ThemaIran-KonfliktRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
17.07.2009
 

Unruhen in Iran

Polizei setzt Tränengas gegen Regimegegner ein

"Tod dem Diktator" und "Ahmadinedschad, tritt zurück": Irans Hauptstadt wird erneut von Unruhen erschüttert. Nach dem Freitagsgebet von Ex-Präsident Rafsandschani liefert sich die Opposition Straßenschlachten mit der Polizei.

Teheran - Mit neuer Kraft hat sich die iranische Oppositionsbewegung zurückgemeldet: Zum Freitagsgebet mit dem einflussreichen regierungskritischen Kleriker Ali Akbar Haschemi Rafsandschani versammelten sich Hunderttausende Oppositionelle in der Umgebung der Universität, berichteten Augenzeugen. Darunter waren auch viele Anhänger des bei der umstrittenen Wahl am 12. Juni unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Hossein Mussawi.

Die Polizei setzte nach Angaben von Augenzeugen massiv Tränengas gegen die Oppositionellen vor der Universität ein. Mehrere Demonstranten seien dort festgenommen worden. In anderen Berichten war sogar von Straßenkämpfen nahe der Hochschule die Rede. Bei den Kundgebungen weiter entfernt von der Universität griff die Polizei demnach nicht ein.

Zahlreiche Demonstranten skandierten an die Adresse des amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad gewandt: "Tod dem Diktator!" oder "Ahmadinedschad, tritt zurück!" Entlang der großen Kargar-Straße trugen Hunderte Demonstranten ein riesiges grünes Tuch als Zeichen ihrer Unterstützung für Mussawi.

Die Freitagspredigt in der Universität von Teheran war erstmals seit zwei Monaten von Rafsandschani, dem Ex-Präsidenten und Unterstützer Mussawis, gehalten worden. Dabei forderte er unter anderem die Freilassung aller politischen Gefangenen, die bei Protesten gegen die umstrittene Präsidentschaftswahl festgenommen worden waren.

Nur einige tausend Zuhörer erreichten aber den Eingang zur Universität, wo Rafsandschani auftrat. Im Umkreis von drei Kilometern war das Areal von einer Menschenmenge umgeben, berichteten Augenzeugen. Ein Großaufgebot von Polizei und Freiwilligen-Milizen riegelte das Gelände der Universität hermetisch ab.

Rafsandschani hatte seine Predigt mit einem Aufruf an die Anhänger Mussawis begonnen, die friedliche Atmosphäre des Freitagsgebets nicht durch Slogans gegen die Regierung zu stören. "Lasst uns die Gelegenheit nutzen, eine bessere Zukunft für unser Land zu schaffen, und die Probleme zu lösen, sagte Rafsandschani. Er rief die Regierung dazu auf, festgenommene Oppositionelle freizulassen. Der erste Teil eines Freitagsgebets ist traditionell religiös geprägt, Koranverse werden rezitiert. Den zweiten Teil bestimmen soziale und politische Themen.

Rafsandschani rief auch zu einer offenen Debatte über die umstrittene Wahl auf. Es gebe eine Krise in Iran, sagte Rafsandschani in seinem Freitagsgebet, das vom staatlichen iranischen Fernsehen nicht übertragen wurde. Er warf der iranischen Führung vor, nicht genügend Toleranz für das eigene Volk zu haben.

Hossein Mussawi hatte die Wahl gegen den erzkonservativen Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad nach offiziellen Angaben klar verloren. Der Unterlegene zweifelt das Ergebnis an und wirft der Regierung Wahlfälschung vor. Bei den Demonstrationen nach dem 12. Juni waren in Teheran und anderen Städten mindestens 20 Demonstranten getötet worden. Anwälte berichten dagegen von mehr als 300 Toten .

als/dpa/AFP/AP

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 4111 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
27.09.2009 von sayada.b.:

http://www.tagesschau.de/ausland/iranatom110.html Diplomatie contra Idiotie??? http://www.tagesschau.de/ausland/iranatom114.html Wer ist schneller, der Iran oder der Westen? Nun, und wer ist letzten Endes erfolgreicher? [...] mehr...

26.09.2009 von Farhad Vakof:

Oder Niemand soll so naiv sein und glauben, die US Marine Stünde im Persischen Golf, um die moslemischen Minderheit zu beseitigen. Entweder wissen wir was die Weltmacht heisst und wie sie zustande gekommen ist und was für [...] mehr...

26.09.2009 von sayada.b.: Wo soll das enden???

http://www.tagesschau.de/ausland/iranatom108.html mehr...

26.09.2009 von Panslawist:

Der Iran ist der stärkste Repräsentant einer moslemischen Minderheit, die seit Jahrhunderten unter ständigen Angriffen und Verschwörungen des verbrecherischen Saudi-Arabiens leben musste und das wird sich bald ändern. Niemand [...] mehr...

26.09.2009 von Farhad Vakof:

Sehr Geehrter Herr Ernst August, guten Morgen! Danke für Ihr Posting und Aufmerksamkeit. Seit 30 Jahren versucht das Regime im Iran Israel und USA, Westen, Schahsregime... zu nutzen,damit sich selbst und ihre Taten [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Iran-Konflikt

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP