Von Hasnain Kazim, Kabul
Die Nachrichten von Selbstmordattentaten, Bombenanschlägen und bewaffneten Angreifern in Pakistan reißen nicht ab. Am Donnerstag attackierten Terroristen in der ostpakistanischen Kulturmetropole Lahore drei Polizeieinrichtungen. Sie drangen unter anderem in eine Polizeiakademie ein und nahmen dort mehrere Menschen als Geiseln. Erst am Donnerstagabend gelang es Sicherheitskräften, die Geiseln zu befreien und fünf Terroristen zu töten.
Nach offiziellen Angaben starb auch mindestens ein Polizist. Im Gebäude der Bundespolizei FIA kamen bei einem Schusswechsel vier Staatsbedienstete sowie ein Passant ums Leben, auch zwei Angreifer wurden getötet. Am dritten Tatort, einer Polizeischule am Stadtrand, wurden nach Angaben des pakistanischen Fernsehsenders Dawn News fünf Polizisten und vier Angreifer getötet.
In der nordwestpakistanischen Stadt Kohat kamen mindestens zehn Menschen ums Leben, als nahe einer Polizeistation eine Autobombe explodierte. Polizeichef Dilawar Bangash erklärte vor Journalisten, es habe sich um ein Selbstmordattentat gehandelt. Unter den Toten seien auch mehrere Kinder, hieß es. Genauere Angaben machte er nicht. In Kohat waren erst Mitte September mehr als 30 Menschen ums Leben kommen, als ein Selbstmordattentäter sich in seinem Geländewagen in die Luft sprengte.
Auch die Stadt Peschawar wurde am Donnerstagnachmittag von einer gigantischen Explosion erschüttert. Über die Zahl der Opfer ist bislang nichts bekannt. Es werden aber noch mehrere Menschen unter den Trümmern eines Gebäudes vermutet, das durch die Explosion zerstört worden war. Nach Polizeiangaben hat sich auch in der Hauptstadt der umkämpften Nordwestprovinz ein Selbstmörder in einem Auto in die Luft gesprengt.
Ersten Schätzungen zufolge starben am Donnerstag bei Terroranschlägen mindestens 40 Menschen, mehr als hundert wurden verletzt. Bereits am Vormittag waren die Kontrollen auf den Straßen in allen größeren Städten verschärft worden. In Peschawar galt bereits vor dem Anschlag höchste Alarmstufe, weil es angeblich Erkenntnisse darüber gab, dass Terroristen in die Stadt gekommen seien. Auch in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad waren die Kontrollen verschärft worden. Aus Polizeikreisen hieß es, es gebe eine Terrordrohung gegen das Parlament.
Taliban beginnen Guerillakrieg gegen Pakistan
Pakistans Innenminister Rehman Malik erklärte, die Taliban hätten einen Guerillakrieg gegen Pakistan begonnen. "Die Nation sollte jetzt vereint zusammenstehen gegen diese Handvoll Terroristen, und mit Gottes Willen werden wir sie besiegen."
Die Regierung von Pakistan plant nach ihrer erfolgreichen Offensive gegen die Taliban im Swat-Tal im Sommer nun auch eine Militäroperation in der nordwestpakistanischen Bergregion Waziristan. Geplant ist demnach zunächst ein Einmarsch der Armee in Südwaziristan. Bis zu 10.000 Taliban werden in der gesamten Region vermutet, nach Angaben der Armee sollen dort bereits knapp 30.000 Soldaten zusammengezogen worden sein. Man sei jederzeit zum Angriff bereit und warte nur noch auf den Einsatzbefehl des Armeechefs General Ashfaq Parvez Kayani.
Die Taliban haben die Regierung und das Militär gewarnt, eine solche Offensive zu starten. Für einen solchen Fall haben sie mit noch mehr Anschlägen gedroht, insbesondere in den Großstädten. Die Terrorserie am Donnerstag demonstriert, dass die Extremisten trotz verschärften Anti-Terror-Kriegs in der Lage sind, ihren Kampf landesweit zu organisieren und Schrecken zu verbreiten. Am Abend, zur besten Geschäftszeit in Pakistan, waren in den drei von Anschlägen betroffenen Städten die meisten Geschäfte geschlossen, die Straßen leer.
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