Von Gregor Peter Schmitz, Washington
Die USA haben ihre Bereitschaft bekräftigt, mit Hamid Karzai nach dessen möglicher Wiederwahl als Präsident Afghanistans weiter zusammen zu arbeiten. "Wenn er die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen für sich entscheidet, freuen wir uns auf die Arbeit mit ihm", sagte Richard Holbrooke, der US-Sonderbeauftragte für Afghanistan und Pakistan, vor Journalisten in Washington. Mit Karzai könne er sich die Zusammenarbeit auch persönlich weiterhin gut vorstellen. "Ich habe kein Problem mit ihm. So einfach ist das", sagte Holbrooke.
Am 7. November soll die Stichwahl zwischen Karzai und seinem Herausforderer Abdullah Abdullah in Afghanistan stattfinden. Der amtierende Präsident hatte dem Votum auf Druck der USA und anderer Nationen diese Woche zugestimmt, nachdem Unregelmäßigkeiten bei seinem angeblichen Sieg in der ersten Runde offenkundig geworden waren. Karzais Verhältnis zur Obama-Regierung gilt aufgrund von Korruptionsvorwürfen gegen ihn als sehr angespannt. In einem Interview mit dem Fernsehsender CNN stellte Karzai am Freitag die Zuverlässigkeit westlicher Staaten als Partner in Frage. Gleichzeitig räumte er zwar "einige Fehler" bei der Präsidentschaftswahl im August ein, betonte aber, dass er der Stichwahl ausschließlich wegen der Stabilität seines Landes zugestimmt habe.
"Wir haben viel Dramatisches erlebt in den vergangenen Wochen", sagte Richard Holbrooke. "Aber entscheidend ist, dass der Prozess am Ende funktioniert hat. Wir sind nun genau dort, wo wir sein sollten."
Der Sonderbeauftragte äußerte sich optimistisch, dass die zweite Abstimmung fairer verlaufen werde. "Ich werde nicht vorhersagen, was passieren wird", sagte Holbrooke zwar. Doch gebe es guten Grund zum Optimismus. Diesmal stünden nur noch zwei Kandidaten zur Wahl, man könne sich auf die Erfahrung der ersten Runde stützen - und es seien noch mehr westliche Soldaten im Land, welche die Sicherheit der Wählenden garantieren könnten.
Fragen, ob das Weiße Haus bereits eine Entscheidung über die Entsendung weiterer US-Truppen getroffen habe, wich Holbrooke aus. "Wir stecken mitten in einer sehr intensiven Überprüfung unserer Strategie", sagte er, "ich möchte in keiner Weise die Optionen des Präsidenten beschränken, in dem ich mich zu einer Lösung äußere." Der US-Oberbefehlshaber in Afghanistan, Stanley McChrystal, hatte öffentlich Zehntausende Truppen mehr gefordert, Präsident Barack Obama wird eine Entscheidung wohl erst nach der zweiten Abstimmungsrunde in Afghanistan treffen.
Holbrooke weist Kritik an seiner Person zurück
Holbrooke ging auch kurz auf die Lage im benachbarten Pakistan ein. Die dortige Regierung hatte Washington heftig kritisiert, weil sie Auflagen bei der Vergabe eines Milliardenhilfspakets des US-Kongresses als demütigend empfand. "Diese Diskussion ist vorbei", sagte Holbrooke - er betonte, dass in den nun vom Kongress verabschiedeten Hilfspaketen keine Bedingungen für Pakistan vorgesehen seien. Außenministerin Hillary Clinton werde bald nach Islamabad reisen und die Führung des Landes treffen.
Kritik an seiner eigenen Rolle als US-Sonderbeauftragter für Afghanistan und Pakistan wies Holbrooke zurück. Die "New York Times" hatte gerade in einem Kommentar bemängelt, Holbrooke habe zwar eine große Bürokratie aufgebaut, sei jedoch kaum öffentlich präsent. Die Verhandlungen mit Karzai über die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen führte John Kerry, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im US-Senat. Beobachter verwiesen darauf, Holbrooke könne mit Karzai gar nicht mehr verhandeln, weil seine Beziehung zu ihm zu angespannt geworden sei.
Holbrooke widersprach: Er sei vollauf beschäftigt, die Überprüfung der US-Strategie in Afghanistan und Pakistan für Clinton und Obama vorzubereiten.
Mit Material von Reuters
Auf anderen Social Networks posten:
Für einen „Abzug“ muß es ja erst einmal einen Grund geben und der kann nur in der Erreichung der Ziele im Land selber liegen. Eine Beendigung des militärischen Einsatzes wegen einer instabilen Lage, wegen der zur Zeit schlechten [...] mehr...
Solange Sie Untersuchungskommissionen fordern und nicht die erforderlichen Beweise vorlegen, bleibe ich bei meiner Version. Es hat den amerikanischen Frontenwechsel in Afghanistan gegeben. Schauen Sie sich doch Dostum & [...] mehr...
Der Zustand des afghanischen Straßen- und Wegenetzes lässt wohl eher nicht vermuten, dass diese Art von Gebühren zweckgebunden zum Straßenunterhalt erhoben werden, von Autobahnen ganz zu schweigen. Wenn Sie schon Vergleiche mit [...] mehr...
Ja für Abzug, aber mit Zeitplan und mit Ziel, nicht einfach wegrennen. Dafür ist zu spät. mehr...
Lieber Sumerer, das ist nicht zu bestreiten. Bleibt die Frage ... Na ja, wessen „Geständnisse“ ? Meinen Sie jene, die nach 183facher Anwendung der Wasserfolter [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Präsidentschaftswahlen in Afghanistan 2009 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH