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27.10.2009
 

Terror im Irak

Al-Qaida bekennt sich zu Blutbad von Bagdad

Von Yassin Musharbash

Qaida-Bekennerschreiben: Angriff auf die "Säulen des Staates"Zur Großansicht

Qaida-Bekennerschreiben: Angriff auf die "Säulen des Staates"

Die irakische Qaida-Filiale hat die Verantwortung für die verheerenden Terroranschläge vom Wochenende übernommen, bei denen in Bagdad mehr als 150 Menschen starben. Die Terroristen wollen den jungen irakischen Staat ins Chaos zurückbomben - noch vor den für Januar angesetzten Wahlen.

Berlin - Wieder waren es zwei Lastwagen voller Sprengstoff, einer mit 700 Kilogramm beladen, der zweite möglicherweise mit 1000 Kilogramm. Wieder gelang es den Selbstmordattentätern, an den irakischen Sicherheitskontrollen vorbeizukommen und im politischen Zentrum Bagdads zuzuschlagen. Und wieder ist der Blutzoll hoch: Mehr als 150 Menschen starben bei den Doppelanschlägen am Wochenende.

In der Nacht zum Dienstag hat sich nun die irakische Filiale des Terrornetzwerks al-Qaida zu der Bluttat bekannt. Sie markiere "den Beginn der zweiten Phase" ihres mittelfristigen Planes mit dem Namen "Ernte des Guten", heißt es in einem Bekennerschreiben, das SPIEGEL ONLINE vorliegt. Das Dokument wurde auf einer dschihadistischen Website veröffentlicht, die al-Qaidas Filialen weltweit regelmäßig nutzen, um ihre Botschaften zu verbreiten.

Die "Verbrecher in der grünen Zone", heißt es in dem Dokument weiter, würden "nur die Sprache der Gewalt" verstehen. Die Attentäter hätten dieses Mal "das so genannte Ministerium für Gerechtigkeit" und die Bagdader Stadtverwaltung attackiert. Es war der schwerste Anschlag seit zwei Jahren. Bereits im August hatte al-Qaida im Irak Ministerien und staatliche Einrichtungen mit genau derselben Vorgehensweise angegriffen und dabei mehr als hundert Menschen getötet.

Angriff auf "die Säulen des Staates"

Aus dem aktuellen Bekennerschreiben geht deutlich hervor, was das Ziel der irakischen Qaida-Filiale ist: Es gehe um Angriffe "auf die Säulen dieses schiitisch-sufistischen Staates" - also auf den neuen Irak, den al-Qaida und einige andere sunnitische Terrorgruppen vehement ablehnen - nicht zuletzt, weil er von der schiitischen Mehrheit dominiert wird.

Al-Qaida ist in dem Land seit Jahren aktiv. Tausende Tote gehen auf das Konto der Organisation, für die der Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi schon kurz nach der US-Invasion 2003 den Grundstein gelegt hatte. Auch nach Sarkawis Tod 2005 bombten die Terroristen weiter, mittlerweile treten sie nur noch unter dem Namen "Islamischer Staat Irak" auf. Am schlimmsten wüteten die Qaida-Terroristen in den Jahren 2004 bis 2006, als sie durch gezielte Angriffe auf Schiiten das Land an den Rand eines Bürgerkrieges brachten, was ausdrücklich die Strategie Sarkawis gewesen war.

Mittlerweile, und zwar insbesondere durch die Unterstützung irakisch-sunnitischer Stammesverbände, konnte al-Qaida aus weiten Teilen des Irak vertrieben werden. Im Vergleich zu ihrem Zustand vor einigen Jahren ist sie die Gruppe geschwächt. Allerdings ist sie - das belegen die beiden letzten Großanschläge - nach wie vor dazu in der Lage, schwierig zu organisierende Anschläge zu verüben.

Aufstieg und Fall einer Terrorfiliale

Weil die US-Armee sich mittlerweile aus den Städten des Irak zurückgezogen hat und in absehbarer Zeit das Land ganz verlassen wird, verschiebt sich zusehends auch der Fokus al-Qaidas im Irak. Der irakische Staat, seine Institutionen und Sicherheitsbehörden, werden immer häufiger zum Ziel der Terroristen.

Hinter dem aktuellen Vorgehen steht zudem das durchschaubare Ziel, die für den Januar 2010 angesetzten allgemeinen Wahlen zu stören. Al-Qaida lehnt demokratische Strukturen kategorisch ab. Das Ziel dürfte sein, den Staat auch weiterhin an empfindlichen Stellen zu treffen, um vorzuführen, dass die irakischen Behörden die Sicherheit der Bürger nicht gewährleisten können. So will al-Qaida die Unterstützung für den demokratischen Prozess aushöhlen und sich die Gefolgschaft in der Bevölkerung sichern.

Doch selbst wenn sich die Sicherheitslage durch weitere Anschläge verschlechtern sollte: Dass al-Qaida durch den Zulauf Freiwilliger davon profitiert, ist unwahrscheinlich. Terrorexperten und Geheimdienstanalysten aus der westlichen und der islamischen Welt sind überzeugt, dass al-Qaida im Irak nie wieder ihre alte Stärke erreichen wird. Sie gilt zwar als schlagkräftig und verhältnismäßig gut organisiert, aber nicht als potentielle Massenbewegung. Im Gegenteil: Die meisten Analysten glauben, dass die Terroristen extrem isoliert sind und auf keine Unterstützung in der irakischen Bevölkerung stoßen.

Unbekannte Anführer und ein Fantasie-Staat

Das liegt nicht zuletzt daran, dass eigentlich niemand weiß, wer al-Qaida im Irak führt. Zwar gibt es einen "Amir" und einen "Kriegsminister", die sich auch regelmäßig schriftlich oder in Audiobotschaften zu Wort melden. Sogar ein Kabinett hat der "Islamische Staat Irak" benannt. Wer sich aber hinter den Namen verbirgt, ist unklar. Was als Schutzmechanismus al-Qaidas gedacht ist, verhindert, dass sich die irakischen Bürger mit dem Terrornetzwerk identifizieren.

Einige Experten gehen inzwischen davon aus, dass das jüngste Aufbäumen der Terrorgruppe damit zusammenhängen könnte, dass es den Terroristen gelungen ist, eine Allianz mit ehemaligen Offizieren des untergegangenen Saddam-Regimes einzugehen. Das würde erklären, wie al-Qaida zu solch ausgefeilten Anschlägen in der Lage ist. Die Beleglage für diese Theorie ist allerdings sehr dünn.

Sicher scheint so einstweilen nur, dass auch dieser Horroranschlag nicht der letzte gewesen sein wird.

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ich sage es mal plakativ : solange das phänomen sich nur auf die "unzivilisierten" gebiete am rand der wertewelt des westens beschränkt , wird es nur ein leugnen dieser hinweise geben , abgesehen natürlich von jenen [...] mehr...

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Zum Nachdenken: http://www.unobserver.com/layout5.php?id=6744&blz=1 mehr...

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