Von Hasnain Kazim, Islamabad
Islamabad/Kabul - Bei Kämpfen im Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul sind nach Angaben der Uno und der afghanischen Polizei am Mittwochmorgen (Ortszeit) mindestens zehn Menschen getötet worden, darunter vier mutmaßliche Terroristen und sechs ausländische Uno-Mitarbeiter. Mehrere Polizisten wurden bei Schießereien verletzt, hieß es weiter. Berichten zufolge umstellten internationale Truppen und afghanische Polizisten am frühen Morgen eine von der Uno genutzte Pension im Geschäftsviertel Schar-e-Now. Der Stadtteil gilt als relativ sicher, die Unterkünfte dort sind bei Ausländern daher besonders beliebt.
Uno-Sprecher Adrian Edwards erklärte, es seien sechs Mitarbeiter der Vereinten Nationen getötet worden. Neun Menschen seien verletzt worden, darunter befindet sich nach Informationen der Nachrichtenagentur AP auch ein Deutscher. Ob es noch mehr Opfer gibt und ob sich weitere Uno-Mitarbeiter in dem Gebäude aufhalten, konnte Edwards nicht sagen. Insgesamt seien in dem Gästehaus 20 Uno-Mitarbeiter untergebracht, aber ob sie sich am Mittwochmorgen dort aufhielten, sei unklar.
Ein Sprecher der afghanischen Polizei erklärte dagegen, es seien noch vier Uno-Mitarbeiter in der Hand der Taliban. Augenzeugen berichteten aber auch, dass einigen Hotelgästen die Flucht gelungen sei. Geländewagen der Polizei seien dabei, Verletzte in ein nahe gelegenes Krankenhaus zu fahren. Unter den Verletzten seien auch Ausländer gewesen. Die United Nations Assistance Mission in Afghanistan (Unama) ist seit März 2002 aktiv.
Ein Taliban-Sprecher bekannte sich im Namen der Aufständischen zu dem Anschlag. "Mehrere Taliban mit Sprengstoffwesten, Granaten und Maschinengewehren haben Uno-Mitarbeiter als Geiseln genommen", teilte er mehreren Journalisten gegenüber mit. Der Angriff sei eine Warnung, die Stichwahl zwischen Präsident Hamid Karzai und seinem Herausforderer Abdullah Abdullah wie geplant am 7. November durchzuführen. "Dies war erst unser erster Angriff", sagte er. Sollte an der Stichwahl zum Präsidentenamt festgehalten werden, werde es weitere Anschläge geben. Bereits vor der ersten Wahlrunde am 20. August hatten die Extremisten ihre Angriffe verschärft. In Kabul gilt eine erhöhte Sicherheitsstufe.
Extremisten feuerten am Vormittag außerdem Raketen auf das Luxushotel "Serena", das sich in Nachbarschaft des Präsidentenpalastes befindet. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE schlugen zwei Raketen in unmittelbarer Nähe des einzigen Fünf-Sterne-Hotels in Kabul ein. Ein Augenzeuge berichtete der Nachrichtenagentur Reuters, dass mehr als hundert Hotelgäste in einen unterirdischen Bunker in Sicherheit gebracht worden seien. Über Tote oder Verletzte gab es hier zunächst keine Informationen. Das Hotel war telefonisch nicht zu erreichen.
mit Material der Agenturen
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