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08.10.2009
 

Ende der Immunität

Berlusconi keilt gegen Italiens Staatspräsidenten

Silvio Berlusconi schlägt zurück: Nachdem sein Immunitätsgesetz kassiert wurde, beschimpft Italiens Regierungschef Staatspräsident Napolitano und das Verfassungsgericht. Die Opposition reagiert empört auf die Attacken.

Rom - Nach der Aberkennung seiner Immunität gibt sich Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi kämpferisch bis aggressiv - und teilt kräftig aus. Das zuständige Verfassungsgericht bezeichnete er als "politisches Organ", das von den Linken beherrscht werde. Und auch der italienische Präsident Giorgio Napolitano und die Medien favorisierten die Linken.

Hintergrund der Attacken: Das Verfassungsgericht hatte am Mittwoch eine bisher geltende Immunitätsregelung kassiert, die von Berlusconis Regierung im Juli 2008 verabschiedet worden war. Nun droht dem seit Monaten von Schlagzeilen über angebliche Frauengeschichten und wilde Partys im Regierungspalast geplagten Medienmogul die Wiederaufnahme von zwei Korruptionsverfahren.

Staatspräsident Napolitano hatte erklärt, er respektiere die Entscheidung der Richter. Berlusconi bezeichnete ihn daher als parteiisch. "Man weiß doch, auf welcher Seite er steht", sagte ein sichtlich gestresst wirkender Berlusconi am Mittwochabend vor seiner Residenz. Aus dem Präsidentenpalast kam daraufhin eine scharfe Reaktion: "Jeder weiß, auf welcher Seite der Präsident steht. Auf der Seite der Verfassung, und er übt seine Funktionen mit absoluter Unparteilichkeit aus."

Das Verhältnis des rechten Regierungschefs zu Napolitano ist von jeher äußerst schwierig gewesen. Napolitano kämpfte einst gegen die Faschisten und trug maßgeblich dazu bei, dass die italienischen Kommunisten sich zu einer sozialdemokratischen Partei wandelten.

Berlusconis wenig staatsmännische Erwiderung, es interessiere ihn nicht, was der Präsident erkläre, sorgte bei der Opposition für Proteste. Solche Äußerungen seien in anderen Ländern unmöglich, "und waren es bis vor einigen Jahren auch in Italien", sagte der Generalsekretär der Demokratischen Partei, Dario Franceschini. Berlusconis Verhalten sei vollkommen "unverantwortlich". Die Opposition hofft auf einen Rücktritt des "Cavaliere".

"Elf linke Richter"

Mit dem von ihm initiierten Gesetz hatte Berlusconi 2008 die juristische Unantastbarkeit für die vier höchsten Staatsämter abgesichert, darunter auch für sich selbst. Das Gericht begründete seine Entscheidung gegen den Erlass nun unter anderem damit, dass für ein solches Gesetz eine Änderung der Verfassung notwendig sei. Berlusconi hatte die Immunitätsnorm hingegen kurz nach seiner Wiederwahl lediglich per Misstrauensvotum im Parlament durchgesetzt.

Trotz des nun ergangenen Urteils werde er an der Spitze der Regierung bleiben, kündigte Berlusconi am Mittwochabend an: "Wir müssen weiterregieren, mit oder ohne Immunitätsgesetz." Die Gerichtsverhandlungen gegen ihn seien eine Farce. "Ich habe nie daran geglaubt, dass die Norm bestätigt würde bei elf linken Richtern." Sein Sprecher, Paolo Bonaiuti, hatte die Entscheidung zuvor bereits als "politisches Urteil" bezeichnet und erklärt, die Regierung werde das Wählermandat respektieren.

Berlusconi hatte noch vor kurzem erklärt, er werde unabhängig von der Entscheidung des Gerichts dem Wählerauftrag treu bleiben und "auf jeden Fall bis zum Ende der Legislaturperiode weiterregieren". Der Chef der ausländerfeindlichen, rechtspopulistischen Regierungspartei Lega Nord, Umberto Bossi, hatte noch kurz vor der Urteilsverkündung gedroht, das Gericht wolle doch wohl kaum "den Zorn des Volkes heraufbeschwören".

Die italienische Tageszeitung "La Repubblica" zitierte am Donnerstag einen Ausspruch Berlusconis bei einem Prozess 2003: "Es ist richtig, dass alle vor dem Gesetz gleich sind, aber ich bin gleicher, weil mich die Mehrheit des Volks gewählt hat."

kgp/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 318 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
23.03.2010 von stefan4632: endlich...

Endlich mal einer der nicht alles nachplappert was die ausländischen Medien über Berlusconi schreiben. Die meisten wissen nähmlich gar nicht dass in Italien ein Medienkrieg zwischen Murcoch und Berlusconi herscht. Murdoch [...] mehr...

21.03.2010 von Saccargia: Herr/Frau "benevolens"

Wenn sich ein Herr B. auf Kosten seiner Partei und die seiner Alliierten die "Demonstranten" nach Rom, in 3000 Bussen, Fährenm und Charterflügen herankarren läßt, ist das ein Zeichen von politischer Schwäche. Seine [...] mehr...

21.03.2010 von BPC:

Eine Mio? Wer sagt das? Sie? Silvo Berlusconi ad personam? Wenn man einen Vergleich der Bilder zieht, als auf dem gleichen Platz nach Angaben 650.000 Demonstranten waren und die Aufnahmen von gestern, kann man eindeutig sehen, [...] mehr...

21.03.2010 von dayo:

solange wir uns einen westerwelle leisten, sollten wir mit solchen äusserungen zurückhaltender sein. so einen riesenunterschied sehe ich da nicht. mehr...

21.03.2010 von benevolens: Nur mal so ein oder zwei Gedanken........

Was wissen wir denn schon tatsächlich? Bis auf diejenigen, die sich tatsächlich vor Ort informieren können, sind wir doch für gewöhnlich auf das angewiesen, was uns die im wesentlichen gleichgeschalteten hiesigen Medien als wahr [...] mehr...

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Immunitätsgesetze in Italien

"Lex Berlusconi"

Der italienische Regierungschef, der Staatschef und die Präsidenten der beiden Parlamentskammern sollten während ihrer Amtszeit Immunität genießen und nicht strafrechtlich verfolgt werden können – das besagten zwei praktisch identische Immunitätsgesetze, die unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi 2003 bzw. 2008 verabschiedet worden waren.
Doch das italienische Verfassungsgericht erklärte das erste der Gesetze, den "Lodo Schifani", 2004 für verfassungswidrig und damit unwirksam. 2009 folgte die danach erlassene Regelung, der "Lodo Alfano".
Die Immunitätsgesetzgebung ist höchst umstritten: Die Opposition hatte gegen die Regelung protestiert und sie als "Lex Berlusconi" verurteilt. Zwar gibt es auch in anderen Ländern wie Frankreich, Portugal und Griechenland ähnliche Gesetze. Die Immunitätsgesetze in Italien wurden jedoch auf Drängen von Regierungschef Berlusconi erlassen und führten dazu, dass gegen ihn laufende Verfahren wegen Bestechung und Steuerhinterziehung für die Dauer seiner Amtszeit ausgesetzt wurden und damit zum Teil zu verjähren drohen.

"Lodo Schifani"

"Lodo Alfano"






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