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12.10.2009
 

Karrierewunder Schwarzenegger

Hackordnung in Arnieland

Politiker Schwarzenegger: Gouvernator im Golden State
Fotos
REUTERS

Macht ist Selbstzweck, Politik eigentlich Nebensache: Arnold Schwarzenegger kämpfte sich mit eiserner Disziplin nach oben, schreibt SPIEGEL-Reporter Marc Hujer. Auch im Freundeskreis legt der "Gouvernator" Wert auf eine klare Rangordnung.

Arnold Schwarzeneggers Freunde scharen sich um den Gouvernator wie ein Hofstaat um seinen König. Ralf Moeller ist immer dabei, der deutsche Bodybuilder und Hollywood-Schauspieler, der Steirer Dieter Rauter, der in Filmzeiten Schwarzeneggers Lichtdouble war, der amerikanische Unternehmer Daniel Marshall, der Schwarzeneggers Humidore fertigt, und Franco Columbu, der Bodybuilding-Freund aus Münchner Zeiten.

Manchmal kommt auch Sylvester Stallone dazu, der einstige Action-Konkurrent, der Schauspieler Tom Arnold oder Talkmaster Jay Leno. Aber die haben nicht immer Zeit, sie sind ja selbst ziemlich wichtig und haben ihre eigenen Kreise.

Mit seinen Freunden geht Schwarzenegger shoppen, schaut Kinofilme, erzählt Witze. Zum Mittagessen trifft er sie im Restaurant "Caffe Roma" in Beverly Hills, zum Rauchen im "Havana Room" oder abends zu Hause. Sie bilden ein festes Ritual, diese Treffen mit den Freunden, an immer gleichen Orten, zu immer gleichen Zeiten. Es gilt eine klare Rangordnung, das macht alles so verlässlich.

Das "Caffe Roma" ist das Zentrum des Schwarzenegger-Kults, ein Restaurant, das seit weniger von der Qualität der Gerichte als vielmehr davon lebt, dass man dort Zigarren rauchen darf. Im "Caffe Roma" wird zusammengetragen, was sich zuletzt im Arnieland abgespielt hat, hier kann man vertraulich sprechen, hier kommen alle zusammen: alte Konkurrenten und neue Freunde, Arme, Reiche, Erfolgreiche, Durchschnittsmenschen. Wenn man ein Freund ist und von Arnold Schwarzenegger etwas will, dann ist der Besuch im "Roma" am Wochenende der Jour fixe, den man nicht verpassen sollte.

Arnies Freund zu sein, ist Geld wert

Die Anziehungskraft des Zirkels ist enorm, denn wer dazugehört, hat es geschafft. Plötzlich eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten: Man bekommt Zugang zu Politikern, erhält Werbeverträge, Buchverträge - wenn man nur will. Arniefreund zu sein ist wie Franchise, eine Art Nutzungsrecht an der Marke Arnold, man ist überall geachtet, man kann Geld verdienen.

Zu jedem Lebensabschnitt gibt es einen Freund: Ralf Moeller, der deutsche Schauspieler in Hollywood, mit dem er jeden freien Abend zusammen trainiert; Daniel Marshall, der sich besser als jeder andere in Beverly Hills auskennt; Dieter Rauter, der Schwarzenegger beim Training im "World Gym" getroffen hat und mit dem er an die tausend Schachpartien im Jahr spielt. Aber keiner in Los Angeles kennt Schwarzenegger so lange wie Franco Columbu, sein italienischer Kumpel aus München.

Columbu ist ganz anders als Schwarzenegger, viel kleiner, so breit wie hoch. Columbu hat keine große Karriere neben dem Bodybuilding gemacht, sondern eine solide Ausbildung als Heilpraktiker absolviert. Er führt jetzt eine eigene Praxis in Los Angeles und sitzt im Vorstand des Physiotherapeuten-Verbandes in Sacramento. In jüngeren Jahren hat er es mit einem Rekord im Wärmflaschen-Aufblasen sogar einmal ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft. Als Schwarzenegger dann 1986 die Nichte von John F. Kennedy Maria Shriver heiratete, staunte die Welt, wen er da einlud. Ein bisschen bizarr, wie Franco Columbu, der knorrige Muskelmann, als Trauzeuge neben Caroline Kennedy stand.

Er hat viele Freunde auf der Strecke gelassen

In gewisser Weise steckt von jedem Freund ein Stück in Schwarzenegger. Aber anders als seine Freunde hat er sich immer weiter verändert, hat die Vergangenheit hinter sich gelassen, hinter sich lassen müssen, weil die Leben, die er gelebt hat, nicht kompatibel sind. Sie schließen sich gegenseitig aus, da sie jeweils eigenen Regeln gehorchen. Jedes Leben hat seine eigene Wahrheit, seine eigenen Übertreibungen, Fehltritte.

Es gehört zu seinem Überlebensprinzip, dass er einiges vergisst und, soweit möglich, nicht mehr darüber spricht. Als Bodybuilder redete er freizügig über Sex, um seinen Sport zu vermarkten, er brüstete sich öffentlich mit Frauengeschichten, ja mit Gruppensex, um Aufmerksamkeit zu erregen. Als Politiker kommen ihm diese Geschichten in die Quere.

Weil er sich stets neu erfinden musste, hat er auch viele Freunde auf der Strecke gelassen. Rolf Putziger zum Beispiel, der deutsche Fitnessstudiobesitzer, der ihn von Österreich nach München holte, Joe Weider, der Bodybuilding-Promoter in Amerika, George Butler, Fotograf und Pumping-Iron-Regisseur, Dino de Laurentiis, der die "Conan"-Filme mit Schwarzenegger drehte und ihm damit zu Weltruhm verhalf - sie alle glaubten, ein Recht auf ihn und seinen Erfolg zu haben und mit ihm ganz nach oben zu kommen. Aber er wollte unabhängig bleiben, seinen eigenen Weg gehen.

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Zum Autor

Clemens Höges
Marc Hujer, geboren 1968, begann seine journalistische Laufbahn bei der "Süddeutschen Zeitung", zunächst im Bonner Hauptstadtbüro, später in Berlin. Von 2000 bis 2005 war er Korrespondent für die "Süddeutsche Zeitung" in Washington. Seit 2005 ist er als Reporter für den SPIEGEL tätig, zuerst im Hauptstadtbüro Berlin, seit 2006 im Auslandsressort.



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