Von Ulrike Putz
Teheran - Kurz vor Beginn der Zeremonie wurde es am Mittwochmorgen noch mal unruhig im iranischen Parlament: Saaldiener zogen los, um Besucher aus Nebenräumen zu holen und in den Plenarsaal zu führen, berichteten reformnahe Parlamentsreporter. Zu viele Stühle seien leer, zu viele Geladene der feierlichen Amtseinführung Mahmud Ahmadinedschad ferngeblieben. Die eilig herbeigeschafften Lückenbüßer sollten zumindest Teile der Ränge füllen, so dass der alte und neue Präsident seinen Eid zu donnerndem Applaus leisten konnte.
Die kommenden vier Jahre als Präsident der Islamischen Republik Iran dürften alles andere als einfach für Ahmadinedschad werden. Darauf deuteten am Mittwoch nicht nur die spärlich besetzten Reihen hin. Ahmadinedschad, der sich sonst gern volksverbunden gibt, musste den Hubschrauber nehmen, um zum Parlament zu gelangen. Tausende Sicherheitskräfte riegelten den Baharestan-Platz ab, sie sollten verhindern, dass es dort zu Protesten gegen den mutmaßlichen Wahlbetrug kam.
Anhänger der iranischen Reformbewegung gingen trotzdem auf die Straße. Während Ahmadinedschad drinnen die Hand zum Schwur hob, sollen sich draußen Hunderte, vielleicht Tausende Demonstranten Straßenschlachten mit den Vertretern der Staatsmacht geliefert haben, berichten Augenzeugen. Die Beamten hätten die Menge mit Tränengas auseinandergetrieben, mehrere Protestler seien verhaftet worden: Dies melden Blogger, die - seitdem Iran den Großteil der westlichen Presse des Landes verwiesen hat - zu einer der wenigen Informationsquellen innerhalb Irans geworden sind.
"Niemand wartet auf eure Glückwünsche"
Im Plenarsaal selbst versucht Ahmadinedschad, die anhaltenden Proteste gegen seine umstrittene Wiederwahl kleinzureden und an den Patriotismus seiner Landsleute zu appellieren. "Es ist nicht wichtig, wer für wen gestimmt hat", sagte er in einer Ansprache, zu deren Beginn einige seiner Kritiker demonstrativ den Saal verließen. "Was wir brauchen, ist nationale Größe." Die Regierung repräsentiere eine große Nation, große Entscheidungen müssten getroffen werden. "Wir müssen große Schritte tun", so Ahmadinedschad in seiner vom Staatsfernsehen live übertragenen Antrittsrede.
Ahmadinedschad deutete an, dass er auch in den nächsten vier Jahren weiter auf Konfrontationskurs mit dem westlichen Ausland gehen wolle. Niemals werde Iran ausländische Einflussnahme in innere Angelegenheiten dulden, sagte er. "Wir werden keinerlei Beleidigungen tolerieren." In den vergangenen Wochen bezichtigte das Regime den Westen - allen voran Großbritannien und die USA - die Wahl-Proteste in Teheran und anderen Großstädten inszeniert zu haben. Das ohnehin gestörte Verhältnis der internationalen Gemeinschaft zur Islamischen Republik verschlechterte sich daraufhin nochmals.
Hinzu kam, dass Teheran im Zuge der Niederschlagung der Demonstrationen einheimische Angestellte westlicher Botschaften und Doppelstaatsbürger festnehmen ließ. Unter anderem Deutschland, die USA, Italien und Frankreich hatten sich deshalb schon vor der heutigen Zeremonie zu einer milden Form des diplomatischen Protests entschlossen - wie Ahmadinedschad denn auch in seiner Rede erwähnt: "Einige Mächte haben angekündigt, dass sie die Regierung anerkennen, aber keine Glückwünsche schicken werden", so der Präsident, im Parlament, dem viele der geladenen ausländischen Diplomaten ferngeblieben waren. "Niemand in Iran wartet auf eure Glückwünsche. Wir schätzen euer Lächeln nicht." Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte auf einen Gratulationsbrief verzichtet.
