Von Hasnain Kazim, Islamabad
Lange wird er's nicht machen, sagen sie in der westpakistanischen Bergregion Waziristan. Jetzt ist er halt der neue Amir, der neue Chef. Die Schura, die Ratsversammlung, hat ihn dazu bestimmt. Und was die obersten Stammesvertreter sagen, das hat Gewicht hier bei den Kämpfern von Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP), der vor eineinhalb Jahren gegründeten Dachorganisation der Taliban in dem Land.
Hakimullah Mehsud ist 28 Jahre alt, manche sagen auch 29 Jahre, exakt weiß das niemand, einig sind sie sich nur, dass er noch keine 30 ist. Der über 1,80 Meter große Mann mit dem zotteligen, schwarzen Bart und den langen Haaren unter der erdbraunen Paschtunenmütze gilt als äußerst brutal. "Er ist einer, der nicht zögert, jemanden töten zu lassen, der ihm in den Weg kommt", sagt ein Journalist aus Nord-Waziristan, der aus Sorge um sein Leben seinen Namen nicht genannt wissen will. Oft genug habe Hakimullah das bewiesen - und sich mit seiner gewaltbereiten Art bis zum Vize des kürzlich bei einem Drohnenangriff getöteten TTP-Chefs Baitullah Mehsud hochgearbeitet.
Und so ließ Hakimullah Mehsud auch jetzt, nach dem Tod Baitullahs, keinen Zweifel daran, wer die Nachfolge antritt: Sollte er nicht gewählt werden, werde er alles daran setzen, Keile zwischen die ohnehin zerstrittenen Taliban-Gruppierungen zu treiben. Darauf wollte sich dann doch niemand einlassen.
Dabei hatte es lange so ausgesehen, dass Wali-ur-Rehman, ein erfahrener und besonnener Kommandeur, zum Nachfolger bestimmt werden würde. Vergangene Woche erklärte dieser noch öffentlich, er sei jetzt der neue Chef an der Spitze der Milizen. Doch am Dienstag riefen Mehsud und Rehman gemeinsam bei einem Journalisten in Waziristan an, um bekanntzugeben, dass nun Hakimullah Mehsud die Taliban führen werde. Damit sollten Gerüchte aus der Welt geräumt werden, einer der beiden sei von Anhängern des jeweils anderen erschossen worden.
Über die Gründe für Rehmans Kehrtwende kann nur spekuliert werden. Vielleicht wurde ihm von Hakimullahs Anhängern gedroht - vielleicht aber auch von anderen Kommandeuren bestätigt, dass der neue Chef nur kurz im Amt bleiben werde und er, ur-Rehman, dann seine Chance bekomme. Künftig wird der Unterlegene in diesem Machtkampf jedenfalls die Taliban in Süd-Waziristan befehligen - unter dem Oberkommando von Hakimullah.
"Die Taliban halten ihn nur für einen Übergangskandidaten"
Der neue TTP-Anführer, ein Paschtune aus dem Stamm der Mehsuds, wurde im Dorf Kotki in Süd-Waziristan geboren. Laut pakistanischer Tageszeitung "Dawn" ist sein eigentlicher Vorname Jamshed, bevor er sich später Zulfiqar nannte. Hakimullah, sein Spitzname, sei dann irgendwann zu seinem richtigen Namen geworden.
Mit dem etwa acht Jahre älteren Baitullah Mehsud ist er nicht verwandt, besuchte mit ihm aber zeitweise gemeinsam dieselbe Koranschule in Hangu. Diese schloss er nicht ab, er ist somit kein ausgebildeter Religionsgelehrter, sondern ließ sich lieber von älteren Milizen im Umgang mit Waffen schulen. Er sei daher sehr geschickt im Schießen, sagen pakistanische Sicherheitskräfte, die die Lage in Waziristan genau beobachten. Er sei sehr emotional, mit einem stark schwankenden Gemüt. "Ihm fehlen der Pragmatismus, die Fähigkeit zum strategischen Denken und die Reife für seine Aufgabe", beschreibt ihn ein Geheimdienstler. "Das wissen auch die Taliban, daher halten sie ihn nur für einen Übergangskandidaten."
Doch vielleicht täuschen sich da alle - und Hakimullah hält sich mit Gewalt an der Spitze. Die Liste seiner blutigen Taten ist jedenfalls trotz seines jungen Lebens lang. Erst am Donnerstag sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einer Gruppe von Polizisten in die Luft, die gerade zu Abend essen wollten - eine Tat, zu der sich am Freitag die TTP bekannte. Als Ende Dezember in der Stadt Bunir eine Bombe explodierte und 41 Menschen in den Tod riss, erklärte Hakimullah stolz, er sei der Drahtzieher dieser Tat. Auch ein Anschlag auf das Luxushotel Pearl Continental in der Stadt Peschawar und viele weitere Explosionen in anderen Städten werden Hakimullah zugeschrieben.
