Von Ulrike Putz, Beirut
Beirut - "Ich möchte mich dafür entschuldigen, wenn ich Rechtschreib- oder Grammatikfehler mache" beginnt der Blog-Eintrag mit typisch persischer Höflichkeit. "Ich habe wenig Zeit, doch ich muss darüber schreiben, was ich im iranischen Guantanamo erlebt habe."
Reza Yavari nennt sich der junge Mann, dessen Bericht seit Dienstag auf den reformorientierten Internet-Seiten Irans gepostet wird. Darin schildert Yavari, wie er bei den Protesten gegen den mutmaßlichen Wahlbetrug am 9. Juli verhaftet wurde, wie er im Gefangenenlager Kahrizak durch die Hölle ging, bevor er am Montagabend frei gelassen wurde.
"Wir waren 200 Mann in einem kleinen Raum, nicht mal sitzen konnten wir, so eng war es", schreibt der Blogger. Da es keine Toiletten gab, hätten die Männer ihre Notdurft auf dem Boden verrichten müssen. "Wände und Türen waren blutverschmiert, viele der Männer hatten offene Wunden", schreibt Yavari. Immer wieder seien die Gefangenen mit Kabeln, Ketten und Stöcken geschlagen worden, oft bis zur Bewusstlosigkeit.
Schon in der ersten Nacht sei einer der Gefangenen seinen Verletzungen erlegen, im Laufe der Tage fünf weitere Männer gestorben. Yavari listet ihre Namen akribisch auf. Einzige Nahrung seien Essenreste gewesen, "Brot, ein bisschen Gemüse, Reis", heißt es in dem Blog-Eintrag, der zwar nicht unabhängig überprüft werden kann, der von der iranischen Oppositionspresse jedoch als glaubwürdig genug eingestuft wird, um ihn nachzudrucken.
Nach einigen Tagen seien die Gefangenen in einen Innenhof verlegt worden. "Sie mussten unsere Zelle säubern", umschreibt Yavari die unvorstellbaren Zustände, unter denen er und seine 200 Zellengenossen angesichts des Mangels von Toiletten gelebt haben müssen: Die Leser mögen ihm verzeihen, wenn er über so dreckige Angelegenheiten schreibe. Am Montagabend, nach 19 Tagen in Kahrizak, seien er und zig andere Gefangene entlassen worden, so Yavari. "Bevor sie uns frei ließen, drohten sie, uns zu töten, wenn wir über unsere Erlebnisse sprechen."
Dass der Blogger trotzdem über seine Odyssee schreibt, hat seinen Grund: "Ich bin sicher, die Verhältnisse in den iranischen Lagern für gefangen genommene Protestler sind schlimmer als die in Abu Ghuraib oder Guantanamo." Einmal in Freiheit, lieh sich Yavari von einem fremden Passanten ein Handy und rief seine Eltern an. Dann setzte er sich in ein Internet-Café und schrieb auf, was er durchgemacht hatte.
Bis zu 40 Gefangene in engen Containern
Der junge Mann, der sein Alter mit 21 Jahren angibt, dürfte die Lage in Kahrizak halbwegs realistisch geschildert haben: Darauf weist die von höchster Stelle angeordnete Schließung des Haftanstalt hin, die am Dienstag angekündigt wurde. Revolutionsführer Ali Chamenei höchstpersönlich habe die Auflösung des Lagers angeordnet, teilte der oberste Staatsanwalt Irans Korban Ali Dori-Nasdschfabadi in Teheran mit. Die Entscheidung sei gefallen, nachdem der Ajatollah von der "mangelhaften Hygiene und anderen Problemen für die Gefangenen" informiert worden sei.
Die meisten Gefangenen in der berüchtigten Anstalt Kahrizak werden in einem Tiefgeschoss festgehalten, hat der iranische Journalist Hanif Mazroui über die vergangenen Wochen anhand von Erlebnisberichten von Entlassenen rekonstruiert. Andere müssten mit 20 bis 40 Zellengenossen in Containern hausen, die für fünf Mann ausgelegt seien. Die Container stünden bei 40 Grad Celsius ungeschützt in der Sonne, ein einziges Luftloch versorge die Insassen mit Sauerstoff, so Mazroui zu SPIEGEL ONLINE.
Dass Chamenei - laut iranischer Verfassung immerhin "Gottes Stellvertreter auf Erden" - sich nun persönlich mit den Zuständen in Irans Haftanstalten auseinandersetzt, scheint unerhört, doch im Trend zu liegen. Fast zeitgleich mit der dem Schließungs-Bescheid für Kahrizak wurde bekannt, dass Chamenei versprochen hat, die Fälle mehrerer hundert Demonstranten, die bei den Protesten gegen die Präsidentenwahl inhaftiert wurden, überprüfen zu lassen. Die Staatsanwaltschaft solle binnen einer Woche entscheiden, ob die Festgenommenen freigelassen oder vor einen Richter gestellt werden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Irna.
Am Dienstag hatten die Behörden 140 während der vergangenen Wochen festgenommene Protestler freigelassen, für Mittwochabend wurden weitere Freilassungen angekündigt. Unter denjenigen, die nach Tagen und Wochen in Haft nun nach Hause dürfen sollen, soll auch der bekannte Reformer Said Hadscharian sein. Hadscharian, der dem ehemaligen, reformorientierten Präsidenten Mohammed Chatami als Berater zur Seite stand und als einer der führenden Köpfe der Opposition in Iran gilt, war am 15. Juni verhaftet worden.
Angehörige und Unterstützer im In- und Ausland hatten wiederholt auf die Freilassung des seit einem Mordversuch im Rollstuhl sitzenden Hadscharian gedrängt. Wegen seiner schlechten Gesundheit bestünde ernste Gefahr, dass er die Haft nicht überleben werde.
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Oder Niemand soll so naiv sein und glauben, die US Marine Stünde im Persischen Golf, um die moslemischen Minderheit zu beseitigen. Entweder wissen wir was die Weltmacht heisst und wie sie zustande gekommen ist und was für [...] mehr...
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Der Iran ist der stärkste Repräsentant einer moslemischen Minderheit, die seit Jahrhunderten unter ständigen Angriffen und Verschwörungen des verbrecherischen Saudi-Arabiens leben musste und das wird sich bald ändern. Niemand [...] mehr...
Sehr Geehrter Herr Ernst August, guten Morgen! Danke für Ihr Posting und Aufmerksamkeit. Seit 30 Jahren versucht das Regime im Iran Israel und USA, Westen, Schahsregime... zu nutzen,damit sich selbst und ihre Taten [...] mehr...
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