Berlin/Teheran - Die Bundesregierung hat neue Vorwürfe der iranischen Führung wegen der Ermordung einer Ägypterin in einem Gerichtssaal in Dresden "mit aller Schärfe" zurückgewiesen. Die Behauptung, die 31-Jährige sei im Auftrag oder mit Billigung der Bundesregierung getötet worden, sei "absurd", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Mittwoch in Berlin. "Wer solcherlei Rede führt, disqualifiziert sich selbst." Die stellvertretende Präsidentin Sahra Sadschadi hatte zuvor in Teheran behauptet, Marwa al-Scherbini sei im Auftrag der Bundesregierung ermordet worden. Der in Dresden wegen Mordes verhaftete Täter, ein 28-jähriger Russlanddeutscher, hüllt sich weiter in Schweigen.
Regierungssprecher Steg reagierte auf Äußerungen von Sadschadi, die der iranischen Nachrichtenagentur Fars gesagt hatte: "Der Mörder hat ohne weiteres den Gerichtssaal mit einer Waffe betreten, daher sollten wir davon ausgehen, dass er im Auftrag der Bundesregierung gehandelt hat."
Zuvor hatte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad die Vereinten Nationen aufgefordert, Sanktionen gegen Deutschland zu verhängen. Nachdem Ahmadinedschad die Tat als Beispiel der angeblichen Brutalität der deutschen Justiz verurteilt hatte, demonstrierten am Mittwoch erneut etliche Iranerinnen vor der deutschen Botschaft in Teheran. Schon am Dienstag hatten sich erneut Hunderte von regimetreuen Frauengruppen vor der deutschen Botschaft in Teheran versammelt und mit Rufen wie "Nieder mit Deutschland" gegen die Bundesregierung demonstriert. Das Verbrechen löste in den vergangenen Tagen auch zahlreiche Proteste in der islamischen Welt aus.
Die schwangere Ägypterin, die ein islamisches Kopftuch trug, war am 1. Juli während eines Berufungsprozesses im Landgericht Dresden angegriffen und mit mindestens 18 Messerstichen getötet worden. Der 32 Jahre alte Ehemann der Frau wurde schwer verletzt, als er ihr zur Hilfe kommen wollte. Die Tat geschah vor den Augen ihres dreijährigen Sohnes.
In dem Prozess ging es um Beleidigung. Der Täter hatte die Frau Mitte 2008 auf einem Spielplatz als "Islamistin", "Terroristin" und "Schlampe" beschimpft. Die Apothekerin hatte daraufhin Anzeige erstattet.
Der Täter sitzt nun in Untersuchungshaft. Dessen Ausländerfeindlichkeit sei durch seinen Auftritt vor dem Amtsgericht Ende 2008 belegt, sagte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius in Dresden. Hinweise auf Kontakte oder Zugehörigkeit des Mannes zur rechten Szene gebe es bisher aber nicht. Das in der Wohnung des Täters sichergestellte Material werde noch ausgewertet. Der Mann habe sich noch nicht geäußert. Über den 1981 in Perm am Ural geborenen und seit 2003 in Deutschland lebenden Lagerarbeiter werde ein psychiatrisches Gutachten erstellt. Der Mann habe Hartz IV bezogen und gelegentlich für eine Zeitarbeitsfirma gearbeitet.
ffr/dpa/AP
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