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22.07.2009
 

Mumbai-Attentäter

"Bitte hängt mich!"

Der einzige überlebende Attentäter von Mumbai überrascht das Gericht erneut. Zuerst legte er ein Geständnis ab - und jetzt fordert er die Todesstrafe für sich: "Bitte macht es und hängt mich", sagte der 21-jährige Pakistaner.

Mumbai - Mohammed Ajmal Amir Iman hat die Entscheidung für sich getroffen: Der wohl einzige überlebende Attentäter der verheerenden Anschläge im indischen Mumbai will mit dem Tod bestraft werden. Während der öffentlichen Verhandlung am Mittwoch fragte Richter M.L. Tahaliyani den auch als Kasab bekannten Angeklagten, ob er von den Menschen oder von Gott bestraft werden wolle. "Bitte macht es und hängt mich", entgegnete der 21-jährige Pakistaner.

Mutmaßlicher Attentäter Kasab (im November 2008): "Hängt mich"
REUTERS

Mutmaßlicher Attentäter Kasab (im November 2008): "Hängt mich"

Niemand müsse befürchten, dass er versuchen werde, "dem Tod durch Erhängen zu entkommen", sagte er. "Wenn das die Strafe ist, soll es so sein." Für seine Taten in der Welt ziehe er eine Strafe durch Menschenhand einer Strafe Gottes vor.

Am Montag hatte der Pakistaner das Gericht - und seinen eigenen Verteidiger - bereits mit einem Geständnis überrascht. Zudem habe er seine Komplizen sowie die Drahtzieher des Angriffs benannt, darunter einen Anführer der aus Pakistan heraus operierenden Terrorgruppe Lashkar-i-Toiba. Seit Prozessbeginn am 15. April hatte Kasab die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Bei den Anschlägen waren im vergangenen November insgesamt 174 Menschen getötet worden. Außerdem gab es mehr als 300 Verletzte.

Indien macht die Organisation Lashkar-i-Toiba für die Anschläge verantwortlich. Sie soll in den achtziger Jahren vom pakistanischen Geheimdienst gegründet worden sein, um gegen die indische Herrschaft im geteilten Kaschmir zu kämpfen.

Staatsanwalt Ujjwal Nikam hatte kritisiert, dass Kasab nur ein unvollständiges und "halbherziges" Geständnis abgelegt habe. Er habe sich als Befehlsempfänger dargestellt, um sich doch vor der Todesstrafe zu retten. Doch Richter Tahaliyani wies diese Einschätzung zurück.

Der Angeklagte hatte nach eigenen Angaben mit einem Komplizen den Auftrag verfolgt, im Hauptbahnhof Mumbais Geiseln zu nehmen und "auf jeden" zu schießen. Dabei wurden 52 Menschen getötet und mehr als hundert weitere verletzt. Weitere Angriffe wurden auf zwei Luxushotels und andere Ziele verübt.

Die Anschläge hatten die Beziehungen zwischen den beiden verfeindeten Nachbarn weiter belastet. Ende Juni hatte ein indisches Gericht Haftbefehl gegen 22 Pakistaner erlassen, die an der Planung des Terrorüberfalls beteiligt gewesen sein sollen. Indien verlangte von Pakistan die Auslieferung der Verdächtigen. Die pakistanische Regierung hat aber bereits früher erklärt, sie werde keine Verdächtigen ausliefern.

Unter den Gesuchten ist Hafiz Mohammad Saeed, ein Führer der extremistischen islamischen Organisation Jamaat ud Dawa. Es wird vermutet, dass diese dem Netzwerk angehört, das für die Anschläge von Mumbai verantwortlich ist. Saeed wurde nach den Anschlägen in Pakistan festgenommen, auf Anordnung eines pakistanischen Gerichts Anfang Juni aber wieder freigelassen, weil keine Beweise gegen ihn vorlägen.

als/AFP/AP/dpa

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