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Menschenrechte Was Blogger über Irans Folterknäste schreiben

2. Teil: Chameneis später Versuch, sich beim Volk beliebt zu machen

Freilassungen einerseits, Qualitätskontrollen andererseits: Chamenei kündigte am Dienstag auch an, dass die Parlamentskommission das größte Gefängnis in Teheran, die für brutale Methoden berüchtigte Strafanstalt Evin, besuchen werde. Der Kommissionsvorsitzende selbst sagte am Mittwoch, auch das Tiefgeschoss des Innenministeriums werde in Augenschein genommen. In dem nach seiner Lage im Keller "Minus 4" genannten Zellenblock sollen in den vergangenen Wochen als Auffanglager für Hunderte Gefangene gedient haben. Sie sollen dort ersten Verhören unterzogen worden sein, bevor sie in andere Anstalten verlegt wurden.

Beobachter in Teheran glauben, dass die Zugeständnisse Chameneis taktisch motiviert sind. Nachdem er sich nach den Wahlen unmissverständlich auf die Seite des angeblich wieder gewählten Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad gestellt habe, versuche Chamenei nun, sich als gerechter Führer des gesamten Volkes darzustellen, kommentieren reformnahe Aktivisten auf verschiedenen Internet-Plattformen. Sein plötzlicher Einsatz für die Rechte der Gefangenen sei der späte Versuch, sich beim Volk beliebt zu machen. Im Zuge der Proteste war Chameneis Ansehen im oppositionsnahen Teil der Bevölkerung gesunken. Auf Demonstrationen wurde er wiederholt in Sprechchören scharf kritisiert.

Republik Iran
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.

Angesichts der anhaltenden Proteste hat auch Präsident Ahmadinedschad in den vergangenen Tagen versöhnlichere Töne angeschlagen. In einem am Dienstag veröffentlichten Brief an die iranischen Justizbehörde verlangte er, dass gegenüber den Gefangenen "größtmögliche muslimische Milde" walten gelassen werde. Überraschend gab der Präsident zudem erstmals zu, dass die Inhaftierungen "länger als gewöhnlich" andauerten.

Bislang hatte die Regierung darauf beharrt, dass die Gefangenen fair behandelt und ihre Fälle nach Recht und Gesetz gehandhabt würden. Nach offiziellen Angaben wurden bei den Protesten insgesamt rund tausend Menschen verhaftet, von denen - nach unterschiedlichen Angaben - noch 200 bis 500 in Haft sitzen. Mindestens 20 Menschen kamen bei den Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften ums Leben. Ahmadinedschad soll am kommenden Mittwoch seinen zweiten Amtseid ablegen.

Für Donnerstag sind in Teheran erneut Kundgebungen gegen den mutmaßlichen Wahlbetrug geplant. Anlass sind die blutigen Ereignisse am Revolutionsplatz in der Hauptstadt vor 40 Tagen. Am 20. Juni waren dort mehrere Demonstranten von Sicherheitskräften erschossen worden. Unter ihnen war auch Neda Agha-Soltani. Ein per Handy-Kamera aufgezeichneter Video-Film ihres Todes ging um die Welt und machte die junge Frau zur Ikone der so genannten "grünen Revolution" in Iran.

Im schiitischen Islam wird am 40. Tag nach ihrem Ableben aller Toten gedacht. Familienangehörige und Freunde versammeln sich daheim oder auf dem Friedhof zu diesem wichtigen Ritual der Trauer.

Im Fall Nedas und der anderen getöteten Demonstranten wird die Trauer vermutlich nicht privat bleiben, sondern in öffentlichen Zorn umschlagen. Nach dem Willen der Oppositionsführer Hossein Mussawi und Mahdi Karrubi sollen sich die Massen am Donnerstag auf dem Mossala-Gelände in Teheran versammeln. An dem zentralen Gebetsort soll eine Gedenkkundgebung stattfinden. Obwohl die Behörden die Trauerfeier für die Toten der Demonstrationen gegen die umstrittene Präsidentenwahl verboten haben, kursierten am Mittwoch Aufrufe auf iranischen Internet-Seiten, sich trotzdem zu versammeln.

Chronik
AFP
Im Zweiten Weltkrieg gilt der monarchische Staat Iran als Freund der Achsenmächte. Britische und sowjetische Truppen besetzen daher 1941 das Land. Resa Schah muss abdanken. Die Alliierten inthronisieren seinen Sohn Mohammed Resa . Wegen seiner proamerikanischen Reformpolitik gerät der Schah erstmals 1963 in die Kritik von Ajatollah Ruhollah Chomeini, einem damals hochrangigen religiösen Führer, den die Regierung ein Jahr später in die Türkei abschiebt. Chomeini geht schließlich in den Irak. Dort bleibt er 13 Jahre und entwickelt er das Staatsmodell des islamischen Staates. Mit seiner repressiven Politik und seinem dekadenten Herrschaftsstil bringt der Schah eine wachsende Opposition aus sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Schichten gegen sich auf.

