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15.11.2009
 

Uno-Klimakonferenz

Umweltminister Röttgen richtet dramatischen Appell an USA

Norbert Röttgen: "Es geht in Kopenhagen nicht um eine abstrakte Expertendiskussion"Zur Großansicht
REUTERS

Norbert Röttgen: "Es geht in Kopenhagen nicht um eine abstrakte Expertendiskussion"

Dem Uno-Klimagipfel droht ein Desaster: In Kopenhagen wird es wohl kein verbindliches Abkommen geben, da der Widerstand mehrerer Länder zu groß ist. Um ein Scheitern doch noch zu verhindern, fordert Umweltminister Röttgen die USA zum Einlenken auf. Es gehe um eine Schicksalsfrage.

Singapur/Berlin - Fast allen Ländern ist bewusst, dass etwas gegen den Klimawandel getan werden muss, nur mit der konkreten Umsetzung tun sich die meisten schwer. Deshalb haben sich an diesem Wochenende die Hoffnungen auf ein verbindliches Abkommen zum Schutz des Weltklimas bei der Uno-Konferenz in Kopenhagen weitgehend zerschlagen.

Die Bemühungen seien am Widerstand zahlreicher Länder gescheitert, räumte der Gastgeber des Treffens, der dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen, am Sonntag beim Gipfel des asiatisch-pazifischen Wirtschaftsforums Apec in Singapur ein.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen will sich aber nicht damit abfinden, schon vor dem Treffen dessen Scheitern zu erklären. Entsprechend appellierte der CDU-Politiker eindringlich an die Einigungsbereitschaft der USA, die neben China einer der größten Klimasünder sind. "Es gibt keine Alternative zum Erfolg", sagte der CDU-Politiker. "Ein Teil des Erfolgs ist, dass alle dabei sind. Dazu gehören zwingend auch die USA."

Gastgeber Rasmussen warb für Minimalkonsens

Röttgen betonte laut "Focus", dass es in Kopenhagen "nicht um abstrakte Expertendiskussionen", sondern um eine Schicksalsfrage gehe: "Überlebt unser Planet, oder geht er bald unter?" Deutschland habe bei den Verhandlungen ebenfalls ein "enormes Gewicht". Werde der Klimawandel nicht gestoppt, würden Hunderte Millionen Menschen in Afrika von Wassermangel bedroht. "Dann haben wir ein gigantisches Flüchtlingsdrama", sagte Röttgen.

Während der deutsche Umweltminister dramatische Appelle an die USA und die anderen Konferenzteilnehmer richtet, versuchte Gipfel-Gastgeber Rasmussen am Wochenende zu retten, was kaum noch zu retten ist. Überraschend reiste er zum Apec-Gipfel in Singapur, dem letzten großen Treffen politischer Entscheidungsträger vor der Weltklimakonferenz.

Dort warb Rasmussen für einen Minimalkonsens: eine fünf- bis achtseitige politische Erklärung, auf die später ein völkerrechtlich verbindlicher Vertrag folgen soll. Dieser Kompromissformel stimmten die USA und China zwar zu. Welche konkreten Folgen sich daraus jedoch für die Beschlüsse der Klimakonferenz ergeben, ist offen.

"Wir brauchen Zusagen und Zahlen"

Rasmussen sah das Gute im Schlechten: "Wir sollten uns darauf konzentrieren, was machbar ist, und uns nicht davon ablenken lassen, was nicht machbar ist." Danach soll das Dokument von Kopenhagen alle nötigen Aspekte des späteren Klimavertrags beinhalten und politisch bindend sein, "auch wenn nicht der letzte Punkt für ein völkerrechtlich verbindliches Dokument ausgehandelt ist". Es soll für jedes Land klare Vorgaben für die Verringerung der klimaschädlichen Treibhausgase enthalten und die Finanzierung der Anpassungsmaßnahmen regeln.

"Wir brauchen Zusagen. Wir brauchen Zahlen. Wir brauchen Action", sagte Rasmussen. "Niemand soll sich aus der Verantwortung stehlen können", fügte er hinzu. Der eigentlich in Kopenhagen geplante Weltklimavertrag solle anschließend "so schnell wie möglich" abgeschlossen werden, sagte ein dänischer Regierungssprecher.

