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05.10.2009
 

Taliban-Terror

Pakistans Innenminister rechnet mit weiteren Anschlägen

Anschlag in Pakistans Hauptstadt: "Die Taliban benehmen sich wie ein verwundetes Tier"Zur Großansicht
REUTERS

Anschlag in Pakistans Hauptstadt: "Die Taliban benehmen sich wie ein verwundetes Tier"

Nach dem Terroranschlag auf das Büro des Welternährungsprogramms in Islamabad befürchtet die Regierung in Pakistan neue Attentate. Die Taliban könnten sich für die Militäroffensiven der vergangenen Monate rächen wollen.

Islamabad - Der Selbstmordattentäter war als Polizist verkleidet, unter der Uniform trug er acht Kilogramm Sprengstoff. Mindestens vier Menschen riss er bei der Explosion in Islamabad mit in den Tod. Pakistans Innenminister machte die Taliban verantwortlich. Außerdem äußerte er die Befürchtung, der Stadt könnten in den kommenden Tagen weitere Anschläge drohen.

Schon seit Monaten drohen die Radikalislamisten mit Rache für die erfolgreiche Offensive des pakistanischen Militärs im Swat-Tal - und rüsten zum Gegenschlag. Als Vergeltung auch für die Angriffe der USA mit unbemannten Flugzeugen im Grenzgebiet zu Afghanistan kündigte der neue Führer der pakistanischen Taliban, Hakimullah Mehsud, am Montag Anschläge auf pakistanische und amerikanische Einrichtungen an.

Im vergangenen Jahr haben die USA mehr als 70 solcher Attacken im Nordwesten Pakistans durchgeführt. Zahlreiche Militärkommandeure, Sympathisanten und Zivilisten kamen dabei ums Leben - auch der Anführer der Radikalislamisten, Baitullah Mehsud, wurde getötet.

"Das hat ihnen das Genick gebrochen, sie benehmen sich wie ein verwundetes Tier", sagte Innenminister Malik am Montag. Er rechne in den kommenden Tagen mit "zwei oder drei" weiteren Selbstmordanschlägen. Gefangene Extremisten hätten Ermittlern berichtet, Attentäter seien im vergangenen Monat auf Missionen entsandt worden.

Besonders gefährdet sind wohl die größten Städte Pakistans: Islamabad, Karachi und Lahore. Dort könnten die Taliban viele Menschen töten und eine möglichst hohe Aufmerksamkeit erreichen. Entsetzen herrschte in Islamabad vor rund einem Jahr nach dem Bombenanschlag auf das Marriott-Hotel in Islamabad: Mehr als 50 Menschen wurden damals getötet. Bei dem Attentat wäre zudem beinahe die gesamte Staatsspitze Pakistans ums Leben gekommen.

Unklar, wie der Attentäter ins Gebäude gelangen konnte

Mit dem Angriff vom Montag hat der Attentäter die Zentrale des Welternährungsprogramms getroffen - das nach eigenen Angaben lebenswichtige Nahrungsmittel an zwei Millionen pakistanische Zivilisten verteilt, die von dem Konflikt im Swat-Tal vertrieben worden waren. Wenige Stunden nach dem Attentat schloss die Uno alle Büros in Pakistan.

Immer mehr Details gibt es mittlerweile zum Tathergang: Dem Innenminister zufolge trug der Angreifer eine Uniform der paramilitärischen Polizei. Er habe eine Wachmann gefragt, ob er das Gebäude betreten könne, um dort auf die Toilette zu gehen. "Es gibt Scanner, Kameras und strikte Sicherheitsvorschriften", sagte der stellvertretende Polizeiinspektor Bani Amin. Der Mann sei zwischen 22 und 25 Jahre alt gewesen.

Unter den Opfern sind laut WFP drei Pakistani und ein Iraker, die für die Organisation gearbeitet hätten. Zwei Menschen schweben in Lebensgefahr. Etliche weitere wurden verletzt, berichteten pakistanische Polizei und Rettungskräfte. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Anschlag. Die Attacke sei "unentschuldbar" und ein "abscheuliches Verbrechen".

"Eine schreckliche Tragödie"

Auch der stellvertretende Exekutivdirektor in der Zentrale der Organisation in Rom, Amir Abdulla, zeigte sich erschüttert. "Das ist eine schreckliche Tragödie für das WFP und die gesamte humanitäre Gemeinschaft in Pakistan. Diese Menschen haben den Armen und Bedürftigen in Pakistan im Kampf gegen den Hunger beigestanden."

Das WFP betreibt Schulspeisungsprogramme und unterstützt gezielt Hungernde in allen Regionen des Landes. Die Uno-Organisation ist nach eigenen Angaben die größte humanitäre Organisation der Welt. Die Ernährungshilfe werde 2009 rund 108 Millionen Hungernde in 74 Ländern unterstützen.

kgp/kaz/dpa/AP/Reuters

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