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16.10.2009
 

Afghanistan

Karzai-Vertrauter rechnet mit Stichwahl

Erstmals hat ein Vertrauter von Afghanistans Präsident Karzai eine Stichwahl nach dem umstrittenen Ergebnis der Präsidentschaftswahl ins Gespräch gebracht: Er halte dies für ein "wahrscheinliches Szenario", sagte Said Tajeb Dschawad, afghanischer Botschafter in den USA.

Kabul/Washington - Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat bei der Wahl vor knapp zwei Monaten offensichtlich eine absolute Mehrheit verfehlt. Das berichten "Washington Post" und "New York Times" mit Hinweis auf die Untersuchungen über Betrügereien bei der Wahl. Damit wäre laut Verfassung eine Stichwahl zwischen ihm und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah notwendig. Die "Washington Post" schreibt, die Analyse der Uno-unterstützten Beschwerdekommission (ECC) führe zu einem Abzug von Stimmen bei Karzai, der dann nur noch auf rund 47 Prozent komme. Die "New York Times" meldet, nach dem korrigierten Ergebnis gehe man davon aus, dass Karzai nur 48 Prozent der Stimmen bekommen habe.

Die ECC will ihre Untersuchung an diesem Samstag der Wahlkommission (IEC) in Kabul vorlegen und veröffentlichen. Die IEC muss danach ein entsprechend angepasstes amtliches Endergebnis verkünden. Sie hat aber offengelassen, wie viel Zeit sie sich dafür nehmen wird. Nach dem Mitte September verkündeten vorläufigen Endergebnis hatte Karzai 54,6 Prozent der Stimmen und damit eine absolute Mehrheit bereits im ersten Wahlgang erhalten. Abdullah folgte mit 27,8 Prozent. Bei der Wahl war es nach Angaben der Vereinten Nationen zu massivem Betrug gekommen.

Die meisten verdächtigen Stimmen hatten EU-Wahlbeobachter Karzai angelastet. Die ECC überprüft die Vorwürfe stichprobenartig. Sollte kein Kandidat eine absolute Mehrheit haben, sieht Artikel 61 der Verfassung eine Stichwahl binnen zwei Wochen vor.

Der afghanische Botschafter in den USA bezeichnete eine Stichwahl nach dem umstrittenen Wahlergebnis in Afghanistan als "wahrscheinliches Szenario". Ein möglicher zweiter Wahlgang müsse jedoch rasch stattfinden, um Staaten wie die USA, die derzeit über eine Truppenaufstockung beraten, nicht in Schwierigkeiten zu bringen, sagte Said Tajeb Dschawad am Donnerstag in Washington. "Anfang November ist der spätmöglichste Zeitpunkt, da es danach besonders im Norden Afghanistans zu kalt wird", sagte Dschawad. Sollte eine Stichwahl gar wegen des Winters auf den Frühling verschoben werden, werde das zu einem "Desaster und zu Verwirrungen" führen.

Der Botschafter gilt als erster Vertrauter Karzais, der öffentlich von dieser Möglichkeit spricht.

hen/dpa/AFP

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