Palma de Mallorca - Einen Tag
nach dem Terroranschlag von Palmanova haben die Ermittler in Spanien offenbar erste Erkenntnisse über die mutmaßlichen Täter: Wie die Zeitungen "El País" und "El Mundo" am Freitag in ihren Internet-Ausgaben berichteten, wollen die Sicherheitskräfte Fahndungsfotos der Verdächtigen veröffentlichen.
"El Mundo" und "El País" zeigten bereits Fotos von sechs möglichen Attentätern, darunter zwei Frauen. Die Bilder hat demnach das spanische Innenministerium herausgegeben, es handle sich dabei um einen Kreis von sechs Eta-Aktivisten, die möglicherweise in den vergangenen Wochen die Grenze zwischen Spanien und Frankreich überquert haben könnten. Sie werden verdächtigt, in Verbindung zu dem Attentat zu stehen, schreibt "El Mundo". Nur einer dieser Aktivisten sei schon vorher auf der Liste der meistgesuchten Terroristen Spaniens gewesen.
Eine andere Meldung bringt der staatliche Rundfunk RNE: Danach könnte es sich bei den Verdächtigen möglicherweise um ein Paar handeln, das sich vor mehreren Tagen in der Inselhauptstadt Palma in einer Ferienwohnung eingemietet hatte. Die jungen Leute hätten Baskisch gesprochen und seien seit Donnerstag - dem Tag des Anschlags - spurlos verschwunden. Gegen das Paar haben die Sicherheitskräfte den Angaben zufolge schon zuvor ermittelt, so RNE.
Von weiteren Details des Anschlags berichtet "El País": Danach haben Augenzeugen einen dunklen Volkswagen beobachtet, der sich mit hoher Geschwindigkeit vom Tatort in Palmanova entfernte.
Die baskische Terrororganisation Eta hat den Ferienort Palmanova auf der spanischen Ferieninsel Mallorca Berichten zufolge schon seit längerer Zeit im Visier gehabt. Bereits im vergangenen Jahr hatten Eta-Separatisten umfangreiche Daten über zwei Polizeikasernen in Palmanova gesammelt. Die Unterlagen waren im Sommer 2008 bei der Zerschlagung eines Terrorkommandos der Eta in der Gegend von Bilbao sichergestellt worden, schreibt "El Mundo".
Die spanischen Ermittler gehen derweil davon aus, dass die Attentäter sich am Freitag noch auf der Insel versteckt hielten. Die Polizei errichtete Kontrollen auf dem Flughafen von Mallorca und in den Seehäfen der Insel. "Wir wollen den Attentätern das Entkommen so schwer wie möglich machen", sagte der Präfekt der Balearen, Ramón Socías.
Trotz des Terrors auf Mallorca steht das Urlaubsland Spanien nach Einschätzung von Terrorismus-Experten nicht vor einer Anschlagswelle. Auch sind Touristen weiterhin kein Attentatsziel der baskischen Untergrundorganisation, wie der stellvertretende Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, Günther Maihold, sowie Rolf Tophoven vom Institut für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik betonen. "Es gibt keinen Grund, in Panik oder Schrecken zu verfallen", sagt Tophoven. "Es wurden keine Touristen und kein Hotel angegriffen."
Die jüngsten Anschläge von Palmanova und Burgos sollten vielmehr zum 50. Jahrestag der Eta-Gründung die Handlungsfähigkeit der angeschlagenen Organisation demonstrieren. "Die Anschläge folgen einem Muster von Ehre und Ruhm", erläutert auch SWP-Experte Maihold. Sie sollten zeigen, dass die Eta auch nach den substantiellen Zugriffen der spanischen und der französischen Sicherheitsbehörden militärisch noch schlagkräftig sei.
In der Kathedrale von Palma de Mallorca fand am Freitag unterdessen eine Trauerfeier für die getöteten Polizeibeamten statt. An dem Gottesdienst nahmen der spanische Kronprinz Felipe, Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero und Oppositionsführer Mariano Rajoy teil.
In ganz Spanien läuteten um 12 Uhr mittags die Glocken. Viele Menschen versammelten sich vor den Rathäusern und gedachten in fünfminütigem Schweigen der Toten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den Terroranschlag auf Mallorca scharf. Sie bat Ministerpräsident Zapatero, den Angehörigen der Opfer ihr tief empfundenes Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen, wie das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung am Freitag mitteilte. Merkel nannte den Anschlag eine feige Tat und versicherte Zapatero, dass Deutschland im Kampf gegen den Terrorismus Seite an Seite mit den spanischen Freunden stehe.
anr/AP/dpa
Auf anderen Social Networks posten:
http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~ED563842BE8A14324BAAE006D69168D74~ATpl~Ecommon~Scontent.html mehr...
„Personalmangel“ wird durch Frauen ausgeglichen Es spricht manches dafür, dass zumindest bei der zweiten Anschlagsserie auf Mallorca ein als Urlauber getarntes Eta-Paar aus „Legales“ mit möglicherweise wochenlangem Vorlauf die [...] mehr...
Zu einer Mafia degenerierte Terrormaschine Die führenden „politischen“ und „militärischen“ Köpfe von Eta wurden Generation um Generation entdeckt, gefasst und eingesperrt. An Nachwuchs mangelte es dennoch nicht, weil im [...] mehr...
Die Eta: Das letzte Relikt 16. August 2009 Seine Majestät, König Juan Carlos I. von Spanien, drückte sich volkstümlich aus: „Man muss ihnen so lange eins auf den Deckel geben, bis man mit ihnen fertig ist.“ Gemeint waren die [...] mehr...
Hallo, das hinkt nicht das beide auf ihre art extreme sind und sorry proklön legt keine bomben und die Eta würde auch lager einrichten siehe kommunismus/sozialismus. Also mal ganz langsam ! Es ging um einen direkten [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH