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10.07.2009
 

G-8-Gipfel

Obama stellt Milliarden-Initiative gegen Hunger vor

Weniger direkte Nahrungsmittelhilfen, mehr Unterstützung für die eigene Produktion: Die G-8-Länder wollen mit einem milliardenschweren Programm den Kampf gegen den Hunger aufnehmen. Wie das funktionieren soll, will US-Präsident Obama erläutern. Doch Hilfsorganisationen sind skeptisch.

L'Aquila - Im Kampf gegen den Hunger in der Welt wird die geplante Vorstellung eines milliardenschweren internationalen Hilfsplans durch US-Präsident Barack Obama mit Spannung erwartet. Nach Angaben des Chefs des Internationalen Agrar-Entwicklungsfonds (IFAD) der Vereinten Nationen, Kanayo Nwanze, rechnen Experten damit, dass Obama die Initiative mit einem Volumen von 15 Milliarden Dollar (rund 10,7 Milliarden Euro) am Freitag zum Abschluss des G-8-Gipfels im italienischen L'Aquila bekanntgeben würde. Mit dem auf drei Jahre angelegten Hilfsprogramm sollen demnach Investitionen in die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern angekurbelt werden, um so langfristig die Nahrungsversorgung zu sichern.

US-Präsident Obama beim G-8-Gipfel: Milliardenplan gegen HungerZur Großansicht
AFP

US-Präsident Obama beim G-8-Gipfel: Milliardenplan gegen Hunger

Nwanze betonte, mit dem Programm verschiebe sich der Schwerpunkt von der reinen Lebensmittelhilfe hin zu Hilfen, die es den betroffenen Ländern ermöglichten, selbst für sich zu sorgen. Zugleich drängte er darauf, dass es bei der Initiative um Taten und nicht nur um "Versprechungen" gehen müsse.

Nwanze zufolge wollen die USA rund 3,5 Milliarden Dollar bereitstellen. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy kündigte einen Beitrag seines Landes in Höhe von rund zwei Milliarden Dollar an. Japan stellte zwischen drei und vier Milliarden Dollar in Aussicht. Vergangenes Jahr hatten in zahlreichen Ländern der Welt Rekordpreise für Nahrungsmittel zu Protesten gegen die in die Höhe schnellenden Preise und regelrechten Hungeraufständen geführt.

Die Hilfsorganisation Oxfam kritisierte bereits am Donnerstag, die sieben führenden Industrienationen und Russland (G8) böten den hungernden Menschen in der Welt "nichts als lauwarme Versprechen". 15 Milliarden Dollar hörten sich zwar nach viel an, es handle sich aber dabei nicht um zusätzliche Hilfen, bemängelte Jörn Kalinski von Oxfam Deutschland.

An den abschließenden Gesprächen in L'Aquila nehmen auch die Staats- und Regierungschefs von Schwellenländern und zahlreichen afrikanischen Staaten teil, darunter Libyens Präsident Muammar al-Gaddafi. Schon am Donnerstagabend gab es ein "historisches Shakehands", als US- Präsident Barack Obama dem libyschen Revolutionsführer die Hand gab.

Die armen Länder, insbesondere in Afrika, leiden massiv unter der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Laut Welternährungsorganisation überschreitet die Zahl der Hungernden aufgrund der Krise in diesem Jahr erstmals die Milliarden-Schwelle.

Im Bereich der Entwicklungshilfe wollen die G-8-Staaten künftig regelmäßig selbst überprüfen, ob sie ihre 2005 im schottischen Gleneagles gemachten Versprechen einhalten - etwa das, die Entwicklungshilfe für Afrika bis 2010 um 25 Milliarden Dollar pro Jahr zu erhöhen. Bereits am Mittwoch hatten die G-8-Staats- und Regierungschefs ihr Ziel bekräftigt, bis 2015 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen.

Militärschlag Israels gegen Iran "absolute Katastrophe"

An den ersten beiden Gipfeltagen hatten die G-8-Chefs Handlungsfähigkeit demonstriert: Dem Iran drohten sie wegen des Atomprogramms ultimativ mit Sanktionen, beim lange vernachlässigten Klimaschutz übernahmen sie erstmals eine Führungsrolle. Auch aufstrebende Schwellenländer wie Indien und China schlossen sich bei den Gipfel-Verhandlungen am Donnerstag dem ambitionierten G-8-Ziel an, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, um den Klimawandel aufzuhalten.

US-Präsident Barack Obama kündigte an, im März 2010 einen Atomgipfel in Washington einzuberufen, um Maßnahmen im Kampf gegen den Nuklearwaffen-Schmuggel voranzubringen.

Im Konflikt um das iranische Atomprogramm warnte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy Israel vor einem eventuellen militärischen Alleingang. Ein israelischer Militärschlag gegen die Atomanlagen in Iran wäre die "absolute Katastrophe".

ffr/AFP/dpa

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