Berlin/Kunduz - Für Verteidigungsminister Franz Josef Jung ist die Faktenlage eindeutig: Dem CDU-Politiker zufolge war der von der Bundeswehr angeforderte Nato-Luftangriff in Afghanistan auf gekaperte Tanklastzüge notwendig. "Durch sehr detaillierte Aufklärung über mehrere Stunden durch unsere Kräfte hatten wir klare Hinweise darauf, dass die Taliban beide Tanklastzüge circa sechs Kilometer von unserem Lager entfernt in ihre Gewalt gebracht haben, um einen Anschlag auf den Stützpunkt unserer Soldaten in Kunduz zu verüben", sagte der Minister der "Bild am Sonntag". Wäre ihnen das gelungen, hätte es einen Anschlag mit entsetzlichen Folgen für die Soldaten gegeben. "Deshalb halte ich die Entscheidung des deutschen Kommandeurs vor Ort für richtig", betonte Jung - der Kommandeur hatte den Angriff angefordert.
Jung wies zudem die internationale Kritik an der Militäraktion zurück. Er habe "überhaupt kein Verständnis" für jene Stimmen, die ohne Kenntnis der Sachlage und der Hintergründe bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt Kritik an dem militärischen Vorgehen üben. Dies werde nicht den schwierigen Situationen gerecht, in denen die Bundeswehrsoldaten im Einsatz für die Stabilität in Afghanistan und damit im Interesse der Sicherheit in Deutschland Leib und Leben riskierten. Die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan würden "sehr professionell vorgehen" und den Gegner "hart, aber der Lage stets angemessen" bekämpfen. "Wer uns angreift, muss wissen, dass er bekämpft wird."
Der Minister begrüßte es zugleich, "dass die Nato eine Untersuchung zu den Vorgängen in der Nacht zu Freitag" angeordnet habe. Dies sei "in solchen Fällen üblich", um der Bevölkerung beweisen zu können, "dass Isaf solche Angriffe nur dann vornimmt, wenn dies geboten und verhältnismäßig ist". Jung sagte: "In diesem konkreten Fall war der Schlag dringend geboten." Er wies auf die gefährliche Situation für die Bundeswehr in der Region hin. "Wir haben immer darauf hingewiesen, dass wir in einem Radius von etwa 50 Kilometern um Kunduz eine besonders gefährliche Situation haben."
Die Nato will auch untersuchen lassen, inwieweit Kommunikationsprobleme zwischen Bundeswehrsoldaten und den US-Streitkräften eine Rolle gespielt haben. Die geplante Untersuchung der Militäraktion vom Freitag müsse auch der Frage möglicher Sprachbarrieren zwischen den deutschen Kommandeuren in Kunduz und den amerikanischen Piloten der eingesetzten Flugzeuge nachgehen, sagte US-Konteradmiral Gregory Smith, der Sprecher von Nato-Kommandeur Stanley McChrystal. Es sei noch nicht entschieden, welche Nation die Untersuchung leiten solle. Geplant sei auch die Mitwirkung afghanischer Behördenvertreter.
Nato-Angaben zufolge traf nach der Anforderung von Luftunterstützung durch die Bundeswehr zuerst ein amerikanischer B-1-Bomber ein, dessen Besatzung die beiden entführten Tanklastwagen und Dutzende Personen in deren Umgebung sah. Die B-1 musste wegen Treibstoffmangels zu ihrem Stützpunkt zurückkehren. Etwa 20 Minuten später trafen zwei US-Kampfflugzeuge des Typs F-15E ein, deren Besatzung Videoaufnahmen zum deutschen Stützpunkt funkte. Etwa eine halbe Stunde nach der Ankunft der beiden F-15-Maschinen wurden dann Bomben auf die Tanklastzüge geworfen. Die Nachtaufnahmen seien von geringer Qualität gewesen, sagte Smith. "Man kann nur Schatten sehen."
Einem Bericht der "Washington Post" zufolge war im wesentlichen eine einzige Quelle ausschlaggebend für den Luftangriff. Demnach telefonierte der deutsche Stützpunkt mit einem afghanischen Informanten, der in dem Gespräch sagte, dass es sich bei der Menschenmenge rund um die gekaperten Tanklastzüge um Aufständische handele. Daraufhin wurde der Befehl zum Angriff gegeben.
Bei dem von der Bundeswehr angeordneten Luftangriff sind nach Angaben der Provinzregierung sechs Zivilisten getötet worden, darunter ein Kind. Wie der Gouverneur der Provinz Kunduz, Mohammed Omar, am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP sagte, kamen bei dem Vorfall am Freitag insgesamt 54 Menschen ums Leben. Davon seien 48 bewaffnet gewesen. Laut Omar wurden 15 Menschen verletzt, darunter zwei Taliban.
Zu der Zahl der Opfer des Nato-Angriffs gibt es unterschiedliche Angaben. Während der afghanische Präsident Hamid Karzai von rund 90 Toten und Verletzten ausgeht, spricht das Innenministerium in Kabul von 56 getöteten Taliban und zehn Verletzten, darunter ein Kind. Nach Bundeswehr-Angaben wurden mehr als 50 Aufständische getötet. Verteidigungsminister Jung bekräftigte, dass "ausschließlich terroristische Taliban" getötet worden seien.
Im Dorf Jakubi nahe des Angriffsortes weinten und beteten am Samstag Dutzende Anwohner an den Gräbern von Opfern. Auch bewaffnete Taliban-Kämpfer waren bei den Beerdigungen zugegen.
Ihre Anwesenheit zeugte vom Wiedererstarken der Islamisten in einer Gegend, die noch vor Kurzen von der Regierung kontrolliert wurde. "Wir werden uns rächen", sagte ein vermummter Taliban-Kämpfer. "Hier wurden viele unschuldige Menschen getötet." Ein 54-jähriger Dorfbewohner sagte, alle Familien hätten Opfer zu beklagen. Ganze Familien seien ausgelöscht worden. Nach Angaben von Dorfältesten wurden in Jakubi 50 Menschen beerdigt, weitere 70 wurden demnach in umliegenden Dörfern zu Grabe getragen. Nach Einschätzung des Roten Kreuzes und afghanischer Regierungsvertreter wird die Zahl der Opfer möglicherweise nie genau ermittelt werden.
hen/dpa/Reuters/AP/AFP
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Keineswegs, sie ist trivial beweisbar. Muß ich Ihnen da wirklich auf die Sprünge helfen? Suchen Sie sich eines der unzähligen tagtäglichen Beispiele aus (aktuell, historisch, wie sie wollen). mehr...
TATP. Und der Aldi in Kabul heißt Ali, weil die Taliban kein "d" aussprechen. mehr...
Das halte ich für ausgeschlossen, da Spiegelfechters Offerten hier stets in feinstem Kommunistenrot erscheinen! mehr...
Also in der Gegend um Kunduz gibt es keinen Krieg? Interessant! mehr...
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