Mittwoch, 10. Februar 2010

Politik



Friedensnobelpreis

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
09.10.2009
 

Dankesrede des US-Präsidenten

Demütiger Obama nimmt Nobelpreis als Ansporn

Foto: AP

Keine Gesten des Triumphes, stattdessen Bescheidenheit. Barack Obama reagiert demütig auf den Friedensnobelpreis. Der US-Präsident erklärte, eigentlich habe er die Auszeichnung gar nicht verdient. Dennoch nimmt er die Ehrung an - und bezeichnet sie als Auftrag zum Handeln.

Washington - US-Präsident Barack Obama hat mit demonstrativer Bescheidenheit auf die Vergabe des Friedensnobelpreises reagiert. "Ich bin überrascht und zutiefst demütig", sagte er im Rosengarten des Weißen Hauses. Wenn er ehrlich sein solle, habe er den Preis nicht verdient.

Das Nobel-Komitee in Oslo hatte die Entscheidung für Obama am Freitagvormittag bekanntgegeben - ohne den US-Präsidenten vorab zu informieren, wie es üblich ist. Das Komitee lobte Obamas außerordentliche Bemühungen um die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern. Er habe als Präsident ein neues Klima in der internationalen Politik geschaffen. "Seine Diplomatie beruht auf dem Konzept, dass diejenigen, die die Welt führen, dies auf der Grundlage von Werten und Haltungen tun müssen, welche von der Mehrheit der Weltbevölkerung geteilt werden."

Obama sagte, er sehe das nicht als "Anerkennung meiner eigenen Verdienste", sondern der von ihm gesetzten Ziele für die USA und die Welt. "Ich fühle nicht, dass ich es verdient habe, in einer Reihe mit so vielen Persönlichkeiten zu stehen, die mit diesem Preis geehrt wurden", erklärte er. Diese Auszeichnung müsse mit allen geteilt werden, "die nach Frieden und Gerechtigkeit streben", sagte der US-Präsident.

Gleichzeitig verwies Obama darauf, dass der Friedensnobelpreis in der Vergangenheit schon mehrmals verliehen worden sei, um bestimmte Prozesse zu fördern. Er sehe den Preis als "Aufruf zum Handeln, als Aufruf an alle Nationen, die gemeinsamen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzugehen." Diese könnten nicht von einer Führungsperson allein bekämpft werden.


Obama bekräftigte seine Forderung nach einer weltweiten Abrüstung von Atomwaffen. "Wir können nicht zulassen, dass Atomwaffen immer weiter verbreitet werden", hob er hervor. Alle Nationen hätten das Recht auf eine friedliche Nutzung der Atomkraft, damit aber auch die Verantwortung, ihre friedlichen Absichten zu demonstrieren.

Jedes Land müsse Verantwortung für den Frieden übernehmen. Keine Nation und kein Präsident könne diese Aufgabe allein schaffen. Ausdrücklich nannte Obama die atomare Abrüstung und den Konflikt zwischen Israelis und Palästina in Nahost. Einige Aufgaben würden sich aber nicht während seiner Amtszeit bewältigen lassen.

Komitee-Chef weist Kritik zurück

Der norwegische Komiteechef Thorbjørn Jagland sagte zu der Verleihung trotz der noch sehr kurzen Präsidentschaft Obamas: "Alles, was er in seiner Zeit als Präsident angepackt hat und wie sich das internationale Klima durch ihn verändert hat, reicht schon aus, um ihm dem Friedensnobelpreis zu verleihen." 108 Jahre lang habe das norwegische Nobelpreiskomitee versucht, genau jene internationale Politik anzuregen, für die Obama weltweit nun Wortführer sei, erklärte das fünfköpfige Nobelpreiskomitee. Besonderes Augenmerk habe man auf seine Bemühungen für eine atomwaffenfreie Welt gelegt.

Jagland begründete die Entscheidung für Obama mit dem aktuellen Handlungsdruck in der Weltpolitik. "Er hat den Preis bekommen, weil er das internationale Klima verändert hat." Zu der Kritik, der Preis komme für Obama zu früh, sagte Jagland, "in drei Jahren könnte es zu spät sein, das zu beantworten".

