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25.10.2009
 

Zeitungsbericht

Obama will Kopenhagener Klimagipfel schwänzen

Klima-Demonstrant in Paris: Weltweit gingen am Wochenende Tausende für den Klimaschutz auf die Straße
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AP

Klima-Demonstrant in Paris: Weltweit gingen am Wochenende Tausende für den Klimaschutz auf die Straße

Es wäre ein verheerendes Zeichen: Presseberichten zufolge will US-Präsident Obama nicht am Weltklimagipfel in Kopenhagen teilnehmen. Sein Fehlen wäre ein herber Rückschlag für die Konferenz. Weltweit warben Demonstranten am Wochenende für mehr Umweltschutz.

Washington/Berlin - Es wäre ein Paukenschlag und würde die sowieso nur noch geringen Erwartungen an den Klimagipfel in Kopenhagen weiter senken: Laut der britischen Tageszeitung "The Times" wird Barack Obama wahrscheinlich nicht zu der Weltkonferenz reisen. Stattdessen, so heißt es in dem Bericht weiter, wolle sich Obama bei seiner Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises am 10. Dezember in Oslo auf Klima- und Umweltfragen konzentrieren. Eine Bestätigung des Weißen Hauses gibt es bisher dafür nicht. Allerdings war zuvor schon bekannt geworden, dass Obama eine Reise nach Kopenhagen von substantiellen Fortschritten bei der Vorbereitung des Klimagipfels abhängig machen wolle.

Der US-Präsident selbst hatte erst vor wenigen Tagen ein positives Zeichen gesetzt. Obama vereinbarte mit Chinas Staatspräsident Hu Jintao eine gemeinsame diplomatische Initiative. In einem Telefongespräch hätten Obama und Hu beschlossen, die gemeinsamen Anstrengungen für ein Klimaschutzabkommen zu verdoppeln, teilte das Weiße Haus mit. Gemeinsames Ziel sei die Reduktion der Treibhausgase. Obama habe die Bedeutung eines globalen Klimaabkommens hervorgehoben. Deshalb müssten Peking und Washington am gleichen Strang ziehen und Führungsstärke zeigen.

Im eigenen Land stößt Obama mit seinem Engagement für den Klimaschutz auf massive Widerstände. Zwar verspricht seine Regierung die Hinwendung zum Klimaschutz. Es ist aber fraglich, ob Obama im Kongress eine Mehrheit für ein entsprechendes Gesetz bekommt. Der Senat will am Dienstag mit den Beratungen beginnen. Niemand glaubt mehr daran, dass die USA in Kopenhagen ein eigenes Klimagesetz werden präsentieren können.

Die Klimaschützer in den USA müssen gegen eine mächtige Lobby ankämpfen: Die US-Handelskammer. Sie ist eine der einflussreichsten Interessenvertretungen an der Schnittstelle von Politik und Wirtschaft und macht mit einer millionenschweren Werbekampagne gegen den angeblich konjunkturschädigenden Klimaschutz mobil.

Klimaschützer demonstrieren rund um die Erde

Weltweit sinken die Hoffnungen bei Klimaschützern, dass in Kopenhagen ein Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll verabschiedet werden kann. Aktivisten rund um den Globus machen regelmäßig mit Aktionen auf die Wichtigkeit des Themas aufmerksam. So auch wieder an diesem Wochenende. Klimaschützer warben unter anderem am Kilimandscharo in Ostafrika, bei den Pyramiden in Ägypten, in Indien, Australien, aber auch in Berlin für eine sauberere Umwelt. Dies dokumentierte die Organisation 350.org auf ihrer Internetseite. Mehr als 5400 Versammlungen, Aktionen und Demonstrationen weltweit waren geplant.

Im Mittelpunkt stand die Zahl 350: Laut Organisatoren soll die Belastung der Luft mit dem Treibhausgas Kohlendioxid auf 350 Teile pro Million Teile Luft (ppm) reduziert werden. Der Wert derzeit liege bei 387 Teilen pro Million. In Berlin trafen sich rund 350 mit Masken als Angela Merkel verkleidete Demonstranten und verlangten von der Kanzlerin: "Angie, werde Klimakanzlerin." Merkel solle persönlich am Uno-Klimagipfel im Dezember in Kopenhagen teilnehmen, forderten die "Klimapiraten".

Dänemarks Regierungschef Lars Løkke Rasmussen will sich als Gastgeber bei der Kopenhagener Klimakonferenz für ein juristisch bindendes und schon ab 2010 geltendes Klimaabkommen einsetzen. Rasmussen kündigte dazu am Samstag die Bildung eines Sonderkreises mit mehreren Staats- und Regierungschefs an, der ab sofort wöchentliche Videokonferenzen abhalten soll. Als erste Teilnehmer nannte Rasmussen Australiens Ministerpräsident Kevin Rudd und den mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón.

Für Siemens-Chef Peter Löscher ist der Klimagipfel im Dezember "die vielleicht wichtigste Zusammenkunft, die die Vereinten Nationen je veranstaltet haben". In einem Beitrag für den Berliner "Tagesspiegel" am Montag schreibt Löscher, die angestrebte verbindliche Vereinbarung von Klimazielen werde "eine politische Herkulesaufgabe". Nicht minder groß sei die Herausforderung, sie dann auch umzusetzen.

Bundespräsident Horst Köhler forderte die Deutschen am Sonntag angesichts des Klimawandels zu einem grundlegend anderen Lebensstil auf. "Es ist Zeit, darüber nachzudenken, ob ein schlichtes "Immer mehr"-Denken die Zukunft gewinnen kann", sagte Köhler in Berlin anlässlich der Verleihung des Deutschen Umweltpreises. Er verlieh die Auszeichnung an Angelika Zahrnt, von 1998 bis 2007 Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), und an Bo Barker Jørgensen, Direktor des Max-Planck-Instituts für marine Mikrobiologie in Bremen.

ler/dpa/AFP

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