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22.09.2009
 

Revolutionäre Pläne

Gaddafi will Uno radikal umgestalten

Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi: "Die Uno in ihren Grundfesten erschüttern"Zur Großansicht
dpa

Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi: "Die Uno in ihren Grundfesten erschüttern"

Die Reform einer Weltorganisation ist ihm gerade recht: Muammar al-Gaddafi will die Uno neu ordnen. Kleine Staaten sollen so viel Macht erhalten wie Großmächte. Immer wieder präsentiert Gaddafi seine eigenwilligen Ideen. Auch die Schweiz wollte er schon abschaffen - und die Fifa auflösen.

Hamburg - Militärkapellen aus ganz Afrika, ein Gala-Dinner für 300 Ehrengäste, zehn Stunden Party. Schon die Feier zum 40. Jahrestag der libyschen Revolution zeigte: Muammar al-Gaddafi mag es gern pompös. Kleinkram ist seine Sache nicht. Und so fühlt er sich auch berufen, eine Weltorganisation zu revolutionieren: die Vereinten Nationen.

In seiner ersten Rede vor der Uno am Mittwoch will er seine eigenwilligen Ideen präsentieren. "Der Bruder Revolutionsführer und Vorsitzende der Afrikanischen Union wird der Generalversammlung der Vereinten Nationen radikale Lösungen vorschlagen, die diese Organisation in ihren Grundfesten erschüttern werden", meldet die staatliche libysche Nachrichtenagentur JANA am Dienstag.

Gaddafi werde sich dafür aussprechen, den kleinen Staaten genauso viel Macht einzuräumen wie den Großmächten. Außerdem solle es im Weltsicherheitsrat künftig kein Veto mehr geben.

Vielleicht hat sich Gaddafi das Kompliment des italienischen Premierministers Silvio Berlusconi zu Herzen genommen, der Libyer sei ein "Mann von tiefer Weisheit". Kuriose Vorschläge wusste er immer zu lancieren. Mal meint er, die "Zukunft der Automobilindustrie" entworfen zu haben - mit einem Wagen, den er "The Rocket" nennt. Mal fordert er seine Landsleute auf, Hühner zu halten, um unabhängig von Eier-Importen zu werden. Oder er will die Fifa abschaffen.

Korruption, Geldverschwendung und die WM im falschen Land

Vor drei Jahren - Gaddafi hatte gerade einen Weblog für sich entdeckt - ließ er die Welt wissen, dass er die Auflösung der Fifa fordere. Entweder müsse der Verband radikal umgestaltet werden und ihre Milliarden, die sie für "das nichtssagende Weltturnier" verschleudere, in Armutsbekämpfung, Gesundheits- und Entwicklungshilfe investieren, hatte Gaddafi in seinem Weblog geschrieben. Oder aber die Fußballorganisation müsse ganz abgeschafft werden.

Gaddafi, der mittlerweile in einigen Ländern nicht mehr als Schmuddelkind, sondern als respektabler Staatsgast hofiert wird, wird sich am Mittwoch vor der Uno inszenieren. Bei der Generaldebatte wird er direkt nach US-Präsident Barack Obama sprechen. Am 15. September hat Libyen turnusgemäß für ein Jahr den Vorsitz der Uno-Vollversammlung übernommen.

Zuletzt war Gaddafi vor der Uno allerdings unangenehm aufgefallen: Er hatte einen Antrag an die Vereinten Nationen gestellt, die Schweiz aufzulösen. Zwei Schweizer Geschäftsleute werden seit mehr als einem Jahr in Libyen festgehalten und werden dort nun vor Gericht gestellt. Offizielle Begründung: Die beiden Männer hätten unter anderem libysche Einreisebestimmungen verletzt.

Der Streit zwischen Tripolis und Bern nahm seinen Anfang im Juli vergangenen Jahres. Damals reiste Gaddafis Sohn Hannibal mit seiner schwangeren Frau Aline nach Genf, um ihr zweites Kind in der Schweiz zur Welt zu bringen. Hotelangestellten fiel auf, dass die Gaddafis ihre beiden Diener brutal behandelten. Sie kontaktierten zuerst die Direktion und dann die Polizei. Hannibal Gaddafi wurde daraufhin zeitweise inhaftiert - Beginn einer Eiszeit zwischen Libyen und der Schweiz, die auch nach dem Besuch einer Schweizer Delegation in Tripolis noch nicht beendet ist.

kgp/dpa

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Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen

Der Uno-Sicherheitsrat , oft auch Weltsicherheitsrat genannt, ist das mächtigste Organ der Vereinten Nationen . Ihm gehören die fünf ständigen Mitglieder USA , Russland , Großbritannien , Frankreich und China sowie zehn nichtständige Mitglieder an, die in zweijährigem Wechsel unter Berücksichtigung einer angemessenen geografischen Verteilung von der Uno-Generalversammlung gewählt werden. Jedes der fünf ständigen Ratsmitglieder kann mit seinem Vetorecht alle ihm nicht genehmen Beschlüsse des Rates blockieren. Auch müssen Entscheidungen mit mindestens neun Stimmen gefasst werden. Viele Beschlüsse wurden so verhindert oder blieben wirkungslos.
Der Vorsitz im Sicherheitsrat rotiert monatlich in der alphabetischen Reihenfolge der englischen Ländernamen.





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