Samstag, 21. November 2009

Politik



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09.10.2009
 

Reaktionen

Einfach nur: "Wow!"

Erstaunen, Jubel und große Erwartungen: Die sensationelle Vergabe des Friedensnobelpreises an US-Präsident Barack Obama überrascht die internationale Gemeinschaft. Am meisten verblüfft zeigte sich das Weiße Haus selbst - und schickte als erste Reaktion nur ein einziges Wort.

Oslo - Die Entscheidung kam für viele überraschend: Zwar galt Barack Obama als denkbarer Kandidat. Doch die meisten Experten gingen davon aus, dass es noch zu früh sei, um den US-Präsidenten mit dieser hohen Auszeichnung zu ehren - schließlich trat Obama erst knapp zwei Wochen vor dem Ende der Nominierungsfrist am 1. Februar sein Amt an. Am Freitag gab das Komitee in Oslo bekannt, Obama mit dem Friedensnobelpreis auszeichnen zu wollen.

Obama werde "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen Völkern zu stärken" ausgezeichnet, war die Begründung.

Selten zuvor habe eine Persönlichkeit so sehr die Hoffnung auf eine bessere Zukunft vermittelt und die Aufmerksamkeit der Welt in Bann gezogen, erklärte das fünfköpfige Nobelpreiskomitee. "Seine Diplomatie beruht auf dem Konzept, dass diejenigen, die die Welt führen, dies auf der Grundlage von Werten und Haltungen tun müssen, welche von der Mehrheit der Weltbevölkerung geteilt werden." Das Komitee merkte an, dass Obamas Vision für eine Welt ohne Atomwaffen bei der Preisentscheidung eine besondere Rolle gespielt habe.

Washington selbst war zunächst sprachlos: Offiziell gab das Weiße Haus rund zwei Stunden nach Verkündung noch keine Stellungnahme ab. Wie der TV-Sender CBS berichtete, habe sich Regierungssprecher Robert Gibbs mit einer E-Mail an den Sender gewendet, die lediglich aus einem einzigen Wort besteht: "WOW". Ein Regierungssprecher sagte der Agentur Reuters, Obama fühle sich "geehrt."

Entsprechend überrumpelt zeigte sich die internationale Gemeinschaft - Reaktionen von Staats- und Regierungchefs ließen ungewöhnlich lange auf sich warten. Wenige Minuten nach der Entscheidung meldete sich der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela zu Wort. Er begrüßte die Entscheidung als Hoffnungszeichen. Über seine Stiftung ließ der einstige Anti-Apartheid-Kämpfer erklären: "Wir hoffen, dass dieser Preis Obamas Engagement stärken wird, als Staatschef der mächtigsten Nation der Erde weiter den Frieden und die Ausmerzung der Armut zu propagieren."

"Wofür?"

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte Obama. "Es ist ihm in kurzer Zeit gelungen, weltweit einen neuen Ton zu setzen und Gesprächsbereitschaft zu schaffen", sagte sie. "Wir sollten ihn alle unterstützen. Er hat ein Fenster der Möglichkeiten geöffnet." Obamas Eintreten für eine atomwaffenfreie Welt sei ein Ziel, das in den nächsten Jahren umgesetzt werden müsse. "Die Auszeichnung ist sicherlich ein Ansporn für den Präsidenten und für uns alle", sagte die Kanzlerin.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso gratulierte Obama in einer Erklärung: "Die Auszeichnung für den Führer der größten Militärmacht der Erde zu Beginn der Amtszeit spiegelt die Hoffnungen wider, die er weltweit mit seiner Vision einer atomwaffenfreien Welt geschaffen hat", sagte er in Brüssel.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat die Verleihung des Preises an Obama als weltweite Ermutigung gewertet, mit dem US-Präsidenten für Frieden und Gerechtigkeit zu wirken. Das Nobelpreiskomitee "zeichnet mit seinem angesehensten Preis Ihr entschiedenes Engagement für die Menschenrechte, für die Gerechtigkeit und für die Verbreitung des Friedens in der Welt aus", schrieb Sarkozy an Obama. "Es wird damit Ihrer Vision der Toleranz und des Dialogs der Staaten, Kulturen und Zivilisationen gerecht. Es ehrt schließlich die Rückkehr Amerikas in die Mitte aller Völker der Erde."

Der israelische Staatspräsident Schimon Peres schrieb in seinem Glückwunschtelegramm, Obama habe der gesamten Menschheit neue Hoffnung gegeben. "Nur sehr wenige Führer, wenn überhaupt, haben es geschafft, die Stimmung in der gesamten Welt in solch kurzer Zeit und mit solch tiefgehenden Auswirkungen zu verändern". Unter Führung Obamas sei Frieden wieder zu einem echten und originären Programm geworden. "Sie haben uns die Lizenz zum Träumen und zum Handeln in in eine noble Richtung gegeben", heißt es weiter.

Die konservative Zeitung "The Wall Street Journal" reagierte hingegen skeptisch. "Barack Obama gewinnt den Nobelpreis: Wofür?", kommentierte die Zeitung in seiner Online-Ausgabe. Das sei "grotesk", hieß es. "Nun kann ein politischer Führer einen Friedenspreis gewinnen, weil er sagt, er wolle irgendwann in der Zukunft Frieden bringen."

