Von Hans-Jürgen Schlamp, Brüssel
Der "Mittelmeer-Gipfel" am 13. Juli vorigen Jahres, am Tag vor dem französischen Nationalfeiertag, war ein Höhepunkt der französischen EU-Ratspräsidentschaft. Politisch war er zwar eher belanglos, das war schon vorher klar. So sollte er wenigstens ein großes gesellschaftliches Ereignis werden, mit Glanz und Pomp und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy im Mittelpunkt. 43 Staats- und Regierungschefs wurden - samt Entourage - ins noble "Grand Palais", im Herzen von Paris, geladen. Europäer, Nordafrikaner, Nahost-Notable trafen sich und tauschten rund drei Stunden Artigkeiten aus.
Alles war aufs Feinste bereitet. Der ehrwürdige Saal war von einem Heer von Handwerkern ereignisgerecht hergerichtet und mit einem eigens für den Empfang - für über 90.000 Euro - gewebten blauen Teppich ausgelegt worden. Für 194.000 Euro hatten Gärtner und Floristen den Altbau geschmückt. Spitzenköche durften weit über eine Million Euro für die insgesamt rund 200 Diner-Gäste verbraten. Pro Gast sind das über 5000 Euro - schwere Kost.
16,6 Millionen Euro habe die Feier insgesamt gekostet, enthüllte jetzt der französische Rechnungshof. Dessen Bericht durften einige Parlamentarier einsehen, und die erzählten die pikanten Details gleich weiter. Das meiste davon gab die Regierung zu, nur die Sache mit der Dusche, die ein Oppositionsabgeordneter publik gemacht hatte, die stimme nicht. Darauf beharrt Regierungssprecher Luc Chatel.
Dabei passt sie so schön ins Bild. Für den mediterranen Feier-Abend habe sich Nicolas Sarkozy, so berichtete der Abgeordnete René Dosière, eigens eine moderne Dusche in das antike Palais bauen lassen. Ein Prachtstück offenbar, mit Power-Strahl, Jet-Massage und Surround-Sound-Radio für 250.000 Euro. Dabei habe der Präsident die luxuriöse Nasszelle nicht einmal genutzt, sondern sich lieber in seinem zehn Minuten entfernten Amtssitz, dem Elysée-Palast, frischgemacht. Jungfräulich sei die Dusche nach drei Tagen wieder abgebaut worden. Aber das muss der Abgeordnete wohl geträumt haben, wenn der Regierungssprecher sich nicht irrt. Denn der sagt, man habe dort keine Dusche eingebaut und abgerissen, sondern acht Konferenzräume für die Gipfelteilnehmer.
Chirac brauchte "nur" 57 Millionen Euro
Ob nun mit Dusche oder mit Sprechzimmern - als "übertrieben üppig" kritisiert der Pariser Rechnungshof nicht nur diese eine Feierlichkeit im Rahmen von Frankreichs EU-Ratspräsidentschaft. Diese Ehre, dem "Rat", der Versammlung aller EU-Staaten vorzustehen, hat reihum jedes Land jeweils für sechs Monate. Das kostet stets ein ordentliches Sümmchen. Österreich, Finnland, Portugal, Slowenien haben für ihre Halbjahre jeweils zwischen 70 und 80 Millionen ausgegeben. Damit kommen große Nationen wie Frankreich natürlich nicht hin. 175 Millionen Euro sind es geworden. Veranschlagt waren anfangs sogar 190 Millionen - man war also geradezu sparsam.
Sarkozy-Vorgänger Jacques Chirac kam in "seiner" Präsidentschaft im Jahre 2000 noch mit 57 Millionen Euro aus. Solche Beträge galten damals noch als ziemlich hoch. Deshalb vereinbarten die EU-Mitglieder, die meisten Ratstagungen und vor allem die Gipfeltreffen der "Chefs" fortan in Brüssel abzuhalten. Dort stehen genügend Sitzungssäle zur Verfügung, und auch für die zwei-, dreitausend Journalisten, die solch ein Ereignis begleiten, muss nichts hergerichtet werden. Es ist schon alles da. Bis hin zum Speisesaal mit bescheidener Verköstigung von Präsidenten, Premiers, Kanzlern und Kanzlerin nebst mitreisenden Außenministern und Staatssekretären.
Aber irgendwie ist die Rechnung wohl nicht aufgegangen - wie die Bilanz der französischen Präsidentschaft nun zeigt. Von Luxus und Verschwendung will das Pariser Festkomitee gleichwohl nichts hören. Schließlich habe Deutschland in seiner Präsidentschaft, im ersten Halbjahr 2007, noch mehr Geld ausgegeben, nämlich 180 Millionen Euro.
Na dann ist ja offenbar alles in Ordnung.
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Na, zwischen Erbsensuppe und 5000€/Gast liegen wohl Galaxien. Ein repräsentatives Mahl geht wohl deutlich billiger. Zudem: Seitwann repräsentiert sich Demokratie durch Pomp? Wir müssen ja nicht gleich kommunistische [...] mehr...
Sowas muss bei Staatspraesidenten einfach drin sein. Man kann hier nicht anfangen, Erbsensuppe zu servieren. Ausserdem verdienen viele Unternehmen dabei mit und werden viele Leute beschaeftigt. Ausserdem: wenn man sich mal [...] mehr...
Ein Schwabe, ehrlich, sparsam, fleissig. Hoechste Zeit dass jemand nach Bruessel geht der nicht nur auf Verschwendung und Grossmacherei steht. Viel Erfolg Herr Oettinger. mehr...
"L'État, c'est moi" - "Der Etat, das bin ich" sprach Sarkozy....und weg war das Geld. Und mal ehrlich, gemessen an seinem Ego hat der sich doch vornehm zurückgehalten. Wahrscheinlich, weil ihn die [...] mehr...
Tatsächlich, ja; wir hätten wirklich etwas Neues, für uns Besseres anfangen sollen. Aber, hat uns jemand gefragt? Bei der allgemeinen Verschuldung der EU-Staaten spielt es für gewisse Leute eh keine Rolle mehr, was wieviel [...] mehr...
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