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13.11.2009
 

Geplanter Terrorprozess in New York

US-Justiz muss Folterberichte von 9/11-Angeklagten fürchten

Von Matthias Gebauer und Marc Pitzke

Chalid Scheich Mohammed (Aufnahme vom Juli): Dem Terrorplaner droht die TodesstrafeZur Großansicht
AP

Chalid Scheich Mohammed (Aufnahme vom Juli): Dem Terrorplaner droht die Todesstrafe

Es wird ein Terrorprozess, wie es ihn noch nie gab: In New York werden fünf mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge vom 11. September vor Gericht gestellt - in einem ordentlichen Verfahren. Das kann die US-Behörden in Bedrängnis bringen, wenn die Angeklagten über CIA-Folter aussagen.

New York - Die Abrechnung mit den Planern der Anschläge vom 11. September 2001 wird ein Jahrhundertprozess: In unmittelbarer Nähe von Ground Zero in New York, wo einst die Türme des World Trade Center standen, werden die mutmaßlichen Hintermänner der Attentate um Chalid Scheich Mohammed vor ein ziviles Gericht gestellt. Diese spektakuläre Nachricht wurde an diesem Freitag von US-Justizminister Eric Holder bestätigt. Die fünf Verdächtigen sind (siehe auch den Kasten links):

  1. der 44-jährige Chalid Scheich Mohammed, von englischsprachigen Medien oft "KSM" genannt.
  2. Ramzi Binalshibh, der Chefstratege der Hamburger Terrorzelle
  3. Walid bin Attasch
  4. Mustafa Ahmad al-Hawsawi
  5. Ali Abd al-Asis Ali

Sie alle werden beschuldigt, an der Vorbereitung und Durchführung der Anschläge maßgeblich beteiligt gewesen zu sein. Bei den Attacken mit Passagierflugzeugen in New York, Washington und Pennsylvania starben fast 3000 Menschen.

Derzeit sind die Angeklagten im US- Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba inhaftiert. US-Präsident Barack Obama will das Lager schließen, das hatte er zu Beginn seiner Amtszeit als einen seiner ersten großen Pläne angekündigt. Der geplante Termin Ende Januar wird sich jedoch nicht halten lassen. Weil bislang formal keine Anklage gegen die meisten Häftlinge erhoben wurde, dürfte sich ihre Überstellung in die USA wochenlang hinziehen. Zudem hat der US-Kongress erst kürzlich ein Gesetz erlassen, dass für alle Guantanamo-Insassen eine Frist von 45 Tagen vorschreibt, bis diese auf den Boden der USA überstellt werden können.

Noch ist das genaue Procedere unklar, doch am Ende des geplanten Prozesses in New York könnten die Angeklagten zum Tode verurteilt werden - es wäre ein dramatisches Ende der jahrelangen Ermittlungen gegen die Verdächtigen, die für den schwersten Terroranschlag in der Geschichte der USA verantwortlich sein sollen. Schon in den vergangenen Monaten war zu hören gewesen, dass sich Staatsanwälte in New York regelrecht um den Fall reißen. Justizminister Holder kündigte am Freitag an, er werde im Fall eines Schuldspruchs die Todesstrafe beantragen lassen.

Hang zum Melodram

Angehörige der 9/11-Opfer kritisierten die Entscheidung, den Prozess in New York abzuhalten, heftig. "Wir sind enttäuscht und ehrlich gesagt empört, dass der Präsident und unser Justizminister einem Kriegsverbrecher wie Chalid Scheich Mohammed den Schutz der US-Verfassung vor Gericht einräumen", sagte Ed Kowalski, Direktor der Hinterbliebenengruppe 9/11 Families for a Secure America, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Dies wird diesem Individuum nur eine neue Gelegenheit geben, seine dschihadistischen Parolen zu verbreiten."

Ein Strafprozess werde den Angeklagten außerdem besondere Schutzrechte und "die Möglichkeit zu legalen Manövern" einräumen, die sie vor einem Militärgericht nicht hätten, rügte Kowalski. "Kundige Bürgerrechtsanwälte" könnten zum Beispiel ein schnelles Verfahren oder das Verfassungsrecht auf Aussageverweigerung für ihre Mandaten durchdrücken. "Dies könnte dazu führen, dass der Gerechtigkeit am Ende nicht Genüge getan wird. Die Chancen auf einen Freispruch sind keineswegs gleich Null."

Justizminister Holder versicherte bei seiner Pressekonferenz zwar, er sei "zuversichtlich, das das Ergebnis erfolgreich sein wird". Aber auch er konnte eine geringe Chance eines Freispruchs nicht ausschließen.

Kowalski erinnerte US-Präsident Barack Obama daran, dass dieser den Angehörigen der 9/11-Opfer kurz nach seiner Vereidigung bei einem Treffen im Weißen Haus persönlich versprochen habe, "alles zu tun", um die Terroristen zur Rechenschaft zu ziehen. Doch habe es bei der jetzigen Entscheidung "keinerlei Versuche von irgendjemandem in der Regierung" gegeben, die Familien und Opfer mit einzubeziehen. Kowalski begrüßte allerdings die Ankündigung Holders, die Todesstrafe für die mutmaßlichen 9/11-Hintermänner zu fordern. "Die einzig richtige Strafe", sagte er, "ist die Todesstrafe."

Ungebrochenes Charisma

Die juristische Aufarbeitung vor einem Gericht auf amerikanischem Boden ist für die Angeklagten auch die letzte Chance für einen öffentlichen Auftritt, den sich vor allem Chalid Scheich Mohammed gewünscht hatte. Denn die Verhandlungen in Guantanamo Bay waren nur einer ausgesuchten Zahl von Beobachtern zugänglich. In New York hätte der charismatische Anführer einer ganzen Generation von Qaida-Terroristen eine Bühne, die weltweit beobachtet würde. Im Gegensatz zu den Militärtribunalen könnte der 9/11-Prozess ausnahmsweise sogar im Fernsehen übertragen werden.

Einen Vorgeschmack auf seinen Hang zum Melodram hatte Mohammed in Guantanamo geliefert. Bei den Verhandlungen trat er stets als Anführer der Angeklagten auf. Bei jeder Gelegenheit setzte er zu Monologen an, geißelte die USA als Folterstaat, der alle Muslime unterdrücken wolle. Die Richter, allesamt gestellt vom Militär, waren in Mohammeds Augen Mörder, da sie eine Uniform der US-Armee trugen. In Guantanamo unterbrachen die beiden Vorsitzenden diese Tiraden stets recht schnell - vor einem zivilen Gericht dürfte dies nicht so einfach sein.

Für die Opfer, ja letztlich für ganz Amerika könnte der geplante Prozess in New York zu einem sarkastischen Schauspiel geraten. In Guantanamo trat Mohammed meist lachend, ja fast feixend auf. Immer wieder blickte er hinter sich auf die durch eine Glasscheibe abgetrennte Zuschauerbank. Nach den vielen Jahren Haft ist aus dem dunkelhaarigen Mann ein Greis mit langen grauen Haaren und einem schlohweißen Bart geworden. Sein Charisma hat er aber nicht verloren. Er wirkt noch immer bedrohlich, die Mitangeklagten hören auf seine Befehle.

Abrechnung mit Bushs Anti-Terror-Kampf?

Vor allem für die US-Behörden birgt ein öffentlicher Auftritt Mohammeds Risiken - wenn er über die Zeit nach seiner Festnahme in Pakistan berichtet. Wie auch Ramzi Binalshibh, der Anführer der Hamburger Zelle der Todespiloten, wurde Mohammed von Agenten des US-Geheimdiensts CIA gefoltert. 183 Mal soll er der brutalen Prozedur des "Waterboardings" ausgesetzt worden sein. Dabei hat der Gefangene das Gefühl zu ertrinken. Schon bei dem Prozess in Guantanamo hatte Chalid Scheich Mohammed immer wieder versucht, diese Praktiken vor Gericht zu beschreiben. Doch ein Zensor der US-Regierung unterbrach stets die Übertragung des Tons aus dem Gerichtssaal in den Zuschauerbereich.

In New York wird eine solche Zensur kaum möglich sein, schließlich soll es ausdrücklich ein Prozess nach Recht und Gesetz werden. Folglich könnte das Verfahren nicht nur zu einer Abrechnung mit den Terrorplanern der 11. Septembers, sondern auch mit dem umstrittenen Anti-Terror-Kampf der USA unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush werden. Allerdings ist unklar, ob viele Beweise, vor allem die Aussagen Mohammeds, überhaupt vor dem Gericht zugelassen werden.

In Guantanamo hatte Chalid Scheich Mohammed ein umfangreiches Geständnis abgelegt: Er gab nicht nur zu, dass er die 9/11-Anschläge "von A bis Z" plante, sondern gestand auch noch mehrere andere Terrorattacken. Immer wieder verlangte er von den Militärrichtern, sie sollten ihn und die anderen umgehend zum Tode verurteilen, da ihn die Verhandlungen langweilten. Für den Wunsch nach einem schnellen Tod wollte er sogar auf die Beweisaufnahme verzichten. Ob er sich vor einem zivilen Gericht ebenso verhält, ist kaum abzusehen - der Chefplaner des 11. Septembers bleibt eine unberechenbare Person.

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31.01.2010 von Flari:

Übrigens wurden auch jede Menge Rückstände einer typischen Knallgasexplosion auf Ground Zero gefunden. Vielen als H2O oder Wasser bekannt. Also immer schön am Ball bleiben. Auch Gerolsteiner soll an diversen Explosionen [...] mehr...

31.01.2010 von Kapnix: ?

Es geht nicht um die Wand in meinem Beispiel sondern um den Wagen. Sie können ein Haus mit 100 Stockwerken bauen und diese steht bis in aller Ewigkeit. Wenn Sie aber auf die Idee kommen die obersten Stockwerke um 3m anzuheben [...] mehr...

31.01.2010 von Kapnix: ?

Ich hatte Ihnen geantwortet, und warte jetzt auf Ihre Erwiderung. mehr...

31.01.2010 von Kapnix: ?

Sinnlos? Vielleicht oberhalb des Kindergartenniveaus würde ich von Statischer und Dynamischer Belastung reden. Ich bemühe mich um Beispiele die die hier Anwesenden nicht überfordern. mehr...

31.01.2010 von Agitatist:

Na und? ---Zitat--- In keinem der Gebäude wurden mehrere Tonnen Treibstoff verbrannt oder die Struktur durch einen Einschlag geschwächt. ---Zitatende--- In Gebäude 7 auch nicht. ---Zitat--- Und vielleicht wurde bei Beiden [...] mehr...

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Wegen der Anschläge vom 11. September vor Gericht

Chalid Scheich Mohammed

dpa
Der Mann, einst "Nummer drei" im Terrornetzwerk al-Qaida, gilt als Drahtzieher der Anschläge. "Ich war verantwortlich für die Planung der Operationen von A bis Z", soll er 2007 nach Angaben des Pentagons gestanden haben. Kritiker zweifeln die Aussagekraft der Geständnisse allerdings an und verweisen auf Berichte, nach denen Mohammed gefoltert wurde. Der Angeklagte kam 1964 oder 1965 auf die Welt und wuchs in Kuwait auf, sein Vater soll aus der pakistanischen Provinz Belutschistan stammen. In den achtziger Jahren studierte er in den USA, wo er angeblich einen Abschluss als Ingenieur erwarb. mehr auf der Themenseite...

Ramzi Binalshibh

Ali Abd al-Asis Ali

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Walid bin Attasch



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"An den Rand des Todes und zurück" - Folterberichte

Abu Subeida

AP
Abu Subeida, ein mutmaßlich enger Vertrauer von Osama Bin Laden, wurde im März 2002 in Pakistan gefasst und dabei schwer verletzt. Die CIA sorgte dem Bericht zufolge ausdrücklich dafür, dass er gesundgepflegt wurde - nur um ihn dann foltern zu können. Dazu sei er zwischen mehreren CIA-Lagern hin- und hertransportiert worden.

