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25.09.2009
 

Video-Botschaft

Taliban drohen Deutschland mit Anschlägen

Von Yassin Musharbash und Matthias Gebauer

Taliban-Drohung: Erstmals gegen DeutschlandZur Großansicht

Taliban-Drohung: Erstmals gegen Deutschland

Erst al-Qaida, jetzt die Taliban: Erneut drohen Islamisten mit Anschlägen in Deutschland. Kurz nach Erscheinen einer Bin-Laden-Botschaft veröffentlichten die Militanten ein Video, in dem ein deutschsprachiger Kämpfer auftritt - und konkret wie nie zuvor vor Rache für den Afghanistan-Einsatz warnt.

Berlin - Bisher war es ein Verdacht der Sicherheitsbehörden, doch seit Freitagabend gibt es kaum einen Zweifel mehr: Die maßgeblichen dschihadistischen Gruppen im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet haben sich abgesprochen, Deutschland ins Visier zu nehmen - zumindest propagandistisch. Bereits am vergangenen Freitag hatte al-Qaida mit Terroranschlägen in Deutschland innerhalb von zwei Wochen nach der Bundestagswahl gedroht. Nun warnen auch die Taliban nach Informationen von SPIEGEL ONLINE vor einem solchen Szenario.

Das neue Taliban-Video ist am Freitagabend auf einer türkischsprachigen Dschihadisten-Website aufgetaucht, die schon zuvor von diversen Terrororganisationen genutzt wurde, um Propaganda zu verbreiten. Die Hauptperson in dem Video ist ein deutschsprachiger Kämpfer, der sich "Ajjub" nennt. Das etwa eine Viertelstunde lange Video stamme von den "deutschen Taliban in Afghanistan", wird durch die Einblendungen suggeriert.

Der deutschsprachige Kämpfer hält eine mehrere Minuten lange Ansprache an die deutsche Bevölkerung. Unter anderem sagt er: "Erst durch euren Einsatz hier gegen den Islam wird ein Angriff auf Deutschland für uns Mudschahidin verlockend. Damit auch ihr etwas von dem Leid kostet, welches das unschuldige afghanische Volk Tag für Tag ertragen muss." Das Gefühl der Sicherheit sei eine Illusion: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Dschihad die deutschen Mauern einreißt."

Bilder von möglichen Zielen werden eingeblendet

Während dieser Ansprache werden Bilder vom Brandenburger Tor, der Skyline von Frankfurt, dem Kölner Dom, vom Oktoberfest und dem Hamburger Hauptbahnhof eingeblendet. Auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble wird gezeigt, vor allem jedoch Verteidigungsminister Franz Josef Jung. Der Politiker, der in dem Video als "Kriegsminister" vorgestellt wird, sei "ein Fall für den Henker", sagte der Sprecher.

"Ajjub" sitzt in dem Video vor einer Ziegelwand mit einem Banner, auf dem der arabische Schriftzug "Islamisches Emirat Afghanistan" zu lesen ist - das ist die Selbstbezeichnung der Taliban. Drei Gewehre, ein Maschinengewehr und zwei Raketen sind ebenfalls positioniert, um der Drohung Nachdruck zu verleihen. Neben dem deutschsprachigen "Ajjub" wird noch ein angeblich aus den USA stammender Taliban-Kämpfer präsentiert.

Das Video trägt den Titel "Der Ruf zur Wahrheit" und liegt SPIEGEL ONLINE vor. Eine unabhängige Bestätigung der Authentizität gibt es noch nicht. Das Band ist den deutschen Sicherheitsbehörden jedoch bekannt und wird derzeit ausgewertet. Sie halten es nach erster Analyse für echt.

Der deutschsprachige Kämpfer ist noch nicht identifiziert

Wer der deutsche Sprecher auf dem Video ist, wissen die Behörden noch nicht. Umgehend nach dem Erscheinen machte sich das Analysezentrum der Behörden in Berlin an die Auswertung. Weitere technische Untersuchungen - vor allem der Sprache - sollen am Wochenende klären, ob man den Mann identifizieren kann.

Für die Taliban sind Videoveröffentlichungen eher ungewöhnlich. Als Produzent tritt Elif Media auf. Diese Einrichtung hatte erst vor einigen Wochen ein Video produziert, das bisher unbekannte Bilder des deutschen Eric Breininger zeigte, der sich der "Islamischen Dschihad-Union" (IJU) angeschlossen hat, nun aber möglicherweise in den Dienst einer andere Organisation oder der Taliban getreten ist, denn in diesem Band fehlte der IJU-Bezug.

Es gibt aktuelle Bezugspunkte in dem Video

In dem aktuellen Taliban-Video vom Freitag werden ansonsten vor allem Trainingsszenen gezeigt. Einige sind offensichtlich alt und zeigen schneebedeckte Wälder. Die Rede des "Ajjub" ist aber wohl aktueller. Vor allem die Erwähnung des von einem deutschen Oberst angeordneten Bombardements zweier Tanklaster bei Kunduz in Nordafghanistan zeigt laut einer ersten Analyse der Behörden, dass die Rede des vermummten Sprechers in den vergangenen Wochen aufgenommen worden sein muss. Bei dem Angriff am 3. September waren nach ersten Untersuchungen auch mehr als 30 Zivilisten ums Leben gekommen. Indirekt fordert der Kämpfer auf dem Video nun Rache für diese Aktion.

