Beirut/Tel Aviv - Die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon hat jegliche Verbindung mit dem von der israelischen Marine aufgedeckten Waffenschmuggel zurückgewiesen. "Die Hisbollah dementiert kategorisch jede Verbindung mit den Waffen, die der zionistische Feind angeblich auf dem Schiff 'Francop' gefunden hat", erklärte die Miliz am Donnerstag in Beirut. Zugleich warf sie Israel Piraterie in internationalen Gewässern vor.
Ein Spezialkommando der israelischen Marine hatte am Mittwoch ein Schiff mit Hunderten Tonnen Waffen und Munition abgefangen. Nach israelischen Armee-Angaben stammten die Waffen an Bord der unter der Flagge des Karibikstaates Antigua fahrenden "Francop" aus Iran.
Das Schiff gehört der in Neu Wulmstorf vor den Toren Hamburgs ansässigen Reederei Gerd Bartels. Der Eigner hatte am Mittwochabend erklärt, er habe von dem Waffenschmuggel nichts gewusst. Der Frachter sei seit rund zwei Monaten von dem Cargo-Unternehmen UFS gechartert.
Irans Außenminister Manutschehr Mottaki und sein syrischer Kollege Walid al-Muallim bestritten umgehend die israelische Darstellung. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Teheran erklärten sie, auf dem Schiff seien "keine Waffen aus iranischer Produktion" gewesen, sondern syrische Produkte, die für iranische Verbraucher bestimmt gewesen seien. Israel wirft Syrien und Iran seit Jahren vor, die Hisbollah mit Waffen zu versorgen.
Ein israelischer Militär sagte dem israelischen Rundfunk, der polnische Kapitän sei "schockiert" gewesen, weil die Waffen ohne sein Wissen transportiert worden seien. Die gefährliche Fracht, darunter auch Sprengstoff, habe neben Ölbehältern gelagert und das Leben der Mannschaft bedroht.
Die Charterfirma durfte nach Angaben der Reederei keine Ladung transportieren, die im Widerspruch zu Uno-Resolutionen stehe. Der Inhalt der zu ladenden Container werde gegenüber der Reederei aber nicht deklariert.
Israel erwartet nun, dass Iran künftig andere Schmuggelwege nutzen wird. Ein ranghoher Militär sagte dem israelischen Rundfunk am Donnerstag, Iran habe sich auf den Transport per See verlegt, weil der Landweg zu schwierig geworden sei.
"Wir haben Iran, Syrien und der Hisbollah einen schmerzhaften und peinlichen Schlag versetzt", sagte ein israelischer Militär dem Online-Dienst "ynet". "Sie müssen jetzt erst einmal Hausaufgaben machen, aber letztlich wird der Schmuggel-Krieg noch lange weitergehen."
Israel geht davon aus, dass Iran auch in der Vergangenheit zivile Handelsschiffe als Tarnung für Waffenlieferungen an militante Gruppierungen benutzt hat. Der Marinechef Rani Ben Jehuda sagte, die Waffen an Bord des abgefangenen Schiffs hätten es der Hisbollah ermöglicht, Israel etwa einen Monat lang zu bekämpfen.
Der Frachter war nach israelischen Angaben vom ägyptischen Domiat unterwegs zum syrischen Hafen Latakia. Von dort habe die Waffenlieferung im Wert von mehreren Millionen US-Dollar über Land in den Libanon gebracht werden sollen.
ffr/AFP/AP/dpa
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH