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15.10.2009
 

Armut

Bill Gates schenkt Hungernden 300 Millionen

Von Petra Bornhoeft

Milliardär Bill Gates: Big Spender
Fotos
REUTERS

Microsoft-Gründer Bill Gates fordert die G-20-Staaten auf, ihre finanziellen Versprechen im Kampf gegen den weltweiten Hunger einzuhalten. Er selbst will 300 Millionen Dollar an arme Kleinbauern in Afrika und Indien verschenken - davon profitiert auch eine umstrittene Organisation.

Berlin - Bisher unterstützt die vom Ehepaar Bill und Melinda Gates 1999 gegründete Stiftung vor allem die Behandlung und Bekämpfung von Krankheiten in Entwicklungsländern. Doch nun wollen sich die Wohltäter verstärkt im Kampf gegen den globalen Hunger engagieren. Hilfe ist bitter nötig. 1,02 Milliarden Menschen leiden unter chronischem Hunger und Armut, wie die Welternährungsorganisation (FAO) am Mittwoch mitteilte.

"Melinda und ich glauben, dass der stärkste Hebel für die Verringerung von Hunger und Armut darin besteht, die Ernten der Kleinbauern zu vergrößern und ihnen Zugang zu den Märkten zu verschaffen", so Gates. Es sei ein großer Fortschritt, dass sich die internationale Gemeinschaft nach nunmehr zwei Jahrzehnten endlich um die ländliche Entwicklung kümmere. Aber nachdem die G-20-Staaten kürzlich rund 22 Milliarden Dollar für arme Kleinbauern in den Entwicklungsländern binnen der nächsten drei Jahre versprochen hätten, müssten sie nun ihre Zusagen präzisieren: "Sie müssen sagen, was die 22 Milliarden Dollar konkret bedeuten, wie viel davon ist altes, früher zugesagtes Geld, wie viel ist neu, wie bald wird das Geld ausgegeben, und wann werden sie mehr tun".

Die Gates-Foundation selbst (Stiftungsvermögen 30 Milliarden US-Dollar) hat bisher mit insgesamt 1,4 Milliarden Dollar die ländliche Entwicklung gefördert. Das jährliche Budget von etwa 300 Millionen Dollar wird auch in diesem Jahr stabil gehalten. Mit dem Geld unterstützt die Stiftung beispielsweise ein Rundfunk-Projekt, mit dessen Hilfe 1,6 Millionen Kleinbauern in Afrika über das Radio Zugang zu Informationen für ihre Arbeit bekommen können. In Uganda soll die verbilligte Nutzung von Handys modellhaft für Kleinbauern in Subsahara erprobt werden. Neben Investitionen in die Erforschung von Produktivitätssteigerungen beim Anbau von Hirse oder Süßkartoffeln werden Programme für Schulspeisung oder die Ausbildung von Bäuerinnen im Boden und Wassermanagement finanziert.

"Die nächste grüne Revolution muss grüner werden"

Einer der größten Teilbeträge, 15 Millionen Dollar, fließt an Kofi Annans "Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika" (AGRA), die sich insbesondere der Steigerung der Produktivität in der Landwirtschaft widmet. Zu deren Sponsoren gehören neben der Gates-Foundation die Rockefeller-Stiftung, die Entwicklungsbehörden der britischen und der US-Regierung.

Im Kreis der Entwicklungspolitiker ist AGRA umstritten, weil die finanzstarke Organisation angeblich mit dem industriellen Agro-Business verbandelt und womöglich ein Trojanisches Pferd für die Einführung und Verbreitung der Gentechnik ist, argwöhnen Kritiker. "Unsere Mission ist es nicht, für oder gegen die Gentechnik zu plädieren", heißt es zurückhaltend bei AGRA, die Regierungen müssten darüber entscheiden.

Gates lehnt die Grüne Revolution in Asien und Lateinamerika während der sechziger bis achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts als Vorbild ab. Trotz der unbestrittenen Erfolge für Ernährung und ökonomische Entwicklung in Asien dürften keinesfalls die Fehler des übermäßigen Gebrauchs von Düngemitteln und bei der Bewässerung wiederholt werden. "Die nächste grüne Revolution muss grüner werden als die erste", sagt Gates, "sie muss gesteuert werden von den Kleinbauern, angepasst sein an die lokalen Bedingungen, und sie muss nachhaltig sein für Wirtschaft und Umwelt."

Gegenwärtig werde der Kampf gegen den globalen Hunger behindert durch einen "ideologischen Keil": Zur Steigerung der Produktivität setzten manche auf Technologie, ohne Umwelt und Nachhaltigkeit genügend Beachtung zu schenken. Andere Gruppen reagierten ablehnend gegenüber jeder Anstrengung zur Steigerung der Produktivität. "Das ist eine falsche Alternative ", so Gates, "wir brauchen beides, Produktivität und Nachhaltigkeit - und das ist möglich."

Im November wollen Staats- und Regierungschefs beim Welternährungsgipfel in Rom erneut über Auswege aus der katastrophalen Situation beraten. Bill Gates machte den Staaten am Donnerstag bei einem Experten-Symposium in Des Moines im US-Staat Iowa Druck: Er forderte eine Gemeinschaftsaktion der Regierungen, Geber, Forscher, Bauernorganisationen und Umweltschützer zur Unterstützung der ärmsten Bauern der Welt.

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