"Ein überraschender, aufregender Preis"

Weltweit ist die Auszeichnung von Obama mit Begeisterung und Verwunderung aufgenommen worden. Zahlreiche Politiker und ehemalige Preisträger begrüßten die Entscheidung, äußerten aber auch Zweifel. Unter den Staats- und Regierungschefs brachte Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg die gemischten Gefühle auf den Punkt: "Das ist ein überraschender, ein aufregender Preis. Es wird sich zeigen müssen, ob Obama seine Ziele bei Versöhnung, Frieden und nuklearer Abrüstung erreichen wird."

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach hingegen von einer "großartigen Auszeichnung". Obama sei es in kurzer Zeit gelungen, weltweit einen neuen Ton zu setzen und Gesprächsbereitschaft zu schaffen. "Ich glaube, wir sollten ihn alle unterstützen dabei, Frieden auf der Welt noch besser möglich zu machen", sagte Merkel.

Obama spendet Preisgeld wohltätigen Zwecken

Nach den Worten seines Top-Beraters David Axelrod wurde der US-Präsident selbst völlig überrascht. "Obama konnte damit nicht rechnen", sagte Axelrod. "Aber der Welt sind die Anliegen wichtig, die er vorantreibt."

Die Ehrung sei eine Anerkennung der Themen, die Obama in den ersten neun Monaten seiner Amtszeit auf internationaler Ebene angestoßen habe. Ausdrücklich nannte Axelrod die Bemühungen um eine Verbesserung der internationalen Beziehungen und den Kampf gegen den Klimawandel.

Sein Preisgeld von einer Million Euro will Obama wohltätigen Zwecken spenden. Das teilte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, am Freitag mit. An welche Organisationen die Spende gehen soll, habe der Präsident noch nicht entschieden.

cte/Reuters/dpa/ddp

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Hintergründe, Artikel, Fakten

finden Sie auf den Themenseiten zu...



VOTE

Vote
Friedensnobelpreis für Obama

US-Präsident Barack Obama hat den Friedensnobelpreis 2009 bekommen. Wie stehen Sie zu der Entscheidung der Jury?

  • Finde ich richtig
  • Hat er nicht verdient
  • Die Ehrung kommt zu früh.
  • Ist mir egal.

NOBELPREIS FÜR OBAMA - REAKTIONEN DER US-PRESSE

"New York Times": "Futter für Kritiker"

Selbst die dem US-Präsidenten wohlgesonnene "New York Times" äußert Bedenken an der Entscheidung des Osloer Komitees, den Friedensnobelpreis an Barack Obama zu vergeben. "Für Obama könnte die Auszeichnung zur Bürde werden. Obama hatte sich schon im Wahlkampf Vorwürfe anhören müssen, er setze zu viel auf internationale Popularität und verschleiere damit politische Inhalte. Ein Friedensnobelpreis in seinem Alter, nach nur neun Monaten im Amt gibt seinen Kritikern neues Futter."

Associated Press: "Kein Grund stolz zu sein"

"Times": "Absurd"

"Economist": "Viel zu früh"

"Guardian": "Mühelos verdient"

"Time Magazine": "Das reicht nicht"

"Washington Post": "Lächerlich, peinlich"

"Wall Street Journal": "Wofür?"


EHRUNG MIT WELTRANG - DIE NOBELPREISE

Der Stifter

Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) einen Konflikt lösen, der sein Leben bestimmte: Der Dynamit-Erfinder konnte nicht verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde. Als "Wiedergutmachung" vermachte er sein Vermögen einer Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden sollten, die "im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben". Nobel selbst hatte mehr als 350 Patente angemeldet.

Die Auszeichnungen

Die Kategorien

Die Alternativen


BUCHTIPP

Claus Christian Mahlzahn: "Über Mauern"

Warum das Leben im Schatten des Schutzwalls eine sonnige Sache war

Wjs Verlag, 104 Seiten, 14,90 Euro.

Einfach und bequem: Direkt im SPIEGEL- Shop bestellen






Service von SPIEGEL-ONLINE-Partnern