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22.07.2009
 

Umfrage

Obamas Ansehen bei US-Bürgern schwindet

Ärger mit der Gesundheitsreform, die schwelende Finanzkrise und die explodierende Staatsverschuldung: Die Realität hat Barack Obama ein halbes Jahr nach seinem umjubelten Amtsantritt eingeholt. Und auch bei den US-Bürgern macht sich Ernüchterung breit - wie eine aktuelle Umfrage verdeutlicht.

Washington - Die Euphorie über Barack Obama in den USA geht zurück: Rund sechs Monate nach seinem Beginn als US-Präsident schwindet die Begeisterung über seine Politik, die mit so viel Hoffnung verbunden war. Eine Mehrheit der Amerikaner ist laut einer am Dienstag veröffentlichten AP-GfK-Umfrage wieder der Ansicht, dass sich Amerika auf einem falschen Kurs befinden. 54 Prozent der Befragten vertreten diese Meinung. Im Monat davor waren es nur 46 Prozent gewesen.

Obama: Die Euphorie der Amerikaner lässt nachZur Großansicht
AFP

Obama: Die Euphorie der Amerikaner lässt nach

Auch die allgemeine Zufriedenheit mit dem Präsidenten hat in den vergangenen Monaten abgenommen. Zwar sind laut der Umfrage immer noch 55 Prozent der Befragten mit der Leistung Obamas zufrieden, aber die Zweifel an der Umsetzung seiner wichtigsten politischen Ziele wachsen.

Der Wert von 55 Prozent liegt dabei immer noch über dem von Bill Clinton nach dessen ersten sechs Monaten im Amt und etwa gleichauf mit dem von Obamas direktem Vorgänger George W. Bush zur gleichen Zeit.

Obama reagiert gelassen

Vor allem Obamas Wirtschafts- und Gesundheitspolitik werden zunehmend skeptisch beurteilt. Der Anteil der US-Bürger, die glauben, der neue Präsident könne die wirtschaftliche Situation verbessern, ist um 19 Prozent gesunken - von anfangs 80 auf jetzt 61. Nur noch zwei Drittel der Befragten denken, Obama verstehe die Sorgen der einfachen Amerikaner - zu Beginn seiner Amtszeit glaubten das noch 81 Prozent der Befragten. 69 Prozent halten Obama für eine starke Führungspersönlichkeit, im Januar waren es noch 78 Prozent.

Obama reagierte auf die Umfragewerte angesprochen gelassen. Um gute Umfragewerte zu haben, sei es am einfachsten, wenig umzusetzen und ja keinen Streit anzuzetteln. "Aber dafür hat mich das amerikanische Volk nicht hierher geschickt. Sie haben mich geschickt, um Probleme zu lösen", sagte Obama im Gespräch mit dem Fernsehsender CBS.

Die Umfrage für die Nachrichtenagentur AP wurde vom Institut GfK Roper Public Affairs & Media in der Zeit vom 16. bis 20. Juli durchgeführt. Befragt wurden landesweit 1006 Erwachsene. Die mögliche Fehlerquote liegt bei plus oder minus 3,1 Prozent.

Streit um Gesundheitsreform

Obama kämpft derweil bei Parteifreunden um seine Gesundheitsreform. Er traf am Dienstag mehrere Demokraten, bei denen zuletzt Bedenken aufkamen, ob der geplante Umbau tatsächlich finanzierbar sei und Vorteile für die Verbraucher bringe, oder ob er die ohnehin strapazierte Staatskasse nicht doch weiter belasten werde.

Obama habe zwar bekräftigt, dass er keine zusätzlichen Schulden machen wolle, berichteten Teilnehmer der Gespräche. Ob es jedoch noch vor der Sommerpause des Kongresses einen Durchbruch geben wird, blieb fraglich. "Das Ziel sind nicht Stichtage. Das Ziel ist eine umfassende Gesundheitsreform", sagte der Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, vor Journalisten. Der einflussreiche Republikaner Eric Cantor betonte zudem, es gebe gegen die aktuellen Reformvorschläge derzeit sogar eine Mehrheit, die sich aus beiden Parteien zusammensetze. "Entweder scheitert dieses Gesetz oder es wird dramatisch abgewandelt."

"Das wird schwer zu verkaufen sein", sagte auch der demokratische Senator Ben Nelson mit Blick auf eine für Mittwoch angesetzte Obama-Pressekonferenz. Es wird erwartet, dass die Gesundheitsreformpläne dabei im Mittelpunkt stehen.

Die Reform gehört zu den Kernvorhaben Obamas. Die Kosten im amerikanischen Gesundheitswesen liegen bei 2,5 Billionen Dollar im Jahr und damit pro Kopf höher als in jedem anderen Land. Von den 305 Millionen Einwohnern sind allerdings 47 Millionen ohne Krankenversicherung, darunter viele illegal Eingewanderte.

als/AP/Reuters

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