Aus Newark berichtet Marc Pitzke
Es ist wie ein Déjà-vu aus dem Wahlkampf 2008. Die rotblauen Schilder, die tobende Menge, die Sprechchöre: "Yes we can! Yes we can!" Barack Obama springt mit wippendem Schritt aufs Podium, winkt, strahlt übers ganze Gesicht. "Wie geht's, New Jersey?", ruft er in die tosende Halle. "Danke, danke! Yes we can!"
Wahlkampf, in der Tat, doch der Kandidat heißt nicht Obama. Der Kandidat steht vielmehr in gemessenem Abstand neben dem Präsidenten, ungelenk und abwesend, die Hände verschränkt. Sein langes Halbglatzen-Resthaar fällt ihm ungepflegt in den Nacken, seine Miene ist ernst. Er wirkt durch und durch so wie seine Krawatte: grau.
Eine Sportarena in der tristen Innenstadt von Newark: Obama hat sich extra hierher nach New Jersey bemüht, um seinem Parteifreund, dem demokratischen Gouverneur Jon Corzine, Wahlkampfhilfe zu leisten. Weshalb das nötig ist, zeigt sich schon daran, dass die rund 15.000 Jubelnden in der Halle weit mehr an dem Gast interessiert sind als am Gastgeber.
Kaum einer ist wegen des Gouverneurs gekommen
Corzine, 62, steht am Dienstag zur Wiederwahl in diesem von Rezession und Korruption doppelt gebeutelten Ostküstenstaat. Umfragen zeigen ihn Kopf an Kopf mit dem Republikaner Chris Christie. Corzines Hauptproblem: Selbst viele Demokraten können ihn nicht leiden.
Zum Beispiel Betty Jones, eine Angestellte aus Newark und wie die meisten in der Halle schwarz. Ob sie wegen des Gouverneurs hier sei? "Nicht wirklich", lacht sie unverblümt. "Ich will Barack sehen. Barack ist mein Mann!"
Die Menge kommt nur schwer in Schwung, trotz der Bollywood-Tanzgruppe und der Michael-Jackson-Imitatoren. Als der Conferencier Corzines Namen ins Mikro ruft, geht ein müdes Klatschen durch die Ränge. Als er Obama ankündigt, bricht ohrenbetäubendes Kreischen aus. "Obama - Corzine" steht auf ihren vorgefertigten Schildern, als wäre Corzine der Vizekandidat. Manche haben sie durchgerissen und winken einfach nur mit der Obama-Hälfte.
Man nimmt, was man kriegt. Corzines Position ist so wacklig, das Weiße Haus so besorgt um diesen Außenposten, dass sich der Bedrängte im Endspurt schamlos an die Rockschöße des Präsidenten hängt - und der brav mitspielt.
"Bei dieser Wahl geht es um Präsident Obama"
Schließlich geht es um mehr als nur die Macht in der Hauptstadt Trenton. New Jersey ist einer von zwei Staaten, deren Gouverneurswahlen am Dienstag als Barometer für die Stimmung der Nation gelten, als erste Referenden über die Ära Obama: Hier könnte sich der Unmut über seine Politik auf lokaler Ebene entladen. Der andere Staat ist Virginia - wo der Kandidat der Demokraten schon so gut wie verloren hat.
Den Ernst der Lage erkennen auch die Einpeitscher in der Sporthalle. "Bei dieser Wahl geht es um Präsident Barack Obama", proklamiert der Bezirksverwalter Joseph DiVicenzo. "Wir müssen Corzine wiederwählen, um Präsident Obamas Politik zu unterstützen", fordert der Abgeordnete Donald Payne. "Das ganze Land schaut auf New Jersey", ruft Newarks Bürgermeister Cory Booker, ein charismatischer Schwarzer, der Obama als einziger Redner das Wasser reichen kann.
Was sich von Corzine nicht sagen lässt. Lustlos rasselt er seine Wahlkampfparolen herunter, kontextfreie Platitüden, die man vergessen hat, bevor er fertig ist: "Hoffnung", "Chancen", "Arbeitsplätze". Selbst Obamas Schlachtruf "Yes we can" klingt aus seinem Mund fade.
Auf anderen Social Networks posten:
Dann fangen sie damit schon mal an.;-) mehr...
wenn sie kein rep sind, dann fress ich sämtliche besen die in diesem dorf heut vor der tür stehen. mehr...
Obama kandidierte doch nicht als Governor oder habe ich da was verpasst? Nach Lage der Dinge haette ich -als nicht Republikaner Fan- in NJ und VA auch so gewaehlt. Es ging doch um die Person des Gov. und sonst nichts. Beide [...] mehr...
Was die hohen Grundsteuern in NJ wohl mit den "Erfolgen" von Bush zu tun haben, ist das grosse Geheimniss, ueber das uns Ghandi einmal aufklaeren muss. Die hohen Grundsteuren in NJ sind hauptsaechlich auf die korrupte [...] mehr...
[QUOTE=sysop;4512352]Der erste wichtige Stimmungstest für den amtierenden US-Präsidenten: New Jersey und Virginia wählen einen neuen Gouverneur. Und die Zeichen stehen schlecht für Barack Obama - seine Demokraten müssen damit [...] mehr...
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