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insgesamt 4111 Beiträge
Betonia 17.07.2009
Die letzten Demonstrationen und das Verhalten der Machthaber hat bei der Bevölkerung etwas losgetreten. Das wird schwer zu stoppen sein.
Zitat von sysopIrans Hauptstadt wird erneut von Unruhen erschüttert. Nach dem Freitagsgebet von Ex-Präsident Rafsandschani liefert sich die Opposition Straßenschlachten mit der Polizei. Wie geht es weiter in Iran?
Die letzten Demonstrationen und das Verhalten der Machthaber hat bei der Bevölkerung etwas losgetreten. Das wird schwer zu stoppen sein.
Die_Geistwurst 17.07.2009
Meine Einschätzung ist, dass die Regierung ihre Macht mit allen Mitteln verteidigen wird.
Zitat von sysopIrans Hauptstadt wird erneut von Unruhen erschüttert. Nach dem Freitagsgebet von Ex-Präsident Rafsandschani liefert sich die Opposition Straßenschlachten mit der Polizei. Wie geht es weiter in Iran?
Meine Einschätzung ist, dass die Regierung ihre Macht mit allen Mitteln verteidigen wird.
Möglichkeit 1: Die beiden Lager einigen sich über eine Art Machtaufteilung und es herrscht zumindes in dem Herrschersystem Einigkeit (Unabhängig was Menschen wollen) Möglichkeit 2) Es gibt keine Einigung und die Menschen halten [...]
Möglichkeit 1: Die beiden Lager einigen sich über eine Art Machtaufteilung und es herrscht zumindes in dem Herrschersystem Einigkeit (Unabhängig was Menschen wollen) Möglichkeit 2) Es gibt keine Einigung und die Menschen halten den Druck aufrecht, dann gibt es nur die Möglichkeit erst Ahamdai und dann Chamenei abzusetzen. Hier sind die Gewinner auch Menschen.
Zarathustra 17.07.2009
• ِDie beiden Großayatollahs Montazeri und Zanjani haben in einem ungewöhnlich scharfen Ton, ohne Namen zu nenne, die Führung angegriffen • Ayatollah Ostadi, der Hauptprädiger in der religiösen Statdt Qom, hat seinen Streik [...]
• ِDie beiden Großayatollahs Montazeri und Zanjani haben in einem ungewöhnlich scharfen Ton, ohne Namen zu nenne, die Führung angegriffen • Ayatollah Ostadi, der Hauptprädiger in der religiösen Statdt Qom, hat seinen Streik für die nächsten Wochen bekannt gegeben. D.h. er wird auf das Predigen im Freitagsgebet verzichten. Dafür hat er von 19 weiteren Religionsgelehrten aus Ghom Unterstützung und Zuspruch bekommen. • Mohsen Rezai (der vierte Kandidat) sieht die Zukunft des Systems als sehr schwarz. • Revolution und Widerstand der Frauen: Nicht nur junge Frauen, sondern auch ältere und Frauen mit Tschador machen bei den Protesten mit • Erfinderischer Widerstand: jedes Mal, wenn man im staatlichen Fernsehen die Führung oder irgendein Interview mit einem Inhaftierten zeigen will, setzen die Menschen sämtliche Elektrogeräte ein und legen so die Stromversorgung für eine bestimmte Zeit lahm. • Rausschmiss von zwei Ahmadi nahe stehenden Mitgliedern des Schlichtungsrates, der von Rafssanjani geleitet wird. • Ahmadi in Mashhad http://www.bazyab.ir/index.php?option=com_content&task=view&id=46155&Itemid=1 Dieser Mensch hat angeblich über 24 Millionen stimmen erhalten und wird bei seinem ersten Besuch nach den Wahlen in der heiligen Stadt Mashhad von gerade einigen hunderten Menschen bejubelt.
Betonia 17.07.2009
Wobei mir nicht ganz klar ist, was die Mehrzahl der Menschen im Iran wollen. 1. Eine islamische Republik mit ein paar Änderungen und etwas weniger Drangselei von oben. 2. Oder wollen sie eine demokratische - sprich [...]
Zitat von iranrevolution2009Möglichkeit 1: Die beiden Lager einigen sich über eine Art Machtaufteilung und es herrscht zumindes in dem Herrschersystem Einigkeit (Unabhängig was Menschen wollen) Möglichkeit 2) Es gibt keine Einigung und die Menschen halten den Druck aufrecht, dann gibt es nur die Möglichkeit erst Ahamdai und dann Chamenei abzusetzen. Hier sind die Gewinner auch Menschen.
Wobei mir nicht ganz klar ist, was die Mehrzahl der Menschen im Iran wollen. 1. Eine islamische Republik mit ein paar Änderungen und etwas weniger Drangselei von oben. 2. Oder wollen sie eine demokratische - sprich westliche -Form der Regierung, in der Religionen und deren Vorschriften Privatsache sind.
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