünden in Kontakt mit Mitarbeitern der iranischen Botschaft in London und mit Mitgliedern der iranischen Regierung. Die Vorwürfe, wonach die Botschaftsmitarbeiter daran beteiligt gewesen seien sollen, Unruhe zu stiften, entbehrten jeder Grundlage.
Die EU-Länder erwägen wegen des gewaltsamen Vorgehens gegen Demonstranten in Teheran diplomatische Schritte gegen Iran. Aus Protest gegen die Festnahme der britischen Botschaftsangehörigen bestellt die EU alle Gesandten Teherans ein. Großbritannien hatte vorgeschlagen, vorübergehend alle EU-Botschafter aus Teheran abzuziehen. Dies war aber laut einem Diplomaten nicht konsensfähig.
Die EU-Außenminister hatten am vergangenen Wochenende scharf dagegen protestiert, dass die Regierung in Teheran ausländische Diplomaten einschüchtere und eine "entschiedene gemeinsame Antwort" darauf angekündigt.
Die Anhänger der Opposition in Iran protestieren gegen den von ihnen vermuteten Betrug bei der Wiederwahl des amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Die Regierung hat das zurückgewiesen.
hen/dpa/Reuters
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