Sein Markenzeichen: besondere Grausamkeit
Sein Vorgänger hatte diese blutige Strategie eingeführt, die ihn in Pakistan zum Staatsfeind Nummer eins machte: den Kampf nicht nur gegen die US-Truppen jenseits der Grenze, in Afghanistan, zu führen, sondern ihn auch ins Landesinnere von Pakistan zu tragen. Pakistan, so die Begründung, müsse bestraft werden, da es mit den USA kooperiere. Baitullah Mehsud schickte Selbstmordattentäter in alle Regionen des Landes, auch in Städte wie Karatschi, Lahore und Islamabad, wo sie öffentlichkeitswirksam für Angst und Schrecken sorgten.
Hakimullah führte derweil Milizen in drei verschiedenen Stammesgebieten und machte durch besondere Brutalität auf sich aufmerksam. Sollte der Anschlag am Donnerstag von TTP-Milizen ausgeführt worden sein, steht fest: Der neue Anführer will auch den Kampf im Inneren, gegen Pakistan, fortsetzen. Er ist, wie sein Vorgänger, für die Einführung der Scharia, wofür er im Swat-Tal gekämpft hat und wo seine Leute nach der Armee-Offensive vor einigen Wochen den Rückzug antreten mussten.
Journalisten, die Hakimullah Mehsud zuletzt im November 2008 begegneten, beschreiben ihn als einen durchaus intelligenten Mann, der sich vor den Kameras darzustellen weiß - im Gegensatz zu Baitullah, der die Öffentlichkeit scheute und als ruhig galt. Hakimullah Mehsud habe den Reportern voller Stolz einen Humvee-Transporter präsentiert, den seine Kämpfer bei einem Angriff auf einen US-Konvoi erbeutet hatten. Er forderte die Journalisten auf, den Wagen auszuprobieren. Später, schreibt der "Dawn"-Reporter Zahir Shah Sherazi, lud er Journalisten ein, an einem Schießwettbewerb mit geraubten Maschinengewehren teilzunehmen. Dabei sei er durchaus charismatisch erschienen, eloquent. Schon damals sei deutlich geworden, dass hier jemand nach ganz oben wolle in der Taliban-Hierarchie.
Charismatisch, eloquent, unreif
Unreif sei er, sagen dagegen die Leute beim Geheimdienst. Und zweimal verheiratet. "So unterschiedlich Baitullah und Hakimullah vom Wesen her sind, so ähnlich sind sie sich doch im Kampf", sagt einer. "Es wäre jedenfalls sehr schlimm, wenn die Selbstmordanschläge wieder beginnen und unschuldige Menschen ihr Leben lassen müssen."
Für Pakistan wären die Taliban ein schwächerer Gegner, blieben sie zerstritten und zersplittert. Man hofft, dass Hakimullah es nicht schafft, die Milizen zu einigen. Von Bedeutung ist aber auch, wie sehr die Amerikaner ihren Kampf gegen den neuen Chefterroristen richten. Baitullah Mehsud hatten sie lange Zeit nicht ernst genommen - und ihn so erst stark werden lassen. In Islamabad fragen sich Politiker, die auf amerikanische Unterstützung hoffen, ob sie den Fehler auch bei Hakimullah machen werden.
Auf anderen Social Networks posten:
Und wenn der Top-Taliban nur ein geistig schwacher Ziegenhirte ist der einem CIA- Agenten alles erzählt ,was der hören will? Der CIA gehört ja zu den Naivsten, was sich in der Geheimdienstbranche tummelt, siehe die neun Toten in [...] mehr...
Gut zusammengefasst, kein Widerspruch - aber warum grenzt sich der Westen dann nicht ab? Antwort: Er will es nicht. Und je komplizierter die Lage umso leichter lassen sich die wahren Absichten verschleiern. mehr...
Nachricht an den SPIEGEL: Niemals die Senatoren John McCain und Joe Lieberman zitieren, wenn es um militärische Einschätzungen geht. Die beiden sind im Grunde gewählte Waffenlobbyisten. Natürlich beschwichtigen sie die [...] mehr...
Sie meinen das sich Juden und Christen auf die Seite Muhammads geschlagen haben weil sie den Status von Schweinen und Affen haben wollten? Sie sollten nochmals tief Luft holen und über die Worte des Mitforisten Sumerer [...] mehr...
http://de.wikipedia.org/wiki/Dhimma mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Pakistan | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH