Sao Paulo - Ein Stimmenimitator hat als "Präsident Luiz Inácio Lula da Silva" in mehreren Ländern Radiointerviews gegeben. Den meisten Gesprächspartnern fiel der Ulk gar nicht auf. Die Vorbereitung des Nepps schien den Redakteuren wohl stichhaltig: In einer E-Mail wurde der vermeintliche Staatschef verdutzten Redakteuren unter anderem in Australien und Angola als Gesprächspartner zum Thema Rio de Janeiro und Olympia 2016 angeboten. Die E-Mail wurde von einem ebenso falschen "Präsidentenberater Caio Martins" verfasst.
Mit typisch rauchiger Stimme, markanten Sätzen und ohne Punkt und Komma beteuerte "Senhor Presidente" in einem 23 Minuten langen Interview mit einer portugiesischsprachigen Redakteurin des Senders SBS in Australien, wie sehr er sich über die Wahl Rios als Olympia-Stadt freue. "Ich möchte die ganze Welt küssen und alle Brasilianer." Das hätte auch der echte Lula sagen können, der sich aber während dieses Telefonats gerade auf dem Rückweg von Großbritannien befand.
Weil ein Mitarbeiter des australischen Radiosenders wegen der schlechten Tonqualität des Interviews mit dem falschen Lula und dessen eigenartiger Stimmlage stutzig geworden war, flog der Schwindel auf. Nachforschungen in Brasilien ergaben, dass das Interview von einer Comedy-Show eines lokalen Radiosenders aus gegeben wurde - Lula selbst hat jedoch ein eigenes Radiostudio.
Das Interview für die Australier wurde nicht gesendet. In Mosambik und Angola hingegen ging der falsche Lula auf Sendung.
ffr/dpa/AFP
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH