Von Tobias Käufer, Bogota
Bogota - Eigentlich geht es um gerade einmal 800 Soldaten. Doch der angekündigte Ausbau der US-Stützpunkte in Kolumbien beunruhigt die Regierungen Lateinamerikas. Vor allem die sozialistisch regierten Staaten der Region fühlen sich von der militärischen Anwesenheit der Supermacht in ihrer Nachbarschaft bedroht.
Venezuelas wortgewaltiger Staatspräsident Hugo Chávez befürchtet: "Diese Basen könnten der Beginn eines Krieges in Südamerika sein." Kubas greiser Revolutionsführer Fidel Castro rät Venezuela schon, seine Armee weiter aufzurüsten. Ecuadors Regierungschef Rafael Correa glaubt sogar an künftige nordamerikanische Interventionen im großen Stil: "Die USA benötigen diese Stützpunkte, um gegen die soziale Bewegung Lateinamerikas vorzugehen."
Der Umzug der US-Militärs nach Kolumbien ist eine Konsequenz der Entscheidung Correas, den Vertrag über die Nutzung ecuadorianischer Stützpunkte durch die USA nicht zu verlängern. Kolumbien als einer der wenigen verbliebenen Verbündeten in der Region ist bereit, der US-Armee die Nutzung von sieben Militärbasen im Lande zu gestatten. Zugleich soll das militärische Personal von derzeit 300 auf 800 Soldaten aufgestockt werden. Die USA sollen sich im Gegenzug zu Milliardeninvestitionen in die militärische Infrastruktur der Stützpunkte verpflichtet haben.
Selbst bettelarme Staaten rüsten auf
Damit ist die nächste Runde des Wettrüstens in der Region eingeläutet. Dabei hat das Stockholmer Friedensinstitut errechnet, dass sich die Zahl der Waffenimporte in Südamerika schon zwischen 2003 und 2007 nahezu verdoppelt hat gegenüber den vier Jahren zuvor - die Steigerung beträgt 47 Prozent.
Vor allem Venezuela hat massiv aufgerüstet. Die Regierung Chávez kaufte in Russland in den vergangenen Jahren Waffen für rund vier Milliarden Euro ein und katapultierte sich damit auf Platz eins der Waffenimporteure Lateinamerikas. Ein gemeinsames russisches-venezolanisches Manöver vor ein paar Monaten sollte die neue militärische Stärke des Landes demonstrieren. Nach Bekanntwerden des kolumbianischen Militärbündnisses mit den USA kündigte Chávez an, den Kauf zusätzlicher russischer Panzer zu prüfen.
Und Russland darf sich über noch mehr Bestellungen freuen. Selbst das bettelarme Bolivien will sich die Modernisierung seiner Streitkräfte einiges kosten lassen. Für 100 Millionen Euro will Südamerikas ärmster Staat in Russland einkaufen gehen. "Wir sind bereit, die Bitte um den Kredit und die darauffolgenden Lieferungen von Defensivwaffen zu prüfen" - mit diesen Worten zitieren bolivianische Medien den russischen Botschafter Leonid Golubew in La Paz. Boliviens Präsident Evo Morales ist wie Chávez und Correa ein entschiedener Gegner der US-Präsenz in Kolumbien.
Argwohn über US-Militär in Kolumbien
Kolumbiens Staatspräsident Alvaro Uribe erhofft sich dagegen von der militärischen Allianz vor allem Erfolge im Kampf gegen die mächtigen Drogenkartelle im eigenen Land. Bislang hatten die USA dem Andenstaat im sogenannten "Plan Colombia" Milliarden-Militärhilfen im Kampf gegen die Drogenmafia zukommen lassen. Nach Angaben von US-Drogenfahndern soll die kolumbianische Rebellenorganisation Farc weltweit die Hälfte der Kokainproduktion kontrollieren; sie finanziert sich vor allem daraus und aus Entführungen. Aus Kolumbien stammen angeblich weit mehr als 80 Prozent des Kokains, das in den USA konsumiert wird.
Dass die marxistischen Guerilla-Kämpfer angeblich von den Regierungen Venezuelas und Ecuadors unterstützt werden - zumindest gemäß den Vorwürfen der kolumbianischen Regierung -, verschärft die Brisanz des US-Engagements in der Region.
Die Vorstellung eines Konfliktherdes in den Anden besorgt die regionale Supermacht Brasilien. Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva plädierte nach einem Treffen mit seinem konservativen kolumbianischen Amtskollegen Alvaro Uribe deshalb für eine Sicherheitsgarantie: Er will eine verbindliche Zusage der US-Militärs, dass sie grundsätzlich nur auf kolumbianischen Gebiet agieren werden.
Panzer rollen an die Grenze
Die Forderung hat einen konkreten Hintergrund. Im vergangenen Jahr hatte die kolumbianische Armee bei einem gezielten Militärschlag gegen die Farc auf ecuadorianischem Gebiet einen ranghohen Rebellenoffizier getötet. Ecuador beschuldigte anschließend die USA wegen der hohen Präzision der Operation, den Einsatz im Grenzgebiet militärisch gelenkt zu haben. Als Folge entzündete sich eine diplomatische Krise in der Region. Ecuador brach alle diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien ab. Und Venezuelas Staatschef Chávez erschreckte die Welt mit seinem live via Fernsehen ausgestrahlten Befehl an die Streitkräfte: "Herr Verteidigungsminister, verlegen Sie sofort zehn Bataillone an die Grenze zu Kolumbien, Panzerbataillone."
Auf anderen Social Networks posten:
Ja. Sie birgt nämlich die Gefahr, daß der Low-Level-Konflikt in die Nachbarländer hineingetragen oder dort versärtk wird. Ich interpretiere Chávez's Reaktion so: Auch Venezuela hat ein Drogenproblem vergleichbar mit [...] mehr...
zu 1) Stimmt, da aber Brasilien weiterhin in die USA exportieren will, muss es diese Reserven sowieso auch für US-Konzerne öffnen. Warten wir es ab. zu 2) Absoluter Unsinn. Sie bedienen sich, wie in der Vergangenheit auch, zum [...] mehr...
Wenn Sie den Cocapflanze doch noch loswerden moechten hilft vielleicht: Ein Stück sehr reifer natürlicher Kaese in einen Spalt oder Bohrung in Wurzelnaehe klemmen und zuwarten. die resultierende Pilz/Bakterieninfektion hat [...] mehr...
Das Leben könnte so einfach sein, nicht wahr? Was Einstein, Heisenberg & Co. nicht gelang, die vereinheitlichte Feldtheorie, schaffen sie mit der ungemein intelligenten Formel: der Ami ist an allem schuld. Ergo: Ami weg, [...] mehr...
Also müsste es ein rechtes Vergnügen für dich sein, Hugo zu ehelichen, oder wie ist dein Beitrag zu verstehen, Hans? mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH