ThemaAfghanistan-KriegRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
04.10.2009
 

Taliban-Vormarsch

Nato-Chef verlangt Strategieschwenk in Afghanistan

US-Marines unter Beschuss der Taliban: "Enormes Risiko für den Westen"Zur Großansicht
AP

US-Marines unter Beschuss der Taliban: "Enormes Risiko für den Westen"

Bei der blutigsten Taliban-Attacke seit mehr als einem Jahr sind in Afghanistan acht US-Soldaten ums Leben gekommen. Wegen der explosiven Lage fordert nun auch Nato-Generalsekretär Rasmussen einen Wechsel der Strategie - er will die einheimischen Truppen stärken, zugleich aber mehr internationale Militärs.

London - Angesichts des Vormarschs der aufständischen Taliban in Afghanistan mehren sich die Rufe nach einer Aufstockung der internationalen Truppen. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat zudem einen Strategiewechsel für den Einsatz am Hindukusch gefordert. Der neue Ansatz müsse die einheimische Bevölkerung in den Mittelpunkt stellen, sagte er am Sonntag im britischen Fernsehsender Sky News. Außerdem müsse sich die Nato stärker auf die Ausbildung der einheimischen Sicherheitskräfte konzentrieren. Ziel sei eine 130.000 Mann starke afghanische Armee sowie eine Polizeitruppe im Umfang von 80.000 Mann, sagte Rasmussen. Dafür seien rund 17.000 Ausbilder nötig.

Rasmussen wollte sich nicht darauf festlegen, wie viele zusätzliche Nato-Soldaten in Afghanistan gebraucht würden. "Ich denke, wir müssen mehr tun, aber es ist noch zu früh um genau zu sagen, wie viel", sagte der frühere dänische Ministerpräsident. Auch zu einem konkreten Zeitplan für einen Abzug der internationalen Truppen wollte sich der Nato-Generalsekretär nicht äußern.

Der britische Generalstabschef David Richards schloss sich am Wochenende Forderungen nach mehr internationalen Soldaten an. Sollte es der Nato nicht gelingen, das Land zu stabilisieren, sei das Risiko für den Westen "enorm", sagte Richards dem "Sunday Telegraph". Ein Sieg über die internationalen Truppen in Afghanistan würde radikalislamische Aufständische in der Region und auf der ganzen Welt "mitreißen". Schon allein wegen der pakistanischen Atombomben sei das Nachbarland für sie ein "verlockendes Ziel", erklärte Richards. Dies sei ein "schreckenerregender Ausblick". Eine Truppenaufstockung könne der Nato helfen, den "psychologischen Kampf" zu gewinnen.

Zuvor hatte bereits der Isaf-Oberkommandierende Stanley McChrystal vor einer Niederlage gewarnt, sollten nicht rasch mehr Truppen entsandt werden.

In diesem Jahr schon 394 ausländische Soldaten getötet

An diesem Wochenende kamen in Afghanistan allein 14 US-Soldaten ums Leben. Beim blutigsten Angriff der Taliban seit mehr als einem Jahr wurden acht US-Soldaten und zwei afghanische Sicherheitskräfte getötet. Die US-Soldaten starben in der östlichen Provinz Nuristan an der Grenze zu Pakistan, wie die Isaf am Sonntag mitteilte. Etwa 300 Taliban-Kämpfer hätten am Samstag im Morgengrauen von zwei Seiten aus zunächst den Stützpunkt am Fuß des Bergs angegriffen, sagte der Polizeichef von Nuristan, Mohammad Kasim Dschangulbagh. Danach attackierten sie den Posten am Gipfel, der von US-Truppen gesichert wurde. Die US-Luftwaffe griff mehrfach mit Luftschlägen in die Kämpfe ein. Die Aufständischen hätten das Feuer unter anderem aus einer Moschee heraus eröffnet, hieß es. Ein Taliban-Sprecher gab die Zahl der getöteten ausländischen und einheimischen Soldaten mit 30 an. Es war der schwerste Verlust für die internationalen Truppen seit dem Tod von zehn französischen Soldaten im August 2008.

Zwei weitere US-Soldaten wurden nach Angaben der US-Armee vom Samstag bei einem Taliban-Angriff im Osten des Landes getötet. Vier Amerikaner starben in der Region zudem bei Explosionen versteckter Sprengsätze am Straßenrand. Damit starben nach Angaben der unabhängigen Internetseite icasualties.org in diesem Jahr bereits 394 ausländische Soldaten in Afghanistan, darunter 236 Amerikaner.

Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, James Jones, sieht in der gestiegenen Gewalt in Afghanistan nicht die Gefahr einer Rückkehr der Taliban an die Macht. "Afghanistan steht nicht vor dem Scheitern", sagte James dem Nachrichtensender CNN.

ler/AFP/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 1800 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
09.11.2009 von porsche:

Sie sind doch nur noch dort weil in Berlin völlige Inkompetenz u. Ratlosigkeit herrscht, was die BW dort jetzt eigentlich soll. Für mich kein Wunder, nach 60 Jahren ohne Kriegserfahrung - Gott sei Dank. Die Amis könnten uns da [...] mehr...

09.11.2009 von Helmer:

Origineller Wechsel der Argumentation. Sahen sie bisher das Bombardieren der Zivilisten als "verhältnismäßig" im Se. von Art 51, 5 b an, beziehen Sie sich nunmehr auf Art 51, 3. Spritklauen ist allerdings Sinne des [...] mehr...

09.11.2009 von Helmer:

Ein Zusammenhang zwischen Diesel in Eimer füllen und Fahrzeug bergen besteht ausschließlich in der phantasievollen Konstruktion. Die Behauptung, das Abzapfen von Diesel in Eimer und Kanister sei eine "unmittelbare Teilnahme [...] mehr...

09.11.2009 von natterngesicht:

"Menschen". Ich habe das bereits ausgelegt. Ein vernünftiger Staatsanwalt würde das ebenfalls so machen. "Menschen" heißt doch, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit (bei 142 Menschen) nicht [...] mehr...

09.11.2009 von tauschspiegel: dann auch konsequent sein

Gleiches gilt im Übrigen für das bisherige amerikanische Motto "wenn wir schon nicht gewinnen, trampeln wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt". McChrystal hat das genau richtig erkannt und entsprechende Forderungen an [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Afghanistan-Krieg

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Chronik

Klicken Sie auf die Eckdaten, um mehr zu erfahren

5. Dezember 2001

10. Januar 2002

13. Juni 2002

4. Januar 2004

9. Oktober 2004

18. September 2005

20. Dezember 2008

10. August 2009






TOP



TOP