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27.10.2009
 

Terrorpropaganda

Al-Qaida recycelt Bin-Laden-Rede zum Karikaturenstreit

Von Yassin Musharbash

Terrorchef bin Laden (undatiertes Foto): Neues Signal al-Qaidas an Deutschland?Zur Großansicht
AP

Terrorchef bin Laden (undatiertes Foto): Neues Signal al-Qaidas an Deutschland?

"Die Abrechnung wird schwer sein": Al-Qaidas Propagandaabteilung hat eine Rede von Osama Bin Laden zum Karikaturenstreit veröffentlicht. Neu ist allerdings nicht der Inhalt, sondern der deutsche Untertitel. Die Ansprache war auf Arabisch bereits im März 2008 publiziert worden.

Berlin - Das Terrornetzwerk al-Qaida hat eine über ein Jahr alte Rede von Osama Bin Laden am Dienstag ein zweites Mal veröffentlicht, dieses Mal allerdings mit deutschen Untertitel. In der gut fünf Minuten langen Ansprache, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, droht der Qaida-Chef Vergeltung für die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeitungen an: "Wenn eure Freiheit der Rede keine Regeln hat, dann öffnet eure Herzen für die Freiheit unserer Taten."

Diese Rede ist allerdings nicht neu. Sie wurde von al-Qaida erstmals am 19. März 2008 veröffentlicht, damals nur auf Arabisch. Die Neu-Veröffentlichung am Dienstagmorgen unterscheidet sich nur durch die Ergänzung deutscher Untertitel von der ersten Version.

Es kommt öfter vor, dass al-Qaida und ihre Propagandaabteilung Reden wichtiger Ansprachen zunächst in einer Sprache und dann in weiteren Sprachen veröffentlichen. So etwa, wenn sich Bin Ladens Vize zu Pakistan äußert: Mehrfach liefen solche Reden zunächst auf Englisch, dann Tage später auch mit einer Übersetzung ins Urdu.

Normalerweise vergehen aber nicht mehrere Monate, bis eine solche Übersetzung angefertigt wird. Außerdem werden die nachgereichten Übersetzungen in der Regel nicht mehr so prominent auf den dschihadistischen Websites platziert wie die Originale.

Dass beides in diesem Fall anders ist, nährt einen Verdacht: Die nun recycelte Bin-Laden-Rede soll offenbar als ein weiteres Signal al-Qaidas an Deutschland aufgefasst werden. Im September hatte al-Qaida in Person des Bonner Islamisten Bekkay Harrach ja bereits ausdrücklich Anschläge in Deutschland angekündigt. So würde sich die neue, alte Bin-Laden-Rede in den Propagandafluss einfügen.

Deutsche Sicherheitsbehörden halten die Gefahr eines solchen Anschlages in Deutschland nach wie vor für erhöht, haben aber bisher keine entsprechenden Vorbereitungshandlungen beobachten können.

Inhaltlich ist das wiederverwertete Bin-Laden-Video derweil nicht besonders interessant. Es enthält neben Vergeltungsdrohungen vor allem die Klage über Kriegsverbrechen westlicher Staaten in Afghanistan. Deutschland wird nicht namentlich erwähnt.

Zuletzt hatte sich Osama Bin Laden Ende September ausdrücklich an die Europäer gewandt.

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Terrorpropaganda gegen Deutschland

Al-Qaida

Osama Bin Ladens Terrornetzwerk al-Qaida hat die Erwähnungen und direkte Ansprache Deutschlands in seiner Propaganda massiv gesteigert. Mittlerweile präsentiert al-Qaida sogar einen aus Deutschland stammenden Terrorwerber, den 32 Jahre alten Bekkay Harrach aus Bonn, der sich 2007 der Organisation angeschlossen haben soll. Im Januar 2009 erklärte Harrach alias "Abu Talha" in seiner Rede "Das Rettungspaket für Deutschland", dass die Bundestagswahl am 27. September eine einmalige Gelegenheit sei, sich vom Afghanistan-Einsatz abzuwenden. Deutschland könne anderenfalls nicht ernsthaft glauben, ungeschoren zu bleiben. Im Februar 2009 sprach er über die Finanzkrise, verzichtete aber auf Terrordrohungen. Am 18. September 2009 kündigte er dagegen explizit Anschläge in Deutschland innerhalb von zwei Wochen nach der Wahl an, sollte von ihr nicht ein Signal für den Abzug aus Afghanistan ausgehen. Wenige Tage danach folgten zwei predigtähnliche Reden von ihm, "O Allah, ich liebe Dich" Teil 1 und Teil 2. Darin versuchte er, deutsche Muslime für den bewaffneten Kampf zu gewinnen.

Jenseits von Harrach gibt es zwei weitere Qaida-Videos, in denen Deutschland allgemein mit Vergeltung gedroht wird.

Osama Bin Laden hat sich unterdessen seit Jahren nicht mehr zu Deutschland geäußert. Am 25. September veröffentlichte er allerdings eine Rede an "die europäischen Völker". Darin drohte er zwar nicht ausdrücklich mit Terroranschlägen in Europa, forderte jedoch erneut einen Abzug aus Afghanistan und warnte vor Vergeltung.

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