"Ich erwachte, nackt, an ein Bett gefesselt, in einem sehr weißen Raum. Der Raum maß ungefähr vier mal vier Meter. (...) Nach einiger Zeit, ich glaube, dass es mehrere Tage waren, wurde ich zu einem Stuhl gebracht, an den ich an Händen und Füßen gekettet wurde, für die nächsten zwei bis drei Wochen, glaube ich. In der Zeit bekam ich durch das dauerhafte Sitzen Blasen an der Unterseite meiner Beine. (...) In den ersten zwei oder drei Wochen bekam ich, während ich auf dem Stuhl saß, keine feste Nahrung. Mir wurde nur Ensure (ein Proteingetränk, Anm.d.Red.) und Wasser zu trinken gegeben. Anfangs musste ich mich von dem Ensure übergeben, aber das wurde mit der Zeit besser. (...) Die Zelle und der Raum waren klimatisiert und sehr kalt. Die ganze Zeit spielte sehr laute Brüllmusik. Sie wiederholte sich alle 15 Minuten, 24 Stunden am Tag. Manchmal stoppte die Musik und wurde von lautem Zischen oder Knattern abgelöst. (...) Zwei schwarze Holzkisten wurden in den Raum außerhalb meiner Zelle gebracht. Eine war hoch, etwas größer als ich und schmal. (...) Die andere war kleiner. (...) Ich wurde aus meiner Zelle geholt, und einer der Vernehmenden wickelte ein Handtuch um meinen Hals, und dann benutzten sie das, um mich herumzuschleudern und mich wiederholt gegen die harte Wand des Raums zu schmettern. Auch wurde ich wiederholt ins Gesicht geschlagen. (...) Dann wurde ich in die große Kiste gesteckt, ich glaube für rund eine bis eineinhalb Stunden. Die Kiste war innen und außen total schwarz. (...) Sie bedeckten die Außenseite der Kiste mit einem schwarzen Tuch, um das Licht zu verdunkeln und meine Luftzufuhr zu drosseln. Es war schwer zu atmen. (...) Nach dem Verprügeln wurde ich in die kleine Kiste gesteckt. (...) Da sie nicht hoch genug war, um aufrecht zu sitzen, musste ich mich zusammenkrümmen. Wegen meiner Wunden war das sehr schwer. (...) Die Wunde an meinem Bein öffnete sich und begann zu bluten. Ich weiß nicht, wie lange ich in der kleinen Kiste blieb, ich bin vielleicht eingeschlafen oder ohnmächtig geworden. (...) Dann wurde ich aus der kleinen Kiste gezerrt, ohne dass ich ordentlich laufen konnte, und auf etwas geschnallt, was wie ein Krankenhausbett aussah, und mit engen Gurten sehr eng daran gefesselt. Ein schwarzes Tuch wurde über mein Gesicht gepresst, und die Vernehmer nahmen eine Mineralwasserflasche, um Wasser auf das Tuch zu kippen, so dass ich nicht atmen konnte. Nach ein paar Minuten wurde das Tuch weggenommen und das Bett in eine aufrechte Position gedreht. Der Druck der Gurte auf meine Wunden tat sehr weh. Ich erbrach mich. Dann wurde das Bett wieder in eine horizontale Position gedreht und die gleiche Folter wiederholt, mit dem schwarzen Tuch über meinem Gesicht und dem Wasser aus der Flasche. Diesmal hing mein Kopf mehr in einer rückwärtigen, nach unten gerichteten Position, und das Wasser wurde länger ausgeschüttet. Ich kämpfte mit den Gurten, versuchte zu atmen, doch es war hoffnungslos. Ich dachte, ich würde sterben. Ich verlor die Kontrolle über mein Urin. Seitdem verliere ich auch heute noch die Kontrolle über mein Urin, wenn ich unter Stress stehe. (...) Das dauerte etwa eine Woche. In der Zeit wurde die ganze Prozedur fünfmal wiederholt. (...) Einmal wurde das Ersticken dreimal hintereinander wiederholt. (...) Mehrmals brach ich dabei zusammen und verlor das Bewusstsein. Dann wurde die Folter durch die Intervention eines Arztes gestoppt."

Quelle: ICRC/Mark Danner/"New York Review of Books"

Walid bin Attasch

Chalid Scheich Mohammed




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