Geradezu genüsslich listeten Irans alternative Medien am Mittwoch die über 60 Namen der Politiker auf, die Ahmadinedschad durch ihr Fernbleiben düpierten: Die unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Hossein Mussawi und Mahdi Karrubi, die Ex-Präsidenten Ali Akbar Haschemi Rafsandschani und Mohammed Chatami. Aber auch konservative Wortführer wie Bagher Ghalibas, der Bürgermeister Teherans, und Ali Akbar Nategh-Nouri blieben der Zeremonie fern: Ahmadinedschads Position ist zu Beginn seiner zweiten Amtszeit so schwierig wie nie. Er steht sowohl bei den Reformern als auch bei vielen Konservativen in der Kritik.
"Ahmadinedschad ist in die Zange genommen"
"Schon vor der Wahl hat sich Ahmadinedschad durch sein mangelhaftes Wirtschaftsprogramm viele Konservative zum Feind gemacht", sagt Farideh Farhi, iranische Politikwissenschaftlerin, die an der Universität von Hawaii lehrt. Viele der Hardliner machten ihn für die galoppierende Inflation verantwortlich, sie kritisierten, dass Ahmadinedschads Subventionspolitik ihm zwar die Stimmen der kleinen Leute eingebracht, das Land in Zeiten fallender Ölpreise jedoch an den Rande des Ruins getrieben habe.
Ein weiterer Dorn im Auge der Konservativen ist der präsidiale Hang zur Vetternwirtschaft. Ahmadinedschad gilt als extrem misstrauisch, als Mann, der nur seiner Familie und einem engen Kreis von Eingeweihten vertraut. Als er vor zehn Tagen jedoch den Vater seines Schwiegersohns zu seinem Vize machen wollte, griff der oberste Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei ein - der Kandidat war den Fundamentalisten zu liberal. In zwei Wochen muss der Präsident dem Parlament sein neues Kabinett vorstellen. Er hat grundlegende personelle Veränderungen angekündigt. Beobachter vermuten, dass seine Personalentscheidungen neue Konflikte heraufbeschwören könnten.
Auch unter konservativen Mitgliedern des einflussreichen Klerus hat sich Ahmadinedschad in der jüngsten Vergangenheit Feinde gemacht. "Einige fundamentalistische Ajatollahs fürchten, dass die brutale Niederschlagung der Proteste letztlich ihnen zur Last gelegt werden wird", so Farhi. Der Klerus begreife sich als Gralshüter der Islamischen Republik und sei somit letztlich für die Lage der Nation verantwortlich: "Und die ist derzeit sehr schwierig."
Wie viele Analysten sieht auch Farhi die Protestbewegung als eine soziale Kraft, die die kommenden Jahre mit prägen wird. "Sie dürfte in eine Bürgerrechtsbewegung münden, die große Reformen verlangen und auf die Dauer auch durchsetzen wird", so die Wissenschaftlerin.
Das iranische Volk habe gezeigt, dass es Mitsprachrecht wolle, es fordere Transparenz und einen Rechtsstaat und werde vermutlich nicht aufhören, dafür auf den Straßen zu kämpfen. Die Regierung werde sich den Forderungen nicht verschließen können, weil sie von beiden Seiten unter Druck stünde, mutmaßt Farhi. "Ahmadinedschad ist in die Zange genommen. Auf der einen Seite die Reformer, auf der anderen Seite seine konservativen Kritiker." Vielleicht, so Farhi, werde Ahmadinedschad dadurch gezwungen, seine angekündigten "großen Schritte" in die richtige Richtung zu tun: "Nach vorn."

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http://www.tagesschau.de/ausland/iranatom110.html Diplomatie contra Idiotie??? http://www.tagesschau.de/ausland/iranatom114.html Wer ist schneller, der Iran oder der Westen? Nun, und wer ist letzten Endes erfolgreicher? [...] mehr...
Oder Niemand soll so naiv sein und glauben, die US Marine Stünde im Persischen Golf, um die moslemischen Minderheit zu beseitigen. Entweder wissen wir was die Weltmacht heisst und wie sie zustande gekommen ist und was für [...] mehr...
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Der Iran ist der stärkste Repräsentant einer moslemischen Minderheit, die seit Jahrhunderten unter ständigen Angriffen und Verschwörungen des verbrecherischen Saudi-Arabiens leben musste und das wird sich bald ändern. Niemand [...] mehr...
Sehr Geehrter Herr Ernst August, guten Morgen! Danke für Ihr Posting und Aufmerksamkeit. Seit 30 Jahren versucht das Regime im Iran Israel und USA, Westen, Schahsregime... zu nutzen,damit sich selbst und ihre Taten [...] mehr...
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