Sonntag, 22. November 2009

Politik



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26.10.2009
 

Tribunal in Den Haag

Karadzic boykottiert seinen Kriegsverbrecherprozess

Einer der größten Völkermord-Prozesse am Uno-Balkan-Tribunal beginnt - doch der Angeklagte kam nicht ins Gericht. Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic beklagte sich, er habe zu wenig Zeit gehabt, seine Verteidigung vorzubereiten. Er blieb in seiner Zelle.

Den Haag - Die Welt schaut auf das Uno-Tribunal Den Haag - doch Radovan Karadzic hat es an diesem Montagmorgen vorgezogen, in seiner Zelle des Untersuchungsgefängnisses zu bleiben. Der frühere bosnischen Serbenführer boykottierte damit den Völkermord-Prozess, der vor dem Uno-Strafgerichtshof in Den Haag gegen ihn eröffnet wurde.

"Ich stelle fest, dass Herr Karadzic nicht anwesend ist", sagte der Vorsitzende Richter O-Gon Kwon. Der Angeklagte habe sich trotz einer dringenden Aufforderung des Gerichtshofes entschieden, nicht an der Eröffnungssitzung teilzunehmen. Der Prozess wurde kurz nach Beginn vertagt, am Dienstag soll er mit der Eröffnungserklärung der Anklage fortgesetzt werden. Es wird erwartet, dass dies rund zwei Tage dauert.

Die deutsche Staatsanwältin Hildegard Uertz-Retzlaff beantragte im Namen der Anklage, dass Karadzic das Recht entzogen wird, sich selbst zu verteidigen. Das Gericht müsse stattdessen einen Pflichtverteidiger für ihn bestellen. Karadzic versuche mit einer Blockadehaltung, den Prozess gegen ihn massiv zu behindern. Dies dürfe nicht hingenommen werden.

Karadzic hatte in der vergangenen Woche erklärt, ihm sei nicht genügend Zeit zur Vorbereitung seiner Verteidigung eingeräumt worden. Richter O-Gon Kwon wies dies als unbegründet zurück.

Karadzic ist wegen Kriegsverbrechen während des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995 angeklagt. Darunter ist auch das Massaker von Srebrenica, bei dem 1995 etwa 8000 muslimische Männer und Jungen getötet wurden.

Der 64-Jährige bestreitet die Anklagevorwürfe. Der Angeklagte war 2008 nach elfjähriger Flucht verhaftet worden. Während dieser Zeit lebte er als Heilpraktiker unter falschem Namen in Serbien.

Karadzic war im Juli 2008 in Belgrad verhaftet und an den Gerichtshof in Den Haag ausgeliefert worden. Er hatte seitdem Zeit, sich auf den Prozess vorzubereiten.

hen/dpa/Reuters

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DIE ANKLAGE GEGEN KARADZIC

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40 Seiten umfasst die Anklageschrift gegen Karadzic, hinzu kommen rund 1,2 Millionen Seiten mit Dokumenten zur Beweisführung. Karadzic droht lebenslange Haft. Er soll gemeinsam mit anderen Tätern in zwei großen Fällen Völkermord an Teilen der muslimischen sowie der kroatischen Bevölkerung von Bosnien-Herzegowina geplant und befohlen haben. Außerdem wird ihm vorgeworfen, zu derartigen Verbrechen angestiftet und sie begünstigt zu haben. Ziel sei es gewesen, bosnische Muslime und Kroaten zu vernichten oder für immer aus Gebieten zu vertreiben, die die bosnischen Serben beanspruchten.

Die Staatsanwaltschaft fasst zum einen zahlreiche Orte zusammen, in denen Völkermord verübt worden sei. Darüber hinaus lastet sie Karadzic eines der grausamsten Verbrechen des Bosnienkrieges an: Er soll das Massaker an bis zu 8000 muslimischen Männern und Jungen in Srebrenica im Juli 1995 geplant und angeordnet haben.

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Völkermord

DPA
Völkermord ist der Rechtsbegriff für das schlimmste denkbare Verbrechen - Handlungen mit dem Ziel, ein Volk, eine Ethnie oder auch eine Glaubensgemeinschaft zu vernichten. Das Massaker von Srebrenica, bei dem im Juli 1995 rund 8000 muslimische Jungen und Männer ermordet wurden, wird von internationalen Strafrechtlern als ein solches Verbrechen eingestuft. Der am Montag verhaftete ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic gilt zusammen mit seinem noch flüchtigen einstigen Militärchef Ratko Mladic als Hauptverantwortlicher für das Massaker.

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