Mittwoch, 10. Februar 2010

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02.10.2009
 

Israelisch-palästinensischer Gefangenenaustausch

Video zeigt entführten Soldaten Schalit unversehrt

Abfahrt aus dem Gefängnis: Israel lässt Palästinenserinnen frei
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AP

Abfahrt aus dem Gefängnis: Israel lässt Palästinenserinnen frei

Der Deal wurde mit deutscher Hilfe eingefädelt: Für eine Video-Aufnahme des im Gaza-Streifen entführten Soldaten Gilad Schalit hat Israel 19 inhaftierte Palästinenserinnen freigelassen. Dem israelischen Fernsehen zufolge zeigt der Film den inzwischen 23-Jährigen gesund und unversehrt.

Tel Aviv - Israel hat am Freitag 19 Palästinenserinnen aus der Haft entlassen. Die Frauen überquerten in Jeeps des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz die Grenzübergänge zum Gaza-Streifen und Westjordanland, wo sie unter großem Jubel von Familienangehörigen in Empfang genommen wurden. Israel hatte zuvor die Echtheit eines einminütigen Videos mit Aufnahmen des heute 23 Jahre alten Soldaten Gilad Schalit geprüft. Dem israelischen TV-Sender Channel 10 zufolge zeigt die kurze Aufnahme Schalit gesund und munter. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und die Eltern hätten eine Kopie des Films erhalten, hieß es. Über die Veröffentlichung sei noch nicht entschieden.

Seit der Entführung Schalits im Juni 2006 hat Schalits Familie nur drei Briefe und eine Audio-Botschaft erhalten. Das letzte Lebenszeichen stammt vom Juni vergangenen Jahres.

Das erste Video von Schalit seit dessen Gefangennahme soll aktuelle und eindeutige Beweise dafür enthalten, dass der in den Gaza-Streifen verschleppte junge Mann noch am Leben ist. Die Eltern Noam und Aviva Schalit freuen sich darauf, nach mehr als drei Jahren des Hoffens und Bangens erstmals wieder das Gesicht ihres Sohnes zu sehen. Die Video-Botschaft soll nach palästinensischen Angaben rund eine Minute lang sein. Die Eltern wollen dann entscheiden, ob sie die Aufzeichnung zur Veröffentlichung in den Medien freigeben.

Schalit war am 25. Juni 2006 von der Hamas und zwei weiteren Palästinensergruppen in den Gaza-Streifen verschleppt worden. Die Hamas fordert, dass Israel als Gegenleistung für die Freilassung Schalits 1000 palästinensische Gefangene in die Freiheit entlässt.

Hamas-Führer Hanijah sagte am Freitag in Gaza: "Ich gratuliere den Frauen, die dank des großen Erfolges der Fraktionen des Widerstandes freigelassen wurden". Er hoffe, dass dieser Teilaustausch ein erster Schritt auf dem Weg zu einem ehrenhaften und umfassenden Gefangenenaustausch mit Israel sei.

Freudentränen und Kusshände

18 Frauen wurden am Grenzübergang Betunia im Westjordanland von jubelnden Familienmitgliedern in Empfang genommen. Sie waren zuvor mit Jeeps vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz aus dem Gefängnis in ihre Heimat gebracht worden. Viele Frauen warfen bei ihrer Ankunft überglücklich Kusshände in die Menge. Manche weinten Freudentränen. "Die Situation im Gefängnis war sehr schwierig", sagte die 33 Jahre alte Leila Buchari.

Im Gaza-Streifen bereitete die Hamas der entlassenen Palästinenserin Fatima Sak einen großen Empfang. Die 42 Jahre alte Mutter von neun Kindern war im Mai 2007 am Grenzübergang Erez festgenommen worden, weil sie nach israelischen Angaben einen Selbstmordanschlag plante. "Ich bin sehr glücklich, hier zu sein und meine Familie wiederzusehen. Aber dieses Glück ist unvollständig, weil Tausende andere palästinensische Häftlinge noch in israelischen Gefängnissen sitzen", sagte sie.

Israel und die radikal-islamische Hamas streiten seit Jahren über die Modalitäten eines Austausches. Beide Seiten haben sich sehr lobend über einen deutschen Vermittler geäußert, der jetzt den Beginn eingefädelt hat. Die Zeitung "Haaretz" schrieb am Donnerstag, der Deutsche habe unter großer Anstrengung den jüngsten Durchbruch erzielt. Israel sei überaus zufrieden mit seinen Bemühungen, weil er es geschafft habe, einen Verhandlungsmodus zu schaffen, der angemessen funktioniere und auch große Diskretion auf beiden Seiten gewährleiste.

Großer Erfolg für den BND

Der BND hat große Erfahrung mit der Vermittlung zwischen Israel und militanten Gruppierungen. Zuletzt hatte der ehemalige BND-Mitarbeiter Gerhard Conrad im vergangenen Jahr einen Gefangenentausch zwischen der libanesischen Hisbollah-Miliz und Israel ausgehandelt.

Für die Bundesregierung und den BND ist der Austausch ein großer Erfolg - und gleichzeitig die Chance, den politischen Einfluss in der Region auszubauen und sich als politischer Gesprächspartner unverzichtbar zu machen. Zuvor hatten sich Ägypten als Vermittler angeboten, blieb bei den Bemühungen um eine Einigung allerdings erfolglos.

Kairo dürfte den jetzigen Erfolg bei der heiklen Mission durchaus argwöhnisch beobachten. Israel hingegen bedankte sich schon vor einigen Wochen bei einem Besuch von Benjamin Netanjahu für die deutschen Bemühungen.

Die Deutschen gelten in der Region als geeigneter Verhandlungspartner, da sie im Gegensatz zu vielen anderen Nationen keine eigene Agenda im Nahen Osten haben und der BND seit Jahren belastbare Kontakte zu vielen der Palästinensergruppen unterhält. Bereits vor einigen Jahren hatte der BND mit diesen erfolgreich einen Austausch zwischen Israel und der Hisbollah organisiert.

mgb/ler/ffr/dpa

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