Sonntag, 22. November 2009

Politik



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16.07.2009
 

Hillary Clinton

Der verstummte Star

Von Gregor Peter Schmitz, Washington

Sie sollte die starke Frau in Barack Obamas Kabinett werden, stattdessen erntet Hillary Clinton Spott als schwache Außenministerin. Mit einer Grundsatzrede versuchte sie einen Neuanfang - und wurde vom Weißen Haus eiskalt ausgekontert. Dabei fand sie gerade für die Europäer klare Worte.

Ihr Hosenanzug leuchtet in sattem Blau, das Podium steht im "Council on Foreign Relations", einer der feinsten Adressen der US-Hauptstadt, die Sitzordnung ist präzise durchdacht wie bei einer Wahlkampfveranstaltung.

US-Außenministerin Clinton: Kaum jemand sieht und hört sie
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REUTERS

US-Außenministerin Clinton: Kaum jemand sieht und hört sie

Akademiker warten im Publikum, Mediengrößen, globale Geschäftsleute, die außenpolitische Elite in Washington. Doch ganz vorne in Clintons Nähe müssen amtierende Top-Diplomaten und US-Sonderbeauftragte Platz nehmen, offiziell ihre Untergebenen. Aber sie haben der Außenministerin in den vergangenen Monaten oft die Schau gestohlen. Richard Holbrooke etwa, zuständig für Pakistan und Afghanistan, ein Hüne in Gestalt und Ego. Nun schaut er brav zu Clinton auf wie ein Schuljunge. Jemand will wissen, ob auch diese Mitarbeiter eine Frage stellen dürften, Clinton lacht spitz und sagt: "Das sollten sie besser nicht."

Heute soll nur die "Madam Secretary" sprechen, eine Rede halten. Ach was, nicht einfach eine Rede. Die Rede. Sechs Monate ist Clinton im Amt, höchste Zeit für eine Grundsatzansprache. "Sie will ihre außenpolitische Vision darlegen", verspricht ihre Sprecherin. Zu erwarten sei nichts Geringeres als eine Rahmenordnung für Obamas globalen Kurs.

Oder eher eine Rede, um ihren Kurswert in der Regierung zu erhöhen? Schon zeichnen die US-Medien sie als schwache Außenministerin. Sie rechnen vor, auf wie vielen wichtigen Auslandsreisen des Präsidenten Clinton zu Hause bleiben musste. Wie Botschafterposten von Europa bis Asien reihenweise an Obama-Großspender gingen statt an ihre Vertrauten. Wie Clinton erst wieder im Medien-Rampenlicht stand, als sie sich ihren Ellenbogen brach.

"Es wird Zeit, dass Clinton die Burka abnehmen darf", höhnt Tina Brown, Starkolumnistin der Internetseite "The Daily Beast". Die Ex-Rivalin werde vom Präsidenten ja wie eine saudische Ehefrau gehalten.

"Es ist ein bisschen wie mein Ellenbogen, es wird jeden Tag besser", sagt Clinton nun vor dem "Council on Foreign Relations". Sie meint die US-Außenpolitik, natürlich. Doch vielleicht soll das auch ihre Hoffnung auf eine bessere Rolle ausdrücken.

Sie bewirbt sich darum: Leichtfüßig schlägt Clinton 34 Minuten lang den ganz großen Bogen, von Iran, dem Kampf gegen Massenvernichtungswaffen, dem Dialog mit der arabischen Welt, mehr Entwicklungshilfe und "smart power" - Amerika soll seine Macht entschlossen einsetzen, doch auch vernünftig und gewinnend, im Konzert mit Partnern. "Wir brauchen ein neues Denken, wie die USA ihre Macht nutzen kann", resümiert die Außenministerin.

Es ist ein regelrechtes außenpolitisches Manifest, perfekt vorgetragen. Wenn der Präsident vorne stünde, er könnte es nicht besser.

Es gibt nur einen Schönheitsfehler: Kaum jemand sieht und hört Clinton.

Wer sich in der Stunde ihrer Rede durch die US-Kabelkanäle klickt, sieht Live-Bilder von einer Pressekonferenz zum Mord an einem Ehepaar mit 17 Kindern. Von der designierten Obersten Richterin Sonia Sotomayor, die sich vor dem US-Senat erklären muss. Schlimmer noch: Von Präsident Obama, der fast zeitgleich mit Clinton vor die Kameras tritt. Er hat just in dem Moment festgestellt, dass ja seine Gesundheitsreform stockt, er spricht mit Krankenschwestern im Rücken im Rosengarten des Weißen Hauses.

Die TV-Sender übertragen ihn live: Obama statt Clinton. Ein paar Minuten lang ist es fast wieder wie im bitteren Vorwahlkampf, als die beiden Rivalen an Abstimmungsabenden um den ersten Fernsehauftritt wetteiferten.

Die Rede des Präsidenten ist kurzfristig anberaumt worden. So was müsse doch abgesprochen werden, mäkelt ein Washington-Insider. Vielleicht war es aber auch volle Absicht. "Obama gewinnt den TV-Krieg mit Clinton", schreiben die "New York Daily News".

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