Die Apec-Politiker seien sich einig gewesen, dass Kopenhagen ein Erfolg werden müsse, sagte der Wirtschaftsberater Obamas, Mike Froman. Dennoch war allen klar, dass "es unrealistisch war zu erwarten, dass von heute bis zum Start in Kopenhagen in 22 Tagen ein vollständiges, weltweit rechtsverbindliches Abkommen erzielt werden könnte." Obama habe vor zu viel Perfektion gewarnt: "Lasst das Perfekte nicht zum Feind des Guten werden", zitierte er den Präsidenten sinngemäß.


Entsprechend blieb ein ehrgeiziges Klimaschutzziel in der abschließenden Apec- Erklärung aus. Der Vorschlag in einem Entwurf, eine Reduzierung der Treibhausgase um 50 Prozent bis 2050 anzustreben, wurde mangels Konsens gestrichen, sagte ein chinesischer Unterhändler. "Wir bekräftigen unsere Entschlossenheit, die Bedrohung durch den Klimawandel anzupacken und uns für ein ehrgeiziges Ergebnis in Kopenhagen einzusetzen", hieß es in der Erklärung der 21 Mitgliedsländer lediglich. Ärmere Länder brauchten finanzielle Hilfe und Technologie aus reicheren Ländern, um sich auf den Klimawandel einzustellen.

Dänemark hat 192 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt zur Klimakonferenz eingeladen. Bei der Tagung im Rahmen der Vereinten Nationen vom 7. bis 18. Dezember sollte eigentlich ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen verabschiedet werden, um die bedrohliche Erwärmung des Erdklimas zu bremsen. Nach Uno-Angaben haben schon 40 Staats- und Regierungschefs ihre Teilnahme zugesagt, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister Gordon Brown.

Immerhin gibt es auch einen Hoffnungsschimmer: Brasilien, eines der größten aufstrebenden Länder der Welt, will die Emissionen bis 2020 um fast 40 Prozent senken. Damit würden in den nächsten elf Jahren eine Milliarde Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) eingespart, teilte die Regierung mit.

Sie will ein Viertel der Zielvorgabe dadurch erreichen, dass die Abholzung des Regenwaldes im Amazonas bis etwa 80 Prozent verringert wird. Nach den Berechnungen der Regierung lägen die brasilianischen Emissionen damit im Jahr 2020 auf dem Niveau von 1994.

böl/AP/dpa

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Die neuesten Beiträge:
21.12.2009 von cluster15: jetzt mal Tacheles

Tja, was man Sie was schlimmer wird, Wortklauben oder Datenklauben..... Keine Ahnung was Sie meinen, der lineare Trend zeigt einen Anstieg von etwas mehr als 0.4 Grad Celsius Warum 1940 oder 1970? Von 1930-1970 ist [...] mehr...

21.12.2009 von cluster15: A posteriori

Kausalketten im Nachhinein konstruieren zu können, heißt nicht in jedem Fall, dass die Ereignisse tatsächlich in der Abfolge als solche im Vorhinein geplant waren (schönes Beispiel wäre das Minenfeld der Evolution). Ich hatte [...] mehr...

21.12.2009 von snoopdog: Beamtenspeech.

... und falls das Klima sich nicht reglementskonform entwickeln will, dann ist fristgemäß bis spätestens 31.12.09... Beamtenspeech pur ... hoffentlich kriegen Sie Ihre Kaffeepause eben so zuverlässig geregelt mehr...

20.12.2009 von denkmal!:

[QUOTE=Blackjack51;4733832][QUOTE=denkmal!;4733314]Also ich bin meinen chinesischen Solarzellen absolut zufrieden. Sie überteffen sogar die angegebenen Werte. ---Zitat--- Hast du die Panels messen lassen? Das können nur wenige [...] mehr...

20.12.2009 von de.nada: Hatte was zu erledigen. ;)

Ich weiß nicht wie ehrlich "Die Welt" ist. Ich weiß nicht mal ob die Welt weiß was PR ist und was nicht. (hoffentlich erscheint nur dieses) mehr...

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Weltklimaverhandlungen

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Die G-8-Staaten haben sich grundsätzlich zu dem Ziel bekannt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auch die Schwellenländer haben sich dem jetzt angeschlossen. Doch konkrete Vorgaben und Zusagen zur Finanzierung fehlen noch - deshalb könnte es beim bloßen Lippenbekenntnis bleiben.

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