Das Taliban-Drohvideo ist das jüngste in einer ganzen Reihe an Deutschland gerichteter Propagandawerke. In den vergangenen Monaten haben sich deutschsprachige Militante aus den Reihen von al-Qaida, der Islamischen Bewegung Usbekistan, der Islamischen Dschihad-Union und nun der Taliban zu Wort gemeldet.

Diese Häufung bestätige eine "von Anfang an geplante Choreografie", die offenbar lange vor den letzten Tagen der Wahl organisiert worden sei, sagt ein BKA-Experte. Dies sei ein Novum, dass die Notwendigkeit der erhöhten Sicherheitsmaßnahmen der vergangenen Tage aus Sicht des Bundesinnenministeriums voll und ganz bestätige.

Konkreteste Drohung gegen Deutschland

Vor allem die Kampagne al-Qaidas, die ebenfalls am Freitag mit einem an "die europäischen Völker" gerichteten Video Osama Bin Ladens weitergetrieben wurde, macht den Behörden Sorgen. Aber auch das jetzt erschienene Band der Taliban nehmen die Fachleute vom Bundeskriminalamt ernst - nicht zuletzt, weil es das bisher konkreteste gegen Deutschland gerichtete Drohvideo sei. "Es werden mehrere Orte für mögliche Anschläge gezeigt und der Bundesverteidigungsminister konkret als Zielperson eingeblendet", sagt ein BKA-Mann, "das gab es in dieser expliziten Form noch nie."

Bisher rätseln die Behörden, was die Terroristen mit den Bändern erreichen wollen. Zum einen befürchten sie seit Wochen, dass möglicherweise bereits eine Zelle in Deutschland einen Anschlag plant. Zum anderen haben sie trotz intensivster Nachforschungen im Milieu der bekannten Islamisten hierzulande noch keinen Anhaltspunkt gefunden. Außerdem geht man nun der Frage nach, ob die Serie von Videos möglicherweise Einzelpersonen, die bisher nicht im Raster der Behörden sind, zu spontanen Planungen für einen Anschlag anstacheln sollen.

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15.10.2009 von alfredoneuman:

Was Sie als "Interpretationsentwürfe" bezeichnen, sind doch oft nicht mehr als hanebüchene Behauptungen, Lügen und Hirngespinste. Als Diskussionsgrundlagen dienen diese Beiträge sowieso nicht. mehr...

15.10.2009 von BillBrook:

Ach. Wen haben die USA denn sonst noch so alles gegründet? Alles mit dem sie mal verhandelt haben? Jetzt wird mal ein eigener Gedanke versucht und das geht gleich so daneben. mehr...

15.10.2009 von BillBrook:

Wo die Argumente nicht reichen, kommen die Unterstellungen. Aber zur Sache nie ein eigener Gedanke, sondern immer nur links. PS. Sie können ruhig mal wieder damit aufhören, permanent zu versuchen, mir pns zu schicken, die ich [...] mehr...

14.10.2009 von Nachtschwester Ingeborg:

Sie verkürzen ein Zitat aus einer seriösen Quelle mit brisanten Informationen zum Anschlag von Madrid zu "bla bla bla" und weichen einer eigenen Deutung der Informationen aus beiden Quellen mit einer plumpen [...] mehr...

14.10.2009 von Nachtschwester Ingeborg:

Nun ja, bei Ihren seltsamen Beiträgen weiß man zwar sehr genau, was Sie aussagen wollen und ehrlich gesagt habe ich auch nichts dagegen, mich mit professionellen Spin-Doktoren auszutauschen, aber Sie sollten nicht so tun, als [...] mehr...

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Terrorpropaganda gegen Deutschland

Al-Qaida

Osama Bin Ladens Terrornetzwerk al-Qaida hat die Erwähnungen und direkte Ansprache Deutschlands in seiner Propaganda massiv gesteigert. Mittlerweile präsentiert al-Qaida sogar einen aus Deutschland stammenden Terrorwerber, den 32 Jahre alten Bekkay Harrach aus Bonn, der sich 2007 der Organisation angeschlossen haben soll. Im Januar 2009 erklärte Harrach alias "Abu Talha" in seiner Rede "Das Rettungspaket für Deutschland", dass die Bundestagswahl am 27. September eine einmalige Gelegenheit sei, sich vom Afghanistan-Einsatz abzuwenden. Deutschland könne anderenfalls nicht ernsthaft glauben, ungeschoren zu bleiben. Im Februar 2009 sprach er über die Finanzkrise, verzichtete aber auf Terrordrohungen. Am 18. September 2009 kündigte er dagegen explizit Anschläge in Deutschland innerhalb von zwei Wochen nach der Wahl an, sollte von ihr nicht ein Signal für den Abzug aus Afghanistan ausgehen. Wenige Tage danach folgten zwei predigtähnliche Reden von ihm, "O Allah, ich liebe Dich" Teil 1 und Teil 2. Darin versuchte er, deutsche Muslime für den bewaffneten Kampf zu gewinnen.

Jenseits von Harrach gibt es zwei weitere Qaida-Videos, in denen Deutschland allgemein mit Vergeltung gedroht wird.

Osama Bin Laden hat sich unterdessen seit Jahren nicht mehr zu Deutschland geäußert. Am 25. September veröffentlichte er allerdings eine Rede an "die europäischen Völker". Darin drohte er zwar nicht ausdrücklich mit Terroranschlägen in Europa, forderte jedoch erneut einen Abzug aus Afghanistan und warnte vor Vergeltung.

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