Italiens Ministerpräsident war der erste Regierungschef, der seine Glückwünsche überbrachte. Silvio Berlusconi ließ wissen, er nehme die Vergabe des Friedensnobelpreises an US-Präsident Barack Obama positiv auf. "Wir haben davon während der Ministerratssitzung erfahren und Obama mit Überzeugung applaudiert", erklärte Berlusconi.

Die Palästinenserführung nutze die Preisvergabe, um ihre Interessen noch einmal deutlich zu machen und verlangte zusätzliche Anstrengungen für einen Frieden in Nahost. "Ich hoffe, dass der Preis ein zusätzlicher Ansporn für Präsident Obama ist, noch härter für einen Frieden in unserer Region zu arbeiten", sagte der Sprecher der Palästinensischen Autonomiebehörde Ghassan Chatib in Ramallah. "Der Preis wird Obama eine zusätzliche Verantwortung auferlegen, sich für den Frieden in der Welt zu engagieren."

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Mohammed ElBaradei, zeigte sich begeistert: "Mir fällt niemand ein, der diese Ehre mehr verdient hätte." In weniger als einem Jahr im Amt habe Obama es geschafft, "die Hoffnung auf eine Welt, die mit sich selbst in Frieden ist, wiederaufleben zu lassen". Auch habe der US-Präsident einen herausragenden Führungsstil mit Hinblick auf eine nuklearwaffenfreie Welt gezeigt. ElBaradei lobte auch Obamas "unerschütterlichen Einsatz für Diplomatie, gegenseitigen Respekt und Dialog" als besten Weg zur Konfliktlösung. Der US- Präsident habe der Welt eine "neue Vision" geschenkt, die auf "menschlichem Anstand, Fairness und Freiheit" beruhe.

"Der Preis kommt nicht zu früh"

Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg lobte die Vergabe als "spannende und nach vorne gerichtete Entscheidung". Der sozialdemokratische Regierungschef meinte: "Der Preis kommt nicht zu früh. Es ist richtig, wenn er an jemanden geht, der mitten in der Verantwortung steht und etwas durchzusetzen hat." Stoltenberg hob auch positiv Obamas "ausgestreckte Hand gegenüber der islamischen Welt" hervor.

Auch deutsche Politiker reagierten auf die Entscheidung des Osloer Komitees. Die Grünen werteten die Auszeichnung als Aufforderung zu forcierter Abrüstung und zwischenstaatlicher Zusammenarbeit. "Der Preis ist auch ein Signal des Aufbruchs", betonten die Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Jürgen Trittin. Der Präsident habe die US-Politik auf multilaterale Zusammenarbeit ausgerichtet. "Die Entscheidung ist auch eine Aufforderung, jetzt mit diesem Strategiewechsel beherzt weiterzumachen."

"Barack Obama hat bewiesen, Menschen unterschiedlicher Religion, Herkunft und Nation ins Gespräch und zu größerer Toleranz zu bringen: Er ist ein empathischer und würdiger Friedensnobelpreisträger. Ich gratuliere ihm von Herzen", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU).

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sieht in der Auszeichnung eine "Verpflichtung zu einer an Toleranz und Offenheit ausgerichteten Politik. Nur so lässt sich der Frieden gewinnen und erhalten im Großen wie im Kleinen." Der SPD-Regierungschef erinnerte an die "unvergessliche Rede" Obamas an der Siegessäule in Berlin. Schon damals habe Obama seine außen- und weltpolitischen Ziele skizziert.

"Obama ist eine Inspiration", sagte die kenianische Friedensnobelpreisträgerin und Umweltschützerin Wangari Maathai im kenianischen Fernsehen. In dem ostafrikanischen Land wird Obama als "Sohn Afrikas" verehrt, seine Stiefgroßmutter Sarah Obama lebt in dem kleinen Dorf Kogelo in Westkenia.

Die Leser von CNN.com waren sich wenige Minuten nach Bekanntgabe der Entscheidung uneins, wie die Preisvergabe zu bewerten sein. "Ich liebe Obama, wirklich", schrieb ein User im CNN-Forum. "Aber ich denke, es ist etwas zu früh für ihn. Man hätte besser noch zwei, drei Jahre warten können, um zu sehen, ob seine außenpolitischen Bemühungen fruchten. Der Nobelpreis wird durch die Entscheidung entwertet." Eine andere Nutzerin war sich hingegen ihrer Begeisterung sicher: "Ein wohlverdienter Preis für einen Mann, der vielen Menschen Hoffnung gibt. Glückwunsch!"

amz/dpa/Ap/AFP/Reuters

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Willy Brandt, Bundeskanzler der Jahre 1969 bis 1974, erhielt den Friedensnobelpreis für seine Versöhnungspolitik in Richtung Osten. Das Gewaltverzichtsabkommen mit Moskau und der Warschauer Vertrag bildeten die Grundlagen zur Aussöhnung mit der UdSSR und Polen. Die Bilder von Brandts Kniefall am Mahnmal für die im Warschauer Ghetto ermordeten Juden gingen um die ganze Welt.

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Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) einen Konflikt lösen, der sein Leben bestimmte: Der Dynamit-Erfinder konnte nicht verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde. Als "Wiedergutmachung" vermachte er sein Vermögen einer Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden sollten, die "im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben". Nobel selbst hatte mehr als 350 Patente angemeldet.

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