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21.08.2009
 

Freilassung

London verurteilt Helden-Empfang für Lockerbie-Attentäter

Flughafen von Tripolis: Begeisterter Empfang für begnadigten Lockerbie-AttentäterZur Großansicht
AP

Flughafen von Tripolis: Begeisterter Empfang für begnadigten Lockerbie-Attentäter

Der begeisterte Empfang für den todkranken Lockerbie-Attentäter löst international scharfen Protest aus: Nach US-Präsident Obama kritisiert jetzt auch die britische Regierung die umjubelte Ankunft Mikrahis in Libyen. Der frühere Agent, von Schottland begnadigt, darf zum Sterben in die Heimat zurückkehren.

London/Tripolis - Die britische Regierung ist schockiert darüber, wie der freigelassene Lockerbie-Attentäter in Libyen empfangen worden ist. "Zu sehen, wie einem Massenmörder in Tripolis ein Helden-Empfang bereitet wird, ist erschütternd", sagte Außenminister David Miliband am Freitag im BBC-Radio. Schlimm sei es vor allem für die Angehörigen der 270 Opfer des Anschlags vor 21 Jahren und für jeden, "der eine Quäntchen Menschlichkeit in sich trägt".

Die USA hatten zuvor erklärt, wenn die libysche Regierung Abd al-Bassit Ali al-Mikrahi nun zum Helden stilisiere, dann werde dies Konsequenzen für das bilaterale Verhältnis haben. US-Präsident Barack Obama bezeichnete die Begnadigung als Fehler und forderte in einem Radiointerview, Mikrahi solle in Libyen unter Hausarrest gestellt werden. Die USA hatten vergeblich versucht, Schottland von dessen Freilassung abzubringen.

Der frühere libysche Geheimdienstagent war am Donnerstag vom schottischen Justizminister Kenny MacAskill aus humanitären Gründen begnadigt worden, da er an Prostatakrebs im Endstadium leidet. Auf einem Militärflughafen bei Tripolis hatten sich am Donnerstagabend Tausende Libyer, überwiegend junge Männer, versammelt, um Mikrahi enthusiastisch zu begrüßen.

Der 57-Jährige verließ das Flugzeug in Begleitung von Seif al-Islam Gaddafi, dem Sohn des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi. Letzterer hatte sich in den vergangenen Jahren intensiv für die Freilassung Mikrahis eingesetzt.

Zugleich übernahm Libyen die Verantwortung für den Lockerbie-Anschlag und sagte den Angehörigen der Opfer Entschädigungen zu. Mikrahi beteuerte bei seiner Ankunft in Libyen erneut seine Unschuld. Er sei fälschlicherweise wegen der Explosion einer PanAm-Maschine über der schottischen Ortschaft Lockerbie verurteilt worden.

"Daten und Fakten, die seine Unschuld beweisen"

Seif al-Islam Gaddafi zeigte sich derweil hocherfreut über die Freilassung von Mikrahi. Er lobte die schottische und die britische Regierung. "Ich möchte unseren Freunden in der britischen Regierung, die eine wichtige Rolle in dieser Angelegenheit gespielt haben, persönlich danken", hieß es in einer Erklärung von Gaddafi junior, der in Libyen eine Wohltätigkeitsstiftung leitet. "Das libysche Volk wird ihre mutige Haltung nicht vergessen."

Der britische Außenminister betonte dagegen, die Entscheidung über die Freilassung sei einzig in Schottland gefällt worden. Auch wies er Spekulationen zurück, wonach Interessen britischer Energiekonzerne, die in Libyen Geschäfte machen, eine Rolle gespielt haben sollen.

Auch der schottische Ministerpräsident Alex Salmond kritisierte die Ankunft in Tripolis als "nicht angemessen". Seif al-Islam Gaddafi erklärte an die Adresse der Hinterbliebenen der Opfer des Anschlags, Mikrahi habe zwar - um freizukommen - seinen Revisionsantrag zurückgezogen. Es gebe jedoch noch "viele neue Daten, Beweise und Fakten, die seine Unschuld beweisen und die eines Tages ans Tageslicht kommen werden".

Mikrahi wurde 1999 von Libyen an die Niederlande überstellt, wo der Lockerbie-Prozess nach schottischen Recht stattfand. Er wurde 2001 als einziger Verdächtiger für den Anschlag zu lebenslanger Haft verurteilt.

amz/dpa/Reuters/AFP/AP

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22.08.2009 von